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#4 Syrien, ein Spion und Ausstellung in München

Hallo in die Runde,

heute nehme ich - Theresa - , euch ein bisschen in unseren Arbeitsalltag mit. Meinen eigenen muss ich gerade offengestanden erst wieder finden: Die vergangenen drei Monate war ich Dank eines IJP-Stipendiums (Opens in a new window) und einem Fellowship am OIB (Opens in a new window)fast durchgängig im Libanon und in Syrien unterwegs. Nun bin ich, zumindest zeitweise, zurück in Deutschland. Das heißt: Fertig aufschreiben, produzieren und ignorierten Papierkram erledigen. Zumindest Letzteres kennt ihr sicher alle.

Gleichzeitig bereite ich mich freudig auf einen Workshop vor, den ich diese Woche zum Thema kreatives Schreiben unterrichten darf. Da wären wir auch schon beim Stichwort: Unser Kollektiv hat sein Workshop-Angebot überarbeitet. In den kommenden Tagen findet ihr alle Infos und Angebote auf unserer Website (Opens in a new window) – von Storytelling für Audio über Medienethik bis zum Einmaleins für freie (Auslands-)Journalist*innen. Kommt zahlreich and spread the word!

Jetzt heißt es aber erst einmal: Bühne frei für unsere neusten Recherchen. Mit Einblicken in meine ersten Wochen des Jahres und die Arbeit meiner fleißigen Kollektiv-Kolleg*innen.

Hinter der Recherche: Als der Krieg nach Syrien zurückkehrte

Im November schrieb ich online bei ZEIT (Opens in a new window) über die viral gegangenen Basketballkörbe beim ersten Washington-Besuch des syrischen Übergangspräsidenten Ahmad al-Sharaa – und darüber, dass ein wichtiger Akteur bei diesem Besuch auf dem Spielfeld fehlte: Mazlum Abdi, Oberkommandant der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF). Das kurdisch geführte Milizenbündnis war lange der wichtigste US-Verbündete im Kampf gegen den selbsterklärten Islamischen Staat (IS).

Nach dem Sturz des Assad-Regimes Ende 2024, setzte Washington jedoch zunehmend auf die von islamistischen Kräften dominierte, neue Führung in Damaskus. Diese verhandelte mit den SDF über die Zukunft der de facto kurdischen Selbstverwaltung in Nordostsyrien, auf kurdischer Seite auch Rojava (Opens in a new window) genannt – ohne Fortschritte.

Im Januar eskalierte der Konflikt vollends militärisch: Regierungstruppen griffen nach gegenseitigen Gefechten mit der SDF mehrere von ihr kontrollierte Viertel in Aleppo an. Für taz (Opens in a new window)und WOZ (Opens in a new window) berichtete ich gemeinsam mit dem Fotografen Jonathan Funk und unserem syrischen Kollegen Yaser Shahrour über die humanitären Folgen – viele Menschen fürchteten da bereits einen größeren Militärschlag oder gar einen neuen großen Krieg im Land.

Kurz darauf weiteten sich die Kämpfe auf den gesamten Nordosten aus, die kurdisch dominierte Selbstverwaltung brach weitgehend zusammen. Mit meiner Kollektiv-Kollegin Laila reiste ich in den Norden und Nordosten des Landes. Gemeinsam mit Yaser wollten wir verstehen, wie Jubel über den Abzug der SDF in Städten wie Raqqa und Deir Az-Zor mit der berechtigten Angst der kurdischen Minderheit Syriens vor Rache und Gewalt durch Regierungstruppen und ausgebrochene IS-Terroristen zusammenpasste.

Mehr als 100 Gefangene des IS sollen aus dem Gefängnis in al-Shaddadi geflohen sein, nachdem die SDF sich zurückzog. Wer hier mutmaßlich bei der Flucht geholfen oder sie gar befreit hat – das bleibt unklar. Foto: Laila Sieber

Während wir im Auftrag von ZEIT (Opens in a new window), taz (Opens in a new window) und WOZ (Opens in a new window)vor Ort recherchierten, vorbei an ausgebrannten Militärfahrzeugen und verlassenen Öl- und Gasfeldern, tobte online ein Kampf um die Deutungshoheit der Situation. Wie schon in Aleppo kursierten viele ungeprüfte Videos und Falschinformationen – wodurch die Gewalt weiter anzuheizen drohte. Vor Ort gestaltete sich die Realität wie so oft dann doch komplexer. Zwischen Fakten, die gesichert sind und klar genannt werden müssen, gehört es in diesen Situationen genauso zu unserer Arbeit dazu, Grautöne sichtbar zu machen. Ob es mir und uns gelungen ist, könnt ihr nachlesen.

