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Zuhause!

Screenshot einer aktuellen Folge Funfacts mit Horst Evers und dem Text "Warum nicht kostenlos?". Zu sehen: Ein Bus, eine Bahn und Horst mit einer Sonnenbrille. (Opens in a new window)

Liebe Flauschis!

Ich habe ein paar Sekunden drüber nachdenken müssen, ob “Zuhause” das richtige Wort ist, wenn ich mich darüber freue, seit Dienstag endlich mal wieder ein paar Tage am Stück in meiner eigenen Wohnung in Hamburg verbringen zu können. Natürlich zeige ich vorwurfsvoll auf mein ADHS, wenn ich sogar “so eine Kleinigkeit” schon wieder bis in die letzte Verästelung analysieren will. Aber nein: Ich bin nicht ins Internet, um dem nachzugehen, ich bleibe jetzt hier bei euch und meinem Newsletter. :)

Dennoch ist es ein Gedanke, der in mir sehr arbeitet, gerade auch nach den furchtbaren “Send them back!”-Rufen im EU-Parlament und der Abschiebefeier der AfD in Brüssel im Anschluss. Ich bin nicht mal stolz, Antifaschistin zu sein. Es ist das bare Minimum in Tagen wie diesen. So war ich auch direkt am Dienstag auf einer Demo hier in Hamburg, um zu zeigen, dass ich es für fatal halte, dass am Mittwoch vom rot-grünen Senat beschlossen wurde, dass der Verfassungsschutz ab nun alle Menschen überprüft, die in den öffentlichen Dienst gehen möchten.

Es läuft viel schief - manchmal fühle ich mich wie am Spielfeldrand, um dann doch wieder Selbstwirksamkeit zu fühlen. Der Wertekompass, den ich zu Beginn wohl durch meine Eltern erhielt und den ich mir selbst jeden Tag mehr erarbeite, indem ich meine internalisierten -isms entdecke und “auskämme”, ist mir hier großer Anker und - und damit zurück zum Anfang dieses Briefes - wohl auch mein “Zuhause”.

Das Highlight meiner Woche war natürlich die Folge von Funfacts, an der ich einen Tag in einem so genannten “Writer´s room”, aber auch an vielen weiteren Tagen virtuell mitgearbeitet habe.

Du sitzt dann einen Tag in einem Raum mit mehreren Menschen, in diesem Falle dem Episoden-Host Horst Evers, Marc-Uwe Kling, Nils Heinrich (war übrigens schon in meinem Podcast! (Opens in a new window)) und Amina Eisner und bist neben all diesen Menschen, die mit Comedy ihr Geld verdienen, der Faktenfuchs.

Ich bin mit der Episode SEHR zufrieden, weil das Team ähnlich wie ich den Schwerpunkt auf Marginalisierte der Mobilität legte - also Armutsbetroffene, Kinder, Alte… Für diese bedeuten attraktive Alternativen zum Auto so viel mehr als Menschen, die sich in das autozentrierte System fügen können oder sogar wollen.

Kostenloser ÖPNV: Utopie oder machbar?

In dieser Folge von Fun Facts Utopia zeigt Horst Evers, warum ein kostenloser Nahverkehr nicht nur mehr Mobilität, sondern auch mehr soziale Teilhabe, Klimaschutz und weniger Stau bringen könnte. Gemeinsam schauen wir auf die Kosten, mögliche Finanzierungswege und erfolgreiche Beispiele aus dem In- und Ausland.

Außerdem: Warum kostenlose Öffis sogar Autofahrer*innen nützen könnten und weshalb unsere NICE-Petition kostenlosen Nahverkehr für alle unter 18 Jahren fordert.

In Kooperation mit CORRECTIV – Recherchen für die Gesellschaft

Hier gehts zur Folge. (Opens in a new window)

Und hier zur Petition. (Opens in a new window)
Bitte breit verteilen!

Sehr berührt hat mich gestern dieser Thread von Dani Brodesser aus Österreich, mit der ich seit meinem Interview für mein erstes Buch verbunden bin.

Mobilität war bei uns immer Thema. Damals am Land (wegen günstiger Miete), mit schwer krankem Kind, Öffis zweimal am Tag, Kiga sperrt um 16 Uhr. Wir waren aufs Auto angewiesen. Und täglich die Angst vor einer Reparatur. Ich hatte es immer so hingenommen.

