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Karten legen für Anfänger:innen

Tarot Karten legen zur emotionalen Selbstbegleitung: Mias Tarot Crashkurs mit Beispiellegung

Ich lege mir jeden Monat die Karten. Ich lege Karten, wenn ich nicht weiß, wie ich mit dem Manuskript weiter vorgehen soll, oder wenn ich Stress mit jemandem habe, und die Beziehung verstehen will. Wenn es einen Konflikt gibt, den ich auflösen will, wenn es mir schwerfällt, mich zwischen zwei Optionen zu entscheiden, wenn ich verstehen will, worauf ich in einer gegebenen Situation achten soll, wie ich mich verhalten sollte. Oder einfach zum Spaß. 

Karten legen ist etwas ganz anderes, als sein Tageshoroskop in der Zeitung zu lesen (obwohl ich das auch super gerne mache). Es ist weniger spiri-shi-shi und mehr wie Meditation. Es ist sich bewusst Zeit nehmen für das eigene Innere. 

Tarot ist keine Kristallkugel, in der man seine Zukunft sehen kann, es ist eher wie Traumdeutung. Meistens geht es darum, sich selbst zu sagen, was man auf eine vorbewusste Art bereits weiß. Man hat schon die Antworten in sich liegen, die Aufgabe ist es, sie bewusst zu machen. Sie dem rationalen Verstand sichtbar zu machen, sie in den präfrontalen Kortex zu holen, wo man mit ihnen arbeiten kann. 

Idealerweise ist man hinterher klarer. Denn das ist doch immer, was wir wollen, wenn wir verzweifeln, wenn wir nachts um halb eins wachliegen, wenn wir Stresssymtome zeigen und sich alles verspannt: Wir wollen, dass der Himmel sich lichtet und wir Klarheit im Kopf bekommen, dass das Boot aufhört zu schwanken und wir genau wissen, was jetzt zu tun ist. 

Manchmal sagen einem die Karten etwas, das man nicht wissen will und dann drückt es an einer ganz speziellen, empfindlichen Stelle des Bewusstseins. (In meiner Trennungsphase zog ich immer und immer wieder die Karte Der Stern, die für Hoffnung steht, und das machte mich wahnsinnig, weil sie mir zeigte, dass ich eine hartnäckige Hoffnung nährte, die mich an meine Vergangenheit kettete.)

Wenn man die Karten besser kennenlernt, dann werden sie zu persönlichen Symbolen für die eigenen Gefühle und Eigenschaften. Die meisten Leute haben Karten, die sie immer wieder ziehen (ich ziehe dauernd die Prinzessin der Schwerter), die ihnen zeigen, dass sie schon wieder diese eine Sache machen, die sie immer machen, oder dass sie schon wieder eine dieser Lektionen erwartet, wie ein wiederkehrender Traum. 

Kartenlegen kann ein stylischs, unterhaltsames und hilfreiches Tool in der Nüchternheit sein, speziell in der frühen, wenn man sich selbst neu zusammenbaut und lernen muss, wie man unbeschadet und unbetäubt durch sein eigenes Innenleben navigiert. Deswegen bekommt ihr heute einen Crashkurs für Einsteiger:innen, mit Beispiellegung. 

Karten legen: der kleine Crashkurs

Schritt eins: Besorge dir ein Kartendeck und ein Buch. Ich benutze immer das Crowley Tarot (super schön!) und eines der Bücher von Hajo Banzhaff (sehr ausführlich!). Aber auch das Raider White Tarot oder das Marseille Tarot ist für den Anfang spitze. 

Schritt zwei: Suche dir eine glatte, aber nicht zu glatte Oberfläche. Ein Holztisch, ein Linoleumboden, ein Teppich. Du kannst eine Kerze anzünden, oder ein Gebet sprechen oder eine schwarze Katze dazu holen, je nachdem, wie witchy du es haben willst. 

Schritt drei: Suche dir ein passendes Legesystem (aus dem Buch, oder, wenn es nicht anders geht, aus dem Internet). Es gibt Legesysteme für alle Arten von Fragen: Legesysteme für Ratschläge, für die beste Vorgehensweise, für Entscheidungen, und um verborgene Bedeutungen zu entschlüsseln. 

Oft reicht ein einfaches Legesystem aus. Wenn du einfach nur wissen willst, wie der nächste Monat so wird, kannst du drei Karten ziehen, die einfach drei gleichgewichtige Einflüsse symbolisieren. 

Schritt vier: Ziehe die Karten. Dazu setzt du dich hin, nimmst den Kartenstapel in die Hand, konzentrierst dich auf die Frage oder das Problem deiner Wahl, und mischst die Karten gründlich durch. Dann legst du sie wie einen Fächer vor dich auf den Tisch aus. Du ziehst mit der linken Hand (das ist die Herzhand) so viele Karten, wie das Legesystem erfordert. Und legst sie in der richtigen Reihenfolge verdeckt aus.

