Skip to main content

Nicht so lustige Funfacts über die Deutsche Alkoholpolitik

Liebe Unterstützer:innen,

vielen Dank für euren zahlreichen Einsendungen für die Verlosung zum OAmN Sommerkongress – Am liebsten würden wir euch natürlich alle dabei haben! Da das nicht geht, wird Mia im Laufe des Tages die beiden fröhlichen Gewinner:innen ermitteln und diese benachrichtigen. Um euch das Warten zu versüßen, hat Mika ein paar interessante Fakten über die Deutsche Alkoholpolitik zusammengestellt, über die sie bei ihren Recherchen zu ihrem Artikel von letzter Woche (Opens in a new window) gestolpert ist.

Es ist beinahe ulkig, den englischen Wikipedia-Artikel (Opens in a new window) über deutsche Alkoholgesetze zu lesen, denn darin steht erfrischend deutlich, was für ein Witz die deutsche Alkoholpolitik ist. Direkt im ersten Absatz heißt es: »Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern ist die Gesetzgebung relativ milde und nicht dafür gemacht, junge Menschen vom Alkohol fernzuhalten, sondern ihnen einen angemessenen Umgang mit Alkohol beizubringen, was sich in einem der niedrigsten Trinkalter der Welt widerspiegelt.« 

Wir wissen das ja: Begleitetes Trinken ab 14 Jahren, eine Jugendschutzkampagne, die statt Konsumreduktion, die persönliche Kenntnis des »Limits« zum Ziel hat, und eine 12 Jahre alte »Nationale Strategie« für den Umgang mit Drogen, die klipp und klar sagt, man wolle Missbrauch und Abhängigkeit verhindern, »ohne dabei den Genuss von Alkohol in Frage zu stellen.«  (Zum PDF (Opens in a new window)

Hier sind drei weitere »Fun«-Facts über deutsche Alkoholpolitik

#1
Die Weinsteuer liegt in Deutschland bei NULL

Grundsätzlich ist die Besteuerung alkoholischer Getränke in Deutschland komplex (zugegeben, im deutschen Steuersystem ist alles komplex). Es gibt eine Reihe von Verbrauchssteuern, die von Herstellern bestimmter Produkte entrichtet werden müssen, wenn sie diese auf den Markt bringen. Wir als Endkund:innen kriegen davon nichts mit, außer, wenn wir in einem anderen Land einkaufen gehen und uns über die Preisunterschiede wundern. Zu den in Deutschland erhobenen Verbrauchssteuern (Opens in a new window) gehören unter anderem die Biersteuer, Kaffeesteuer, Tabaksteuer und Weinsteuer.

Die Weinsteuer existiert also. Denn laut einer EU-Richtlinie muss sie erhoben werden. Aber! Wie hoch sie ist, dürfen sich die Länder selbst aussuchen. Und da es kein gesetzliches Minimum gibt, wurde sie eben auf null gesetzt. Wir befinden uns damit in Gesellschaft von Österreich, Schweiz, Italien und Spanien. Am unteren Ende befinden sich noch Frankreich mit 3 Cent pro Flasche, Polen mit 29 Cent und die Niederlande mit 66 Cent pro Flasche. Spitzenreiter in Sachen Weinsteuer ist Irland mit 3,19 € pro Flasche (Quelle (Opens in a new window)). Die Biersteuer ist in Deutschland übrigens nicht bei null, aber immerhin ist es der niedrigste Steuersatz von allen OECD-Ländern (Opens in a new window)

#2
Es gibt ein Parlamentarisches Weinforum im deutschen Bundestag

Es handelt sich beim Parlamentarischen Weinforum um einen Zusammenschluss aller sogenannten »weinbaupolitischen Sprecher:innen« der Fraktionen. Sie richten Weinverkostungen und Seminare aus, treffen sich mit der Industrie und machen Beschlüsse. Eigentlich braucht man gar nicht viel dazu zu schreiben, die Seite des Bundestages (Opens in a new window) erzählt schon genug von der Absurdität: 

»›Wo aber der Wein fehlt, stirbt der Reiz des Lebens‹, schrieb der Dichter Euripides vor rund 2.500 Jahren. Nicht nur deshalb gibt es auch im Bundestag eine kleine Gruppe Abgeordneter, die sich ganz besonders für den deutschen Wein einsetzt: Das Parlamentarische Weinforum. «

»›Wir stimmen uns gut ab. Die weinbaupolitischen Beschlüsse der letzten Jahre waren immer einstimmig‹, so [Gustav Herzog, SPD] zufrieden. Man merkt, dass ihm die Arbeit Freude macht. Fröhlich erzählt er: ›Das Parlamentarische Weinforum hat einen guten Ruf. Wir sind bekannt als Ansprechpartner in der Szene‹. So sitzen alle Mitglieder auch in der Jury zur Wahl zur deutschen Weinkönigin.«

#3
»Botschafter des Bieres«

Ein:e Botschafter:in ist eine Person, deren Aufgabe es ist, sich für die Interessen einer Gruppe oder eines Landes einzusetzen. Auch der Deutsche Brauerbund hat Botschafter:innen: Den Botschafter des Bieres. Es handelt sich dabei um einen Ehrentitel, der »… an Persönlichkeiten verliehen [wird], die sich durch besonderes Engagement ausgezeichnet haben.«

Und wer wird da so ausgezeichnet? Politiker:innen natürlich, die sich ganz besonders für die Interessen des Deutschen Brauerbundes eingesetzt haben. Unter ihnen sind auch fünf Personen, die als Bundesminister:innen für Landwirtschaft und Ernährung für die Regulation der Brauindustrie verantwortlich waren oder sind: Cem Özdemir, Julia Klöckner, Christian Schmidt, Ilse Aigner, Horst Seehofer. 

Tja. Das erklärt dann vielleicht auch die Steuersätze.

Schreibt uns gerne, wenn euch weitere Absurditäten begegnen. Wissen ist ja schließlich Macht.

Schönen Sonntag!

Mika + Mia

Topic Bi-Weekly

0 comments

Would you like to be the first to write a comment?
Become a member of SodaKlub and start the conversation.
Become a member