Bis mich Katja mal fragte: willst du oder musst du Autofahren? Wer arm ist muss flexibel sein um überhaupt Jobmöglichkeiten zu haben. Vor allem am Land brauchst dich erst gar nicht bewerben ohne PKW, gleichzeitig ist das Auto ein täglicher Angstfaktor. Denn eine Reparatur kannst dir nicht leisten.


Ich sehe heute noch die Kommentare vor mir, wenn Armutsbetroffene über die hohen Mieten im städtischen Bereich gesprochen haben. „Zieh halt aufs Land, ist billiger“. Immer mit dem Vorwurf, wenn man in der Stadt bleibt würde man doch gar nichts an der eigenen Situation ändern wollen.

Aber am Land zu leben bedeutet eben, noch mehr Unsicherheitsfaktoren zu haben. Regelmäßige Kontrolle. Im Spital? Damals 36 Euro hin und zurück. Mit Bus. Und mit Umsteigen und Wartezeiten 2 Stunden pro Strecke. Mit einem schwer lungenkranken Kind. Auto: 25 Minuten.

Job? Ohne Auto keine Chance. Arbeitsbeginn 4.50 Uhr morgens. Ende 13.30. Nächster Bus ins Dorf: 17.50. „dann geh zu Fuß“. 8 km durchgehend bergauf. Klar. Schaffst halt dann nicbt bis Kiga zumacht. Wie gesagt - ich hatte das alles hingenommen. Bis zu unserem Gespräch.

Und mir bewusst wurde, wie sehr mich die fehlende Öffianbindung und vor allem die Unsicherheit bzgl. der Kosten des PKWs noch tiefer in den täglichen Dauerstress, den Armut verursachst, getrieben hatte.


Und wisst ihr, was Betroffenen auch fehlt: die selbstbestimmte Wahlmöglichkeit zur klimafreundlichen Mobilität.

Du ziehst dorthin wo die Miete leistbar ist. Bzw wo du überhaupt eine Wohnung bekommst. Du kannst dir nicht aussuchen ob dort die Infrastruktur passt. Würde sie das, wäre es teurer. Vielleicht hast du das Glück, und kannst Job und Familie mit dem Rad vereinbaren.

Wenn alle gesund sind, es sich mit den Öffnungszeiten ausgeht und die Strecken machbar sind und keine Höhenunterschiede haben die für Leistungssportler ausgelegt sind. Und wenn du Radwege hast und nicht auf der Bundesstraße mit deinen Kids zum Kiga fahren musst.

Wenn. Die Realität ist meist anders.

Und ich bin heute Katja noch dankbar, denn durch sie habe ich Armut & Mobilität viel mehr hinterfragt, sitze in Projekten zu Klima/ Mobilität für Armutsbetroffene, durfte Teil der Jury des VCÖ sein.

Langer Text, kurzer Sinn: unterstützt Katja, sie macht seit Jahren so gute und wichtige Arbeit!

Jobanzeige Fahrradauslieferung von Gemüsekisten in Köln. (Opens in a new window)

Es gibt einen neuen Beitrag in eurer She Drives Mobility Academy!

feel bad for the kids in those cages, they really should be free range. (Opens in a new window)

Tom habe ich für mein zweites Buch (Opens in a new window) interviewt, da war er noch ganz am Beginn seiner “Reise”. Tom Flood (Opens in a new window)ist ein kanadischer Kommunikationsstratege und Vater, der zu einem der bekanntesten Fürsprecher für sicherere, menschenfreundlichere Straßen wurde, nachdem ihm bewusst wurde, wie gefährlich der tägliche Schulweg für Kinder sein kann. Mit eindrucksvollen Bildern und Geschichten setzt er sich dafür ein, die Debatte um Mobilität neu zu gestalten, und plädiert für eine Verkehrswende, bei der Menschen – und nicht Autos – im Mittelpunkt des städtischen Lebens stehen.

»Das sind keine radikalen Ideen. Das sind keine verrückten Ideen. Es ist ganz einfach: Wir sollten uns alle wünschen, dass unsere Kinder sicher zur Schule kommen.«

Both are wearing black, but only 1 will be faulted for. (Opens in a new window)

Und damit zu den Links der Woche!

