Skip to main content

Mit Mayonnaise die Welt retten - Meine Keynote vom #DNP25

„Erst wenn der letzte Baum gerodet,

der letzte Fluss vergiftet,

der letzte Fisch gefangen ist,

werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“

Vielen wird dieser Spruch sicherlich bekannt vorkommen, der in den 1980er Jahren als Aufkleber auf vielen Autos zu finden war.

Damals wurde er als „Weissagung der Cree“ verbreitet, ob er wirklich auf Native Americans zurückgeht, lässt sich nicht gesichert sagen, aber bis heute hat er nicht an Wahrheit verloren.

Im Prinzip könnte ich jetzt auch wieder von der Bühne gehen, denn eigentlich ist alles gesagt.

Wir leben über unsere planetaren Grenzen und Kapitalismus tötet.


Wir alle wissen, dass sich radikal etwas ändern muss.

Ich bin müde davon um den heißen Brei herum zu reden.

Müde davon euch etwas von ganzheitlicher Verwertung,

Gemüseblättern und den Klimavorteilen veganer Lebensweise zu erzählen während der Erde längst brennt.

Ich bin müde von der absoluten und vorsätzlichen Tatenlosigkeit der Politik, die Klimaschutz nicht nur blockiert, sondern proaktiv dekonstruiert.

Denn das ist das was wir aktuell erleben und wofür sich diese Regierung verantwortlich zeigt.

Persönliche Bereicherung steht im Vordergrund - „dem Volk zu dienen“ scheint schon lange keine Rolle mehr zu spielen in der Politik.

Als Unternehmerin, als Gastronomin in einer Branche, die so null politisch mitgedacht und gefördert wird, immer wieder als Leuchtturmprojekt herum gereicht zu werden und uns gleichzeitig NULL dabei zu unterstützen bei dem war wir leisten

– nämlich Bildungsarbeit mit Vorbildwirkung - das ist so dermaßen anstrengend.


Ich führe seit drei Jahren ein nachhaltig wirtschaftendes Restaurant mit einem umfangreichen Wertekatalog, das sich kompromisslos für ein Umdenken in der Branche einsetzt und bis heute können meine Geschäftspartnerin und ich nicht voll davon leben.

Würden wir alles „richtig machen“ was der Kapitalimus von uns verlangt, wäre das anders:

- Kein Ökostrom

- Billige konventionelle unter Ausbeutung erzeugte Lebensmittel verwenden

- Mitarbeitende unter schäbigen Bedingungen nur den Mindestlohn zahlen

  • usw.

Würden wir all diese Register ziehen, wären wir wirtschaftlicher.

Das halte ich für zutiefst falsch und verwerflich und hierüber sollten wir bei Veranstaltungen wie dieser sprechen.

Und das ist jetzt nur meine persönliche Frustration als jemand der sich seit Jahren, mittlerweile mehr als einem Jahrzehnt aktivistisch für Klimaschutz, Tier- und Menschenrechte engagiert.

Ja, ich glaube an die Macht der kleinen Schritte,

daran, dass Menschen eine Wertschätzungsbrille aufsetzen können

und wir gemeinsam stark genug sind diese Welt

und auch die Ernährung dieser Welt gerechter zu gestalten,

aber nur wenn wir grundlegend etwas verändern.

Und zwar im Großen.

Zur Erinnerung: Wir befinden uns hier auf einer Veranstaltung, die auch Menschen wie Julia Klöckner eine Bühne gibt, die in ihrer Rolle als Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft jahrelang vor allem durch ihre Lobbyismusgeschäfte und

das Blockieren wichtiger Gesetzgebungen aufgefallen ist.

Das macht mich wütend, denn sie gehört zu den Menschen,

die bis heute unsere Gesellschaft spalten statt uns näher zusammen zu bringen.

Als queere Person stehe ich hier heute mit Unverständnis

wie man so ignorant und empathielos sein kann

unter dem Deckmantel der Neutralität,

die sich in meinen Augen rechts außen ansiedelt.

Ein schlauer Mensch sagte kürzlich:

„Schade, dass wir uns gegen den Klassenkampf und für den Kulturkampf entschieden haben!“

Dieser Kulturkampf beinhaltet für mich auch dämliche Debatten über vegane Wurstbezeichnungen, die ganz offensichtlich davon ablenken, dass es viel wichtigere politische Entscheidungen gibt,

die langsam aber stetig unsere Demokratie aushöhlen.

Klassenkampf bedeutet Umverteilung, wirtschaftliche und soziale Gerechtigkeit für Alle und nicht unvorstellbares Reichtum für einige wenige.

Ich bin ein friedliebender Mensch und ich versuche immer Lösungen und Gemeinsamkeiten zu finden.

Und so habe ich auch bei Frau Klöckner gesucht.

Wir wurden beide in den 1970er Jahren gezeugt und haben einen Hund, der Ella heißt.

Aber Spaß beiseite, wir beide sind als weiße, privilegierte Frauen

mit einem deutschen Pass geboren in einer Welt in der Grenzen und Nationalzugehörigkeiten, die im Kolonialismus gezogen wurden immer noch über Haben und nicht Haben,

oft über Leben und Tod entscheiden.

Und da sind wir wieder am Anfang mit einem weiteren Aufkleberspruch:

„Wir behandeln diese Welt als hätten wir eine zweite im Kofferraum!“

Wir haben nur diese eine Welt auch wen Elon Musk und die anderen Freaks etwas anderes behaupten

und auf dieser Welt sitzen wir alle zusammen

und müssen zusammenhalten und zusammen arbeiten.

Hass und Abgrenzung hat noch nie in der Geschichte der Menschheit irgendwelche Probleme gelöst.

Und jetzt fragt ihr euch vielleicht was es mit der Mayonnaise im Titel meines Talks auf sich hat?

Ich hab ja gesagt ich mag Lösungen und deshalb habe ich euch eine mitgebracht:

In Deutschland wurden 2022 satte 77.000 Tonnen Mayonnaise produziert.

Wenn all diese Mayo oder sogar die Mayo weltweit pflanzlich produziert würde, wäre das ein Riesen Hebel, denn aktuell wird Mayonnaise immer noch hauptsächlich aus Hühnereiern gewonnen.


Wir würden uns also den „Umweg übers Huhn“ sparen und Soja oder Kichererbse direkt nutzen.


Das würde nicht nur eine enorme Einsparung an Energie und Ressourcen wie Wasser bedeuten.


Zudem könnte man milliardenfach Tierleid eliminieren.

Große Fastfood-Ketten wären hier ein Riesen Hebel.

Die Mayonnaise ist nur ein Beispiel von vielen.

Eine simple Idee, die aus dem Erfahrungswert einer veganen Köchin gewachsen ist.

Sie zeigt, dass die Lösungen längst da sind, wir müssen nur zukünftig radikaler einfordern, dass diese auch umgesetzt werden.

Und wir müssen sicherstellen, dass wir die Bühnen nicht denen überlassen, die keine Lösungen haben.

Denn Geld kann man nicht essen.

Soviel ist klar.

Vielen Dank!

0 comments

Would you like to be the first to write a comment?
Become a member of soft belly bad ass and start the conversation.
Become a member