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THEE HEADCOATS

Billy und sein Schrank voller Ideen

Bandfoto THEE HEADCOATS

Ox-Interview von Joachim Hiller

William Hamper ist ein international bekannter Maler, er wird in London, Berlin und New York von Galerien vertreten. Geboren wurde er am 1. Dezember 1959 als Steven John Hamper. Als Billy Childish ist er seit 1977 Musiker und Sänger und änderte seitdem zig Male den Namen seiner Band. Auf die POP RIVETS folgten THEE MILKSHAKES, auf diese folgten THEE MIGHTY CAESARS, THE DELMONAS und schließlich die in jüngster Zeit reaktivierten THEE HEADCOATS, die zusammen mit dem Ableger THEE HEADCOATEES von 1989 bis 1999 aktiv waren. Es folgten THE BUFF MEDWAYS und MUSICIANS OF THE BRITISH EMPIRE und SPARTAN DREGGS und CTMF und ... ach, es ist unüberschaubar, wie auch die hunderte (!) Tonträger umfassende Diskografie. Kurt Cobain war Fan, Jack White ist es (offensichtlich) auch, und wer immer von Garage-Rock redet, impliziert das, was der Meister der seit fast 50 Jahren mal schnell in LoFi aufgenommenen Zweieinhalbminüter schreibt, spielt, singt. Billy lebt mit seiner Kreativpartnerin und Gattin Julie in der Medway-Region südwestlich von London, seine (fast) erwachsenen Kinder sind ebenfalls musikalisch aktiv. Das neue THEE HEADCOATS-Album „The Sherlock Holmes Rhythm ’n’ Beat Vernacular“ dient als Anlass für ein weiteres anregendes Gespräch.

Billy, du bist Künstler und meiner Einschätzung nach jemand, der in der Gegenwart lebt und in die Zukunft schaut. Aber wenn du Interviews über Musik gibst, redest du oft über etwas, das kürzlich oder etwas weiter in der Vergangenheit passiert ist. Wie fühlt es sich an, meist über früher zu reden?

Ich werde oft zu meiner Kindheit und meinem Hintergrund und den Dingen, die mich interessieren, befragt. Ich rede immer gerne darüber und ich habe sowieso schon immer ein großes Interesse an Geschichte gehabt. Daher kommt es mir nicht ungewöhnlich vor. Was die Zukunft betrifft, so mache ich nicht viele Pläne und habe nicht viele Ambitionen. Was für ein Spiel spielen wir heute? Das ist meine Einstellung, so gehe ich die Dinge an. Mein Leben ist immer projektbezogen, ich richte alles nach einem Projekt aus, und manche Projekte können auch mal 30 Jahre lang im Schrank liegen bleiben. Und dann öffne ich den Schrank und sage: Dieses Spielzeug gefällt mir ganz gut, lasst uns wieder damit spielen!

Und eines dieser Projekte im Schrank war wohl die Sache mit den HEADCOATS und HEADCOATEES. Ich sprach bereits mit Sarah aka Ludella. Ich würde gerne deine Seite der Geschichte hören. Inwiefern warst du an der Wiederbelebung der HEADCOATEES beteiligt?

Also ... ich war meistens der, der den Van fährt. Ich war Chef-Roadie, Fahrer und Autowäscher. Ich glaube, das Ganze nahm Fahrt auf, als 2022 Don Craine von DOWNLINER SECT verstorben war, und ich dachte, dass wir etwas zu seinen Ehren machen sollten. Das würde etwas mit den HEADCOATS zu tun haben, und dann sollten wir auch was mit den HEADCOATEES unternehmen. Ich hatte damals Studiozeit gebucht, um ein Album mit Neil Palmer von den SPARTAN DREGGS aufzunehmen. Ich muss so was immer drei Monate im Voraus buchen, weil Neil Zeit braucht, um sich mit der Idee, dass wir ein Album machen, anzufreunden. In diesem Fall bin ich der Bassist und schreibe zusammen mit Neil, und ja, ich bin da auch der Fahrer. Ich sagte zu Jim Riley vom Studio, er solle sich nicht wundern, wenn Neil einen Rückzieher macht – das ist übrigens der Grund, warum es so viel Zeit kostet, ein SPARTAN DREGGS-Alben zu machen –, und siehe da, einen Monat später sagte Neil mir ab. Also habe ich Bruce und Johnny angerufen und gesagt: „Lasst uns ein HEADCOATS-Album machen.“ Und ich dachte mir: Okay, das ist wohl der listige Plan des Universums. Dann habe ich mit Ian von Damaged Goods darüber gesprochen. Und er meinte: „Wenn ihr ein Album macht, solltet ihr auch einen Gig spielen.“ Und ich sagte: „Ja, und wenn wir einen Gig spielen, brauchen wir wahrscheinlich auch die HEADCOATEES.“ Und wenn wir die dazuholen, sollten wir am besten auch ein HEADCOATEES-Album machen. Ian sagte, er hätte mit Holly gesprochen und sie hätte dasselbe gesagt.

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