Hey ihr Lieben,
ich bin mal wieder etwas spät dran, aber besser spät als nie ;)
Diesmal ist der Newsletter etwas anders aufgebaut, denn ich möchte euch ein bisschen teilhaben lassen an meinen Gedanken zum neuesten Song, den ich veröffentlicht habe. Einen kleinen Rückblick gibt es aber auch. Viel Spaß beim lesen!
Gedanken zu “Auf die Straße”
Die Wälder brennen, Meere steigen, Menschen müssen fliehn
Und das ist nur der Vorgeschmack, den wir schon heute sehn
Am Ende vom Jahrhundert staunen wir dann nur verwundert
Wie die Staaten kollabiern und wir vertrocknen und verhungern.
Es ist November 2025, kurz vor dem Start der Klimakonferenz in Brasilien. Und ich bin ehrlich: ich habe eigentlich gar keine Lust mich damit zu beschäftigen. Der Frust über die aktuelle Klimadebatte - die quasi nicht existiert - sitzt tief und mich darauf einlassen, was vor drei Tagen im State of the Climate Report 2025 (Opens in a new window) veröffentlicht wurde, fällt mir sehr schwer. Parallel flattern jede Woche neue Briefe von Polizei, Staatsanwaltschaften und Gerichten rein: Anhörungsbögen, Zahlungsaufforderung, Ladungen, etc pp… Alles wegen friedlichen Protesten, die ich mit der Letzten Generation gemacht hatte, um für echten Klimaschutz zu kämpfen. Während also die weltweiten Regierungen weiterhin zu schwache Klimaziele abschwächen, kämpfen meine Freunde und ich mit den Repressionen. Wie soll man da weitermachen? Weiter Zeit und Energie für mehr Klimaschutz einsetzen?
Gestern Abend habe ich meinen Eltern den fertigen Mix von “Auf die Straße” gezeigt. Das erste Mal seit langem sang ich den Song nicht, sondern hörte einfach zu. Ich lauschte meinen eigenen Worten und das löste etwas in mir aus. Die motivierte, entflammte Ronja von 2023, die diesen Song geschrieben hatte sang zu mir, der etwas Ronja von 2025, deren liebstes Wort zur Klimakrise frustriert ist.
Hier ist es viel zu schön, um resigniert nur zuzusehn,
Wie die einen profitieren, dass die andern untergehn
Diese Worte hatte Ronja von 2023 geschrieben. Die, die brannte und andere anzünden wollte. Die daran geglaubt hatte: wenn ich nur genug andere Menschen mitziehe, werden wir genug Menschen und können doch noch genug Druck machen und genug Klimaschutz erreichen und… aber es war nicht genug. Gerade werden Klimapläne eher aufgeweicht, statt verbessert, während die wissenschaftlichen Erkenntnisse immer erschreckender werden. Und doch: in all dem Frust, der Verzweiflung und der Traurigkeit, die mich regelmäßig deswegen heimsucht, komme ich auch immer wieder zu dem Schluss:
Es steht zu viel auf dem Spiel,
Um einfach aufzugeben!
Zurzeit bin ich nicht Feuer und Flamme. Ich kann keine andren Menschen an die Hand nehmen und sie mit in die Bewegung ziehen, weil ich selbst nicht mal weiß wo und wie diese Bewegung noch etwas bewegen kann. Ich versuche irgendwie weiter zu machen, festen Boden unter meine Klimaaktivismus-Füße zu bekommen, aber es ist eher ein stolpern und sich ständig aufrappeln geworden. Kein zielstrebiges laufen, bei dem ich andren zuwinke, damit sie mit auf diesen Weg kommen. Kein Hände reichen. Nein, die Hände brauche ich, um selbst immer wieder hochzukommen, oder mich hochziehen zu lassen.
Letzte Woche war ich plakatieren. Ganz legal in Cafés. Es waren Plakate für eine Fridays for Future Demo am kommenden Freitag (14.11.)1 und während ich das Kreppband abbriss, dachte ich mir: “Vom Flughafen blockieren zum legal plakatieren.” und “Ob das noch irgendwas bringt?” Doch dann gab ich mir wieder einen Ruck. Solange ich nicht weiß, was noch etwas bringt, mache ich zumindest irgendwas, das potentiell, vielleicht etwas bringen könnte. Den nichts tun, nicht protestieren, das war schon immer die schlechteste Protestform! Also:
Lass uns auf die Straße gehen!
Zusammen könn’ wir was bewegen!2
Rückblick auf den Oktober
Ronja meats HipHop
Ende Oktober hat mich Felix aka Riesenlauch eingeladen gemeinsam mit ihm und Dopa Manor ein Konzert in der Alten Mälzerei in Regensburg zu spielen. Was man dazu wissen muss: die beiden sind Rapper. Und auch wenn sowohl mein Liedermacher-Kram, als auch Rap sehr textfokussierte Musikgenres sind, so gibt es da doch durchaus eine Kluft dazwischen. Und ja: es war eine sogenannte wilde Kombi. Funktioniert hat es glaub ich trotzdem und vor allem gibt es jetzt einen neuen, gemeinsamen Song von Riesenlauch und mir, den wir dort das erste Mal live gespielt haben!
Ronja meats Kabarett
Einen Tag nach dem HipHop-Abend, gab es dann Kontrastprogramm. Vici, meine Cellistin und ich sind nach Garching gefahren, wo wir in Christian Springer Talentschmiede auftreten durften. Statt dunklem Keller mit kleiner Bühne gabs hier einen Flügel in einem unendlich großen Saal. Auch wenn meine Lieder jetzt nicht gerade in die Kategorie lustig gehören, hat es (zumindest einem Teil)3 des Publikums und meinen Bühnenkolleg*innen gefallen.
Jetzt bereiten Vici und ich uns auf das letzte Ronja Künstler Konzert dieses Jahr vor und dann gehe ich mit meiner a cappella Band erstmal auf Weihnachts-Tour. Schaut da auch gerne mal rein: B'n'T acappella (Opens in a new window)
Danke für’s Lesen dieses doch sehr lang gewordenen Newsletters!
Eure Ronja
PS: Feedback zu Rechtschreibung und Kommasetzung ist wie immer nur meiner großen Schwester erlaubt :D
Kommende Auftritte:
15.11. Sa | 19:00 | Rothenburg ob der Tauber | Kulturbühne beim Märchenwald
Neues Live-Video:
Wenn du meine Kunst und meine politische Arbeit unterstützenswert findest, kannst du mich ab jetzt auf Steady (Opens in a new window) finanziell dabei unterstützen. Denn wenn viele Menschen monatliche Beiträge geben, kann ich hoffentlich auch weiterhin ohne klassische Lohnarbeit all meine Kraft und Energie in Kunst, Klimaaktivistmus, Kampf gegen Rechts, usw stecken.
Hier geht’s zu meiner Steady-Seite: