Warum ich dankbar bin für die Situationen, die sich in letzter Zeit sehr unangenehm angefühlt haben und über das Gefühl immer wieder neu anzufangen.
Der Februar ist der kürzeste Monat im Jahr und ich habe das Gefühl, dass er ungefähr eine Woche dauerte. Woran liegt das? Die Tage ziehen nur so an mir vorbei und ich frage mich, womit ich sie eigentlich verbracht habe. Dadurch, dass alles im Schnelldurchlauf zu passieren scheint, bekomme ich nur ein Drittel von dem mit, was ich tue und was um mich herum passiert. Die Schritte fühlen sich so klein an, doch wenn ich dann einmal stehenbleibe und den Blick auf die zurückgelegte Strecke werfe, frage ich mich: Wann bin ich denn über diese Hügel geklettert?
Diese Hügel sind nicht etwa Teil meines Weges in die kreative Selbstständigkeit. Der verläuft relativ glatt. Natürlich begleiten mich viele Unsicherheiten und Dinge, die ich einfach noch nicht weiß – aber es geht stetig voran. Leben kann ich von meinen zwei Schreib-Workshops (Opens in a new window) im Monat allerdings noch nicht, so viel dürfte klar sein. Mein ursprünglicher Plan war es, diese finanzielle Lücke mit der Arbeit als freie Redakteurin zu füllen, was absolut bodenständig und plausibel klang. Dass sich die Branche allerdings in eine Richtung entwickelt, in der man von Glück reden kann, überhaupt irgendwo unterzukommen – das hatte ich nicht auf dem Schirm. Die meisten Medien, bei denen ich mich vorstellte, antworteten mir mit aufrichtigem Bedauern, dass sie schlichtweg kein Budget haben und das Pensum mit den noch vorhandenen Festangestellten erfüllen müssen. Und selbst die fallen aktuell teilweise nach jahrelanger Aufopferung für das Unternehmen „Umstrukturierungen“ zum Opfer. Erst heute Morgen führte ich ein kurzes Instagram-Gespräch mit einer anderen Journalistin, die mir all dies bestätigte und sogar noch einen obendrauf setzte: Laut einer befreundeten HR-Kollegin schreiben die Medienhäuser zwar Stellen aus, diese seien aber gar nicht zu besetzen. Man wolle so den Schein wahren. Nach meinen Erfahrungen der letzten Monate kann ich mir das gut vorstellen.

Aber was nun? Inmitten dieser Krise – mein geplanter Brotjob fällt quasi weg – sah ich mich dann doch auch nach Festanstellungen in Redaktionen um, zumindest in Teilzeit. Ein sehr bekanntes Medienhaus lud mich zum Videogespräch ein, das mir klarmachte: So schlimm kann meine Lage nicht werden, dass ich mich hierauf einlasse. Ich beendete den Bewerbungsprozess sofort. Lieber arbeite ich vorübergehend im Buchladen oder im Café statt „meine Seele zu verkaufen“, wie meine Gesprächspartnerin von heute Morgen es so schön ausdrückte.
Aktuell bin ich abgesichert und habe noch ein paar Monate Zeit, um meine berufliche Zukunft auf die für mich passende Bahn zu bringen. Und mir wurde nach den Unannehmlichkeiten, die sich während meiner Suche nach dem Brotjob ergaben, eines klar: Alles läuft richtig, genauso wie es jetzt ist. Das Universum bewahrt mich vor der nächsten Extrarunde, bevor ich endlich das Selbstvertrauen habe, meinen eigenen Weg über diese Schwelle hinauszugehen. Ich habe das Gefühl, gerade an einer Kreuzung zu stehen, die einerseits in eine mir wohlvertraute Richtung führt und auf der anderen Seite auf einen nebligen Pfad, auf dem man immer nur den nächsten Schritt sehen kann. Ich könnte also nun sehenden Auges dahin laufen, wo ich hergekommen und mich dort weiterhin im Kreis drehen oder mal schauen, was sich so im Nebel verbirgt.
Heute ging ich den nächsten Schritt in Richtung Nebel und erstellte meinen ersten Post auf LinkedIn (Opens in a new window). Unangenehm! Aber ich habe es geschafft und werde wieder stur meine Selbstständigkeit-To-do-Liste abarbeiten. Ein bisschen ärgere ich mich, dass ich mich zwischendurch von meiner Angst der finanziellen Unsicherheit habe leiten lassen. Aber ich denke, es ist ok, zwischendurch zu zweifeln. Denn wenn die Zweifel wieder weiterziehen, hinterlassen sie einen Motivationsschub, der es in sich hat. Wie oft ich das wohl noch mitmachen werde? Und ob das irgendwann aufhört?
Dieses Muster erstreckt sich auch auf das Schreiben: Bereits Anfang Januar bekam ich das Angebot, an einer Anthologie mitzuwirken und sagte freudig zu, bis Ende März 10–25 Normseiten Text abzuliefern. Es dauerte eine Ewigkeit, bis ich überhaupt anfing, mit dem Schreiben. Als mein Thema klar war, schrieb ich eineinhalb Seiten, die dann ein paar Wochen vor sich hin existierten. Ich legte sie in die digitale Schublade und fand die Existenz dieser Worte unangenehm. Mit näher rückender Deadline und ja auch dem Wunsch, einen feinen Beitrag abzuliefern, setzte ich mich doch noch einmal dran. So schlecht las sich das alles dann gar nicht mehr. Und ich fügte weitere Seiten hinzu. Ich bin noch nicht fertig und es kann sein, dass ich alles noch einmal über Bord werfe. Aber ich werde es immer wieder versuchen. Und so oft anfangen wie es eben nötig ist.
Alles Liebe
deine Sarah