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Türchen No 2 | Resilienz-Adventskalender für belastende Zeiten

Liebe Leserinnen und Leser,

heute ist Tag Nummer 2 beim Resilienz-Adventskalender für belastende Zeiten. Meine kleine 24-Tage-Challenge soll ein wenig dabei unterstützen, die eigene Resilienz nicht aus dem Blick zu verlieren.

Heute geht es um das Thema Akzeptanz der Realität.

Auch wenn es schmerzt: Realität akzeptieren

Resilienz bedeutet nicht, die Realität zu leugnen, sondern sich bewusst zu machen, was passiert. Diese radikale Akzeptanz kann der erste Schritt für eine bessere Bewältigung der Gegenwart sein. Nur wenn wir wissen, was los ist, können wir überhaupt agieren - und auswählen, wo wir etwas verändern können - und wo nicht.

Akzeptanz soll hier nicht heißen, dass wir uns auf gesellschaftlichen Missständen ausruhen oder bestimmte Entwicklungen sogar gutheißen. Viel mehr geht es darum, dass man lernt zu sehen, wo man überhaupt Dinge beeinflussen kann - und wo nicht. Es geht darum, das Kontrollierbare zu kontrollieren und nicht die Energie da zu verlieren, wo wir gerade nichts ändern können. “Es geht darum, sich die Macht darüber zurückzuholen, wie man damit umgeht. Gerade, wenn man selbst von Diskriminierung betroffen ist, und gleichzeitig gegen diese Diskriminierung kämpft”, sagt auch die Autorin Svenja Gräfen (Opens in a new window).

„Ich wünschte, es hätte nicht in meiner Zeit geschehen müssen", sagte Frodo. „Das tue ich auch", sagte Gandalf, „und alle, die leben, um solche Zeiten zu sehen. Aber das ist nicht ihre Entscheidung. Alles, was wir entscheiden müssen, ist, was wir mit der Zeit tun, die uns gegeben ist."

"Viele Menschen glauben, dass, wenn man etwas akzeptiert, man es nicht verändern könne, aber das Gegenteil ist der Fall. Nur das radikale Akzeptieren der Gegebenheiten in unserem Leben erlaubt uns eine Veränderung", sagt die Psychologin Marsha Linehan (Opens in a new window). Wenn man akzeptiert, dass autoritäre Kräfte gerade im Aufwind sind und es eben nicht leugnet, kann man erst beginnen, etwas dagegen zu unternehmen. Wer lieber wegschaut, wird vermutlich nicht aktiv werden.

Dieser Prozess der Annahme der Realität ist gerade in Krisen schmerzhaft. Eskapismus ist da oft der leichtere Weg. Aber dann wird es vermutlich auch nicht schnell besser werden. Je mehr Energie wir aber damit verschwenden, die Realität nicht akzeptieren zu wollen, desto schwieriger wird es.

🦖 Deine Übung für Heute

Nimm Dir einen Moment Zeit, komme zur Ruhe. Mach Dir vielleicht eine Tasse Tee oder dein Lieblingssnack - und schreibe auf:

🖊️ Auch wenn es manchmal nicht leicht ist, schreibe dir auf, was dir aktuell gesellschaftlich Sorgen bereitet und Dich belastet.

Wenn Du Dir bewusst gemacht hast, was du als belastend empfindest, kannst Du Dir schon einmal Gedanken machen, wo Du etwas verändern kannst. Welche Bereiche sind Dir wichtig? Was kannst Du gut? Wo hast du in der Vergangenheit vielleicht schon positive Erfahrungen gemacht?

Berichte mir gerne, was Dir Sorgen macht und wo Du denkst, dass dein Handeln einen Unterschied macht.

Weiterführende Informationen

Ich war schon vor einiger Zeit beim Podcast Carpe What? Der Sinn-Podcast zu Gast, um über - wenig überraschend - Verschwörungserzählungen zu sprechen. In der Folge (Opens in a new window) ging es generell um das Thema “Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt - easy, oder?!”. Das passt ja ganz gut zum Thema, ob wir die Realität akzeptieren sollten oder uns doch eher eine eigene bauen.