Niederlande starten 49-Euro-Ticket – wer jetzt besonders profitiert.

https://rp-online.de/panorama/niederlande/niederlande-fuehren-49-euro-ticket-ein-das-ist-der-haken_aid-149533223 (Opens in a new window)

The Climate Change Culprits Not Addressed by Global Policy. A new paper suggests that 15 percent of global warming comes from overlooked pollutants.

https://insideclimatenews.org/news/12062026/global-warming-overlooked-pollutants/ (Opens in a new window)

Ein Text, der viel von dem analysiert, was ich in meinen nicht mehr stattfindenden Buchungen in so genannten “progressiven Kreisen” ablese:

Die Frage ist deshalb längst nicht mehr, ob man die AfD und ihre Wählenden ernst nehmen sollte. Natürlich sollte man das. Es bedeutet aber nicht, ihre Feindbilder zu übernehmen. Wer Demokratie schützen will, darf nicht zulassen, dass ihre Gegner bestimmen, worüber gesprochen wird.

https://www.fr.de/meinung/kolumnen/cdu-generalsekretaer-linnemann-nennt-brandmauer-linken-begriff-94350608.html (Opens in a new window)

Überall dieselbe Kapitulation vor überfälliger Vision:

Starmer soll demnach gemeinsam mit Wirtschaftsminister Peter Kyle auf Druck von Autoindustrie und Gewerkschaften den Minister für Netto-Null-Emissionen, Ed Miliband, in die Schranken gewiesen haben.

https://www.electrive.net/2026/06/15/britische-regierung-will-e-auto-ziel-fuer-2030-offenbar-von-80-auf-50-senken/ (Opens in a new window)

Für Fahrgäste zählt vor allem eines: freie Busspuren und Haltestellen sorgen für einen pünktlicheren Nahverkehr. Seit vier Monaten gibt es in Frankfurt deshalb ein neues Pilotprojekt, bei dem Frontkameras in Linienbussen Falschparker aufzeichnen. Ein Einsatz, der sich lohnt!

https://www.rmv.de/c/de/start/frankfurt/aktuell/aktuelle-meldungen/falschparker (Opens in a new window)

Und immer mal wieder reingeworfen: Eine Studie z. B. von Agora Verkehrswende angesichts immer noch fossil betriebener Belohnung.

Steuersignale zur Transformation der Pkw-Flotte Reformoptionen für eine faire und klimagerechte Kfz- und Dienstwagenbesteuerung.

https://www.agora-verkehrswende.de/fileadmin/Projekte/2022/Kfz-u-Dienstwagen/84_Gesamt-Kfz-und-Dienstwagenbesteuerung.pdf (Opens in a new window)

This chart shows the percentage increase in distracted drivers' response times.
An undistracted driver typically reacts in 1 second.

Worrying results from IAM RoadSmart research show that the latest in-vehicle infotainment systems impair reactions times behind the wheel more than alcohol and cannabis use.

https://www.iamroadsmart.com/infotainment/ (Opens in a new window)

Ab Juli 2026 müssen zentrale Fahrzeugfunktionen in China wieder über feste Tasten oder Hebel bedienbar sein. Das wird auch für Autos in Europa erhebliche Folgen haben.

https://www.auto-motor-und-sport.de/verkehr/jetzt-kommt-das-touch-verbot-china-schreibt-mehr-schalter-in-autos-vor/ (Opens in a new window)

Das EU-Parlament in Straßburg hat neue Regeln zum Recycling von Autos beschlossen.

https://www.deutschlandfunk.de/eu-parlament-beschliesst-recycling-regeln-fuer-autos-102.html (Opens in a new window)
Zum Abschluss nochmal die Erinnerung an unser “zwei Communities treffen sich”!
Raùl Krauthausen und ich sind schon lange befreundet, aber auch vereint im Kampf für Inklusion und wahlfreie Mobilität. Nun führen wir zum ersten Mal virtuell unsere beiden Communities zusammen und gestalten einen gemeinsamen Abend zum Austausch und kennenlernen.

Es wird also nicht nur ein Dankeschön-Treffen, sondern auch ein echtes Netzwerktreffen - mit Menschen, die ähnliche Themen bewegen.

Hier der Link zum Treffen am 12. August von 19 bis 21 Uhr:

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