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Reife.

Gedanken über den Reifegrad und das Gefühl, das ihn bestimmt. Und: Habe ich wirklich meinen Schreibmut gefunden?

Kann es wirklich schon Anfang Mai sein? Es kommt mir vor als wäre es gestern gewesen, dass ich mich aus meinem Vollzeitjob in der Redaktion verabschiedet und den Sprung in die vollkommene Ungewissheit machte. Ich spreche viel über Zeit, ich weiß. Manchmal habe ich einfach das Gefühl, dass sie mir durch die Finger rinnt wie der feine Sand am Ostseestrand. Seltener läuft sie mir zu langsam, doch auch das passiert und dann frage ich mich, ob sie es mir überhaupt recht machen kann, die Zeit. So viel ist sicher: In den letzten Monaten bin ich reifer geworden. Als Mensch, aber auch als Autorin und Selbstständige. Das ist nicht an großen Gesten erkennbar, sondern vielmehr an meinem Umgang mit den Dingen. Und mit Worten. Mit Menschen.

Die kreative Selbstständigkeit entwickelt sich täglich weiter, mal in größeren Schritten und mal in einer einzigen E-Mail. Es ist aber auch völlig egal, wie schnell sie voranschreitet. Denn sie tut es. Während ich noch vor zwei oder drei Monaten eine Phase der regelmäßigen Panikanflüge darüber, wie es denn dann jetzt weitergehen soll, erlebte, sitze ich hier heute recht entspannt. Das wird schon. Es kommt alles, wie es soll. Und das meine ich ernst. Es sind so viele Dinge passiert, die zueinander führten, Entscheidungen brachten ihre Konsequenzen zu meinen Gunsten hervor und ich merke: Wenn ich mich wirklich auf das Wesentliche konzentriere und nicht dauernd wie ein aufgescheuchtes Reh von links nach rechts blicke, um am Ende genau da stehenzubleiben, wo ich bin, dann geht das alles gut.

Meinen eigenen Reifegrad konnte ich dank meines Beitrags für die Anthologie „Erste Seiten“, die Ende des Jahres erscheinen soll, noch einmal ganz genau feststellen. In diesem Text geht es um den Weg zum ersten Buch und nach einer Feedbackrunde mit dem Verleger, galt es auch den eigenen Werdegang abseits der ersten veröffentlichten Seiten zu zeichnen. Wenn man seinen eigenen Weg für andere beschreiben soll, dann will man einerseits nicht zu dick auftragen, andererseits aber auch nicht zu zurückhaltend sein und sich kleinmachen. Ich neige eher zu Letzterem, merkte aber mit der Überarbeitung meines Textes, dass die eigene Leistung nichts mit unangenehmen LinkedIn-Selbstbeweihräucherungen zu tun haben muss. Man kann einfach erzählen, wie es wirklich ist und wie es einem damit ging. Und genau da spürte ich, wie viel Schreibmut ich eigentlich schon in mir trage. War das schön! Und mit diesem Mut zu schreiben, fühle ich auch immer mehr Authentizität. In meinem Schreiben, aber auch in meinem ganzen Tun und Sein. Vielleicht geht es ja wirklich darum, sich selbst inmitten der ganzen Erwartungen und Hüllen zu finden.

Die Versuche, immer zu gefallen, statt echt zu sein, werden weniger. Und an der Stelle habe ich mal eine Frage an dich: Bist du ein:e People Pleaser:in, wenn es ums Schreiben geht? Fällt es dir leicht, ehrlich zu sein, wenn du schreibst? Oder versuchst du immer alles irgendwie in mundgerechte Häppchen und mit bloß nicht zu viel Salz zu servieren?

Das sind Fragen, die ich mir in der letzten Zeit oft gestellt habe und ich denke, dass man das ruhig immer wieder mal tun kann.

Wie steht es denn eigentlich sonst um mein Schreiben? Immer wieder erzähle ich von der kreativen Selbstständigkeit – die ist auch der Grund, warum ich aktuell weniger Kurzgeschichten schreibe, dafür mehr E-Mails und Instagram-Captions. Und dennoch erscheint der oben genannte Text noch in diesem Jahr, während in meinem Kopf die Ideen für die nächsten Projekte heranreifen. Schreiben beginnt eben nicht erst mit dem geöffneten Word-Dokument auf dem Laptop. Es beginnt immer mit einem Gedanken, der heranreift und zu einer Idee wird, die wir verfolgen und irgendwann, wenn die Zeit gekommen ist, zu Papier bringen. Und ich finde, dass wir diesen Prozess, ob beim Schreiben oder im Leben, viel mehr genießen sollten.

Bis bald!

Alles Liebe

deine Sarah

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