Ich wünsche Dir viel Spaß mit dem Kalender,

Deine

Pia Lamberty

Hintergrundinfos
Hintergrund: Was ist ein Resilienz-Adventskalender für belastende Zeiten?

Die Welt ist im Wandel – und das in einer Geschwindigkeit, die viele Menschen überfordert. Gewohnte Sicherheiten brechen weg, die psychischen Belastungen nehmen zu. Verschiedene Studien zeigen, dass globale Krisen erhebliche psychische Auswirkungen haben und viele an ihre Belastungsgrenze bringen.

Viele Menschen fühlen sich aufgrund der Krisenpermanenz und zunehmenden Bedrohungslage machtlos – doch sie sind es nicht. Menschen können die Welt verändern und haben mehr Einflussmöglichkeiten als ihnen bewusst wird. Um sich zu engagieren, benötigt es aber mentale Kapazitäten und Skills, um mit Stress umzugehen. Denn: Wer keine Ressourcen übrig hat, wird sich wahrscheinlich weniger einbringen können.

Anleitung: Wie funktioniert der Adventskalender?

Dieser Adventskalender hat 24 kleine Übungen, damit Du deine Resilienz jeden Tag ein bisschen stärken kannst. Jeden Tag geht es um ein anderes Thema, um besser durch turbulente Zeiten zu navigieren.

Du kannst die Ergebnisse deiner Übungen gerne aufschreiben und immer wieder mal anschauen. Das funktioniert in der Notizen-App in deinem Handy. Oder du bastelst dir ein kleines Resilienz-Tagebuch. Jede Übung dauert nicht mehr als 15 Minuten.

Es ist auch nicht schlimm, wenn Du nicht alles schaffst oder Du Übungen nicht magst. Das Ganze soll dich stärken und kein weiterer Stresspunkt werden.

Wenn Du aktuell in Psychotherapie bist, besprich vorher mit deinem bzw. deiner Therapeut*in, ob Du aktuell solche Übungen machen solltest.

Ist Resilienz nicht nur so ein komischer Internet-Trend?

Jein. Der Begriff wird gerade auf Social Media oder bei manchen Feel-Good-Seiten ganz schön überstrapaziert und oft sehr individualistisch betrachtet. Trotzdem beschreibt er eine reale Fähigkeit: gut mit Belastungen umgehen zu können. Und diese Kompetenz brauchen wir leider gerade recht häufig. Resilienz hat natürlich auch seine Grenzen. Es ist keine Superkraft, die plötzlich alles gut macht. Dennoch ist es wichtig, um belastende Phasen besser zu überstehen.

Falls Du mich noch nicht kennst:

Ich bin Dr. Pia Lamberty und Psychologin. Mein Studium der Psychologie habe ich an der FernUniversität Hagen und der Universität Köln (Schwerpunkt Social Cognition und Medienpsychologie) absolviert. An verschiedenen Universitäten – in Köln, Mainz, Brüssel und Beer Sheva – habe ich mich intensiv mit Verschwörungsglauben beschäftigt. Darüber hinaus habe ich auch zu Erinnerungskultur, Antisemitismus und allgemeinen Vorurteilen geforscht. Wer sich für meine Forschung interessiert, kann gerne bei Google Scholar (Opens in a new window) vorbei schauen.

Im Jahr 2020 habe ich gemeinsam mit Katharina Nocun mein erstes Buch veröffentlich - “Fake Facts - Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen” -, das in der Coronapandemie zum Bestellter wurde. Ein Jahr später, 2021, erschien dann “True Facts - Was gegen Verschwörungserzählungen wirklich hilft” und 2023 der nächste Besteller: “Gefährlicher Glaube - Die radikale Welt der Esoterik”. Im Jahr 2021 habe ich mit anderen dann CeMAS (Opens in a new window)- Center für Monitoring, Analayse und Strategie gegründet und war dort bis Oktober 2025 aktiv.

Promoviert habe ich an der Sozial- und Rechtspsychologie der Universität Mainz - zur Rolle von Verschwörungserzählungen im Kontext von Gesundheitsthemen. Daneben habe ich mich durch die Deutsche Psychologenakademie zur Notfallpsychologin (Opens in a new window)weiterbilden lassen.

Mehr über mich findest Du auf meiner neuen Homepage.

Topic ResilienzAdventskalender

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