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Segeln ist schön. Aber wie anfangen?

 

Wer sich an das Leben auf See und unter Segel herantasten will, macht nichts verkehrt, wenn er oder sie die ersten Meilen auf einer kippligen Jolle zubringt. Hat mir sehr geholfen, denke ich.

Man erfährt sehr direkt, wie Aerodynamik in den Segeln auf das Schiff wirkt. Jede, auch die geringste Veränderung zeitigt sofort Folgen. Du lernst das Geräusch der Bugwelle einzuordnen und das Kielwasser zu lesen, das Gleichgewicht halten und genau dafür die Windkraft zu nutzen.

Am Starnberger See haben mein Bruder Konrad und ich auf einer geliehenen Holzjolle vom Typ »Pirat« die ersten Segelversuche unternommen. Ich war fünfzehn und Konrad sieben Jahre älter, aber am Leben auf See war ich irgendwie näher dran. Warum das so war, wurde mir erst viel später klar. Ich werde es noch verraten, wenn es sich ergibt.

Zunächst blieb der Ammersee in Oberbayern mein Segelrevier. Dort gab es bald auch simple Kielyachten aus GFK zu mieten. Massive Boote von der Firma Ernst in Utting, mit Schlupfkabine für die Badesachen und Proviant samt Biertragl. Etwa sechs Meter lang, natürlich ohne Motor.

Um mit diesen Booten und anderen auch offiziell segeln zu können, absolvierte ich den A-Schein und wenig später den Sportbootführerschein, der damals noch Binnen- und Hochseefahrt vereinte.

Das ging eine ganze Weile sehr gut. Segeln im Angesicht der Alpenkette, vorbei am hohen Kloster Andechs in der Herrschinger Bucht bis nach Eching hinauf und wieder zurück. Gezwiebelte Kirchtürme waren die eindeutigen Landmarken.

Dann schlug das Schicksal zu.

Cornelia trat in mein Leben, ein Mädchen von der See. Geboren in Kiel, in eine der Seefahrt verbundene Familie. Urgroßvater Heinrich Hermann Dahlström hat als Hamburger Reeder den Kaiser-Wilhelm-Kanal erfunden, Großvater Hans Adolf Neufeldt in Kiel Tiefseetaucher und allerlei andere Gerätschaften für die Seefahrt entwickelt, ihre Eltern lebten schließlich in Eckernförde an der Ostsee.

Diese hübsche Stadt kannte ich bereits hatte und habe Freunde dort. Aber Cornelia wollte im Süden bleiben, am Fuß der Alpen. Sie hat sich durchgesetzt. Familiengründung am Tegernsee.

Auch dort wird gesegelt, aber der Ammersee bietet weit mehr Möglichkeiten. Das war meinem Bruder und mir klar. Eines Tages zog er dort ein Schiff an Land.

Kann man so sagen, denn der Segelclub in Eching am Ammersee verfügte damals über keinen Steg, sondern lediglich über eine weitgehend naturbelassene Slipway. Dort war ein »Korsar« zu verkaufen. Ein elegantes weißes GFK-Boot mit hellbraun spiegelnd lackiertem Holzdeck, schwarzem Alumast und -baum.

Die Bootsklasse war auf Betreiben des Bayerischen Seglerverbandes 1958 entwickelt worden und die bayerischen Bootsbauer Mader und Vötterl hatten sich der Idee angenommen. So war eine fünf Meter lange Rennjolle entstanden mit leicht vollem Bug nach achtern flach auslaufend. Gesamtgewicht segelklar ca. 130 kg, 14,7 Quadratmeter Segelfläche am Wind und 14,8 Quadratmeter Spinaker, Steckschwert aus Holz mit einem Meter Tiefgang, Ruderblatt aus Holz.

Das Boot mit Namen LEO kam aus dem Hause Vötterl am Starnberger See. Dank ausgeschäumtem doppelten Boden im Vorschiff und Luftkissen unter dem Vor- und den Seitendecks bis mittschiffs war es unsinkbar. Eine ganz andere Nummer als der vergleichsweise schwere »Pirat« aus Holz.

Der »Korsar« kommt schnell schon bei leichten Winden ins Gleiten. Wenn du die Segel richtig trimmst, rauscht der auf seiner Bugwelle übers Wasser, die Wanten fangen an zu singen, das ganze Rigg summt wie eine Turbine. Bei stärkeren Winden hängt sich der Vorschoter weit nach luv ins Trapez, steht auf der Deckskante und du bekommst bald den Eindruck, übers Wasser zu fliegen. Es war eine Mordsgaudi.

Natürlich beteiligten wir uns an den Regatten auf dem See. Es zeigte sich aber bald, dass unsere Gewichtsklasse mit den Konkurrenten kaum mithalten konnte. Zusammen brachten wir locker 170 Kilogramm an Bord, ich 188 cm hoch Bruderherz 182 cm. Das zahlte sich nur bei stärkeren Winden aus, wenn unser Luvgewicht eine härtere Segelfläche erlaubte. Auch Holzschwert und Holzruderblatt konnten als Ausreden dienen, weil die Regattafreaks natürlich längst ultradünne GFK-Blätter fuhren mit entsprechend geringerem Widerstand.

Was soll‘s?

Wir hatten riesigen Spaß am Segeln und der endete regelmäßig noch lange nicht mit dem Überqueren der Ziellinie. Kam vor, dass wir Siegerehrungen verpassten. Den Tag auf dem See ausklingen lassen. Gibt’s Schöneres? 

Ja. Gibt es. 

Auf der westlichen Ostsee in den Sonnenuntergang segeln und im letzten Büchsenlicht in die Schlei einlaufen, an Maasholm vorbei, mindestens bis Kappeln. Oder gleich an Arnis vorbei bis ins Günebyer Noor. Seltsamerweise entwickelte ich dort regelmäßig starke Heimatgefühle.

Die Schwiegereltern ließen nichts unversucht, mich bei Besuchen auf Booten von Freunden und Verwandten unterzubringen. So kam ich zu der Ehre, mit dem Präsidenten des Eckernförder Yachtclubs und seiner Frau einen Tagesschlag Richtung Schleimünde zu segeln. Und auf der wunderschönen Ballad eines anderen Freundes der Familie durfte ich die klassische Aalregatta zur Eröffnung der Kielerwoche mitmachen. Die Crew holte den ersten Platz, woran ich eher nur durch Luvgewicht teilhatte.

Noch was Schöneres?

Ja.

Nach einem langen Segeltag in Kroatien in der Uvala Telascica hinter Dugi Otok den Anker fallen lassen, einfahren, Motor abstellen und ins glasklare Wasser springen. Ja, damals konnte man dort jede Einzelheit des Sandgrundes sehen.

Das war die nächste Stufe meines Seefahrerlebens. Der zweiwöchige Ausbildungstörn mit anschließender Prüfung in Istrien wurde zum Eintritt in mein Dasein als Segelskipper. Von da an charterte ich jedes Jahr für mindestens zwei Wochen seegehende Yachten. Zunächst auf der Adria, später auf der Ostsee.

Und anderswo.

Deine Reaktion auf diese Geschichte würde mich interessieren und sehr freuen. Vielen Dank!

© 2025 Hermann Engl 04711 Almerimar

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Topic Komm an Bord!

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