Inzwischen gibt es ein Abkommen, die Lage im Nordosten hat sich spürbar entspannt. Doch Syrien bleibt ein fragiles Land mit vielen Konfliktlinien – auch wenn das nicht ins Narrativ jener Politiker:innen passt, die von Abschiebungen und großangelegten Rückkehrprogrammen träumen. Wir bleiben weiter dran!

Empfehlungen aus dem Kollektiv

Ein abenteuerlustiger Seemann, der sich an der DDR rächt

Mein Kollege Paul ist für mich ein Vorbild im audiovisuellen Storytelling. Sein neues Feature über Bernd Athner (Opens in a new window) im Deutschlandfunk Kultur hat mich tief berührt. Ein Mann, der zweimal flieht: Gemeinsam mit seiner fortan mittellosen Mutter aus der DDR. Und kurz darauf aus den engen Verhältnissen, um als Seemann durch die Welt zu reisen. Als er inmitten des Atlantik schwer krank wird, bringt man ihn in ein US-Militärkrankenhaus.

Genesen und zurück in West-Berlin wird er von US-Geheimdiensten angeworben und führt fast 20 Jahre ein Doppelleben als Spion, getrieben von Rache an der DDR. Schließlich fliegt alles auf.

Um Athners Geschichte zu überprüfen, die ihm der Ex-Spion krank und im hohen Alter erzählt, sucht Paul im Stasi-Archiv nach Akten. Und wird fündig. Auch spricht er mit Athners Frau Monika, die für die Risikobereitschaft ihres Mannes wie ihr Mann einen hohen Preis bezahlen musste.

Gibt es so etwas wie grüne KI?

Ob im Journalismus oder in der Wissenschaft – niemand kommt heute mehr an künstlicher Intelligenz vorbei. Aber KI-Rechenzentren verbrauchen enorm viel Energie. Sie verschlingen so viel Strom wie ganze Staaten. Und auch der Wasserbedarf ist hoch.

Gleichzeitig arbeiten Forscherinnen und Entwickler weltweit daran, das Training und den Einsatz von KI klimafreundlicher zu gestalten – effizient, sparsam und ressourcenschonend. Bartholomäus hat sich das Ganze für die Sendung WISSEN im SWR (Opens in a new window) angeschaut.

Eine Kampfansage an Trump auf der Münchner Sicherheitskonferenz

Alle Jahre wieder treffen sich die Mächtigen dieser Welt auf der Sicherheitskonferenz in München. Olivia, Laila und Helena waren dieses Mal live dabei. Letztere hat für die ZEIT Gavin Newsom fotografiert. Er wird bereits als möglicher Kandidat der US-Demokrat*innen im Präsidentschaftswahlkampf 2028 gehandelt.

Gawin Newsom fotografiert von Helena Lea Manhartsberger

Wie das leider so oft der Fall ist, hatte Helena nur ganz kurz Zeit, um Fotos von Newsom zu schießen – das Ergebnis (Opens in a new window) kann sich umso mehr sehen lassen.

Aufforstungs-Boom und CO₂‑Zertifikate: Wer profitiert?

Großflächig Bäume pflanzen – das klingt mit Blick auf die Klimakrise erst einmal gut. Kompliziert wird es, wenn hinter der Aufforstung Firmen stecken, die mit dem Verkauf von CO₂‑Zertifikaten das große Geschäft wittern und die Menschen dort, wo die Bäume gepflanzt werden sollen, kein Mitspracherecht zu haben scheinen und sich große Sorgen um ihre Zukunft machen.

So geschehen in Äthiopien in der Gambela‑Region, wo eine Firma aus der Schweiz Millionen Eukalyptus- und Akazienbäume pflanzen will. Anina ist diesem Geschäftsmodell gemeinsam mit Jennifer Steiner für die WOZ (Opens in a new window)kritisch auf den Grund gegangen.