Schritt fünf: Decke die Karten der Reihe nach auf. Das Buch hilft dir dabei, sie zu deuten. Weil es sich bei den Tarotmotiven um Archetypen handelt und vieles schon aus den Bildern hervorgeht, kannst du immer zuerst deinem eigenen Bauchgefühl vertrauen. Wenn dir beim Betrachten irgendwas auffällt oder du ein bestimmtes Gefühl einer Karte gegenüber hast, ist das immer genauso valide wie das, was das Buch zu sagen hat. Jede Karte kann positive oder negative Bedeutung haben, je nachdem, auf welchem Platz sie liegt oder in welchem Kontext sie steht. 

Frage und Legesystem 

Als Deutungsbeispiel habe ich ein vielseitiges und nützliches Legesystem mit vier Karten gewählt: Das Kreuz. Meine Frage war: Was soll ich als nächstes mit dem Buch machen, an dem ich arbeite? Wie soll ich weiter vorgehen? Soll ich mich mehr in das Literarische rein lehnen, oder es mehr wie ein Sachbuch schreiben? 

Karte 1 (links) ist der Signifikator. Er zeigt an, worum es eigentlich geht, was das wahre Thema ist. Er kommt in vielen Legesystemen vor. 

Karte 2 (rechts) sagt, was man nicht tun sollte, was nicht wichtig ist, was man meiden sollte. 

Karte 3 (oben) sagt, was man stattdessen tun sollte, was wichtig ist und worauf man sich konzentrieren sollte. 

Und Karte 4 (unten) sagt, worauf das alles hinausläuft. Oder wann es Zeit ist, neu nachzudenken. 

Die wichtigste Aufgabe bei dieser Legung ist, den Unterschied zwischen den Karten 2 und 3 herauszuarbeiten. 

Die Karten

1 — Worum es geht Der Ritter der Scheiben ist ein bodenständiger, praktischer, effizienter, realitätsverbundener Typ. Ein Typ, den man anruft, wenn Dinge gemacht werden sollen. Seine Arbeit ist anstrengend und unromantisch, aber trägt Früchte. Er ist ein harter Arbeiter und herrscht über ein großes Reich, aber er ist nicht gerade ein Visionär. Er ist jemand, der sagen würde: Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen. 

2 — Was ich nicht tun sollte Der Prinz der Scheiben ist eng verwandt mit dem Ritter der Scheiben—er ist quasi sein Sohn. Er ist auch ein Erdenmann, ebenfalls pragmatisch und hemdsärmelig, aber ein bisschen jünger und ungestümer, und interessierter an Sinnlichkeit. Weil der Prinz das symbolisiert, was ich nicht tun sollte, also im Grunde als eine Warnung gelesen werden muss, kommen in dieser Position seine Schattenseiten zum Ausdruck: Machbarkeitswahn und Fantasielosigkeit. Produktivität ohne Herz und Idealismus. 

3 — Was ich stattdessen tun sollte Kummer steht für Desillusionierung und den Zerfall einer Hoffnung. Als Ratschlag bedeutet sie: Sieh der Wahrheit ins Gesicht und akzeptiere die Realität. Wende dich ab von einer Idee, die dir was bedeutet, die aber nicht funktioniert. 

4 — Worauf es hinausläuft Das Ass der Stäbe ist die pure Energie, der Funke der Inspiration, die Lust, zu erschaffen. Es ist dieser erste Energieschub in einem neuen Projekt, wenn alles noch möglich ist und man grenzenlosen Optimismus fühlt.

Die Deutung

Es fällt sofort auf, dass die beiden zentralen Scheibenkarten sich so ähnlich sind. Sie zeigen, dass ich gedanklich schon zu sehr mit dem Endergebnis beschäftigt bin, schon zu sehr über irdische Dinge wie Kommerzialisierbarkeit, Branding und Effizienz nachdenke (1) und dabei wenig Vision, und zu wenig Spaß habe. Die Scheibenkarten drehen sich immer um materielle Dinge wie zum Beispiel Geld. Der Prinz der Scheiben kümmert sich wenig um Ideen, er will einfach nur voran kommen (2).

Die beiden Erdkarten sagen sehr eindeutig: Lass den Pragmatismus und die bisherige Vorgehensweise hinter dir und verlasse den Boden der Tatsachen. Mit anderen Worten: Scheiß auf Sachbuch. 

Das ist beängstigend und unwägbar (3), aber ich muss dieser unangenehmen Wahrheit ins Auge sehen und all die negativen Gedanken, die damit verbunden sind, anerkennen. (Die 3 ist eine Luft-Karte, es ist also hauptsächlich ein intellektueller Schmerz: Zweifel, Verwirrung, gedankliche Blockaden). 

Wenn das aber getan ist, dann werde ich belohnt mit (4): wahrer Inspiration. Neuer Energie. Flow. Die Feuerkarten haben immer mit Leidenschaft, Wille, Lebensenergie und Selbstverwirklichung zu tun. Dieser Rat ist sehr eindeutig eine Erinnerung daran, dass ich beim Schreiben nicht schon über Vermarktbarkeit nachdenken darf, weil sonst der kreative Funke stirbt. Und sobald ich anfange, Spaß zu haben, zu experimentieren und zu fühlen, was das Buch selbst will, kommt auch der Flow zurück. 

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