Panel in München: “Online Misogyny - The War on Women* Online”

Im digitalen Raum nimmt die Gewalt gegen weiblich gelesene Menschen und FLINTA* spürbar zu. Meine Kollegin Sandra beschäftigt sich seit längerer Zeit in ihrer Arbeit mit diesem Phänomen und wird am 14. März in München auf einem Panel (Opens in a new window)dazu sprechen.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Ausstellung “She* who remembers” (Opens in a new window) statt. Auch Werke von Sandra werden dort zu sehen sein. In der Ankündigung heißt es: “Ausgangspunkt der Ausstellung ist die anhaltende Unsichtbarkeit von FLINTA*-Personen in kriegsbezogenen Narrativen, sowohl in der medialen Berichterstattung als auch in historischen Erinnerungskulturen”. Die Vernissage findet am 05. März statt. Schaut unbedingt vorbei, wenn ihr in der Region seid!

Female in Focus Photography Awards

Gleich zwei Fotos von Laila sind unter den 20 Gewinnerbildern des vom British Journal of Photography ausgeschriebenen Female in Focus Awards. (Opens in a new window)

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In Kairo portraitierte sie die Geschwister Ahmed, Aseel, Samar und Joudi, die aus ihrer Heimat Gaza fliehen mussten und jetzt einer unsicheren Zukunft entgegen schauen. Sie traf sie und weitere Palästinenserinnen vor einem Jahr für den Fluter
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Und sie fotografierte einen Moment der Entspannung ihrer Nichte Anna, die es liebt gebadet zu werden. Anna ist auf dem Foto vier Jahre alt, wird jedoch ihr ganzes Leben rund um die Uhr gepflegt werden müssen – denn vier Wochen nach ihrer Geburt beschädigte eine Infektion große Teile ihres Gehirns. Sie wird niemals wie andere Kinder sehen, hören, essen, sprechen oder laufen können. Doch auch wenn das Leben manchmal in ganz anderen Bahnen verläuft, als wir es uns vielleicht vorstellen, zeigt die Hingabe von Annas Familie, die sie überall in ihren Alltag integriert, welche enorme Kraft bedingungslose Liebe entfalten kann und wie sie das Leben trotz aller Herausforderungen lebenswert macht. Heute ist Anna 13 Jahre alt.

Was machen die Kolleg*innen?

Eine Recherche des Schweizer WAV-Kollektivs gemeinsam mit der Republik-Tech-Reporterin Adrienne Fichter beleuchtete die Aktivitäten von Palantir Technologies in der Schweiz und darüber hinaus. Die Enthüllungen lösten ein breites internationales Medienecho aus. Nun klagt die US-Techfirma gegen das unabhängige Medium Republik (Opens in a new window).

Palantir ist einer der Weltmarkt­führer im digitalen Rüstungs­bereich und entwickelt Software für zivile und militärische, geheim­dienstliche sowie polizeiliche Zwecke. Mithilfe von Palantir-Produkten wird beispielsweise in den USA Jagd auf Migrant*innen gemacht, die israelische Armee verwendet Palantir-Software unter anderem in Gaza und das Unternehmen wird bis heute massgeblich von seinen beiden wichtigsten Gründern geprägt – dem frühen Trump-Unterstützer und Tech-Investor Peter Thiel und dem CEO Alex Karp.

Jetzt steht die Republk, ein kleines Medienhaus, werbefrei vor acht Jahren gegründet und finanziert von Leser*innen, einem der mächtigsen Techunternehmen der Welt gegenüber.

Die wichtige Arbeit der Kolleg*innen findet ihr hier (Opens in a new window).

Zu guter Letzt: Wir wünschen allen, die es betrifft, einen gesegneten Ramadan, eine besinnliche Fastenzeit und ein happy (belated) Lunar New Year! Letzteres steht im Zeichen des Feuerpferdes und für Aufbruch. Bleibt zu hoffen, dass ein Aufbruch in bessere Zeiten auf uns zukommt.

Mit schwungvollen Grüßen,

Theresa und das Selbstlaut Kollektiv

Das Selbstlaut Kollektiv sind Ann Esswein, Karolina Kaltschnee, Olivia Samnick, Anina Ritscher, Anna-Theresa Bachmann, Alicia Prager, Paul Hildebrandt, Bartholomäus Laffert, Sandra Singh, Laila Sieber, Helena Manhartsberger, Eva Hoffmann, Nora Börding und Timo Stukenberg. Mehr Infos und Links zu unseren Veröffentlichungen findet Ihr auf unserer Website (Opens in a new window), auf Instagram (Opens in a new window), LinkedIn (Opens in a new window) und BlueSky (Opens in a new window).

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