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Revoluzzer in Orange!

Es ist Montag, der 7. Juli 2025, und du liest die erste Ausgabe der STOFFKUNDE, dem wöchentlichen trikotmagazin.de (Opens in a new window) - Newsletter. Dass dieser Tag einmal so ein historisches Datum sein wird wie der 7. Juli 1974, darf schon heute bezweifelt werden.

Johan Cruyff im Duell mit seinem Gegenspieler Berti Vogts im Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft am 7. Juli 1974.
Johan Cruyff im Zweikampf gegen Berti Vogts im WM-Endspiel 1974. Foto: Imago/Werek

Denn an jenem 7. Juli 1974 fand im Münchner Olympiastadion das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft statt, in dem die Bundesrepublik Deutschland nach 1954 in Bern zum zweiten Mal Weltmeister wurde. Und da die STOFFKUNDE ein Trikot-Newsletter ist, schauen wir natürlich vor allem aus dieser Perspektive auf dieses Spiel.

Die niederländische Nationalmannschaft wurde damals von Adidas ausgestattet, die deutsche Mannschaft spielte in Trikots von Erima. Zur deutschen Nationalmannschaft und ihrer Trikothistorie gleich noch ein wenig mehr. Zuvor blicken wir noch kurz auf das Foto oben mit Johan Cruyff.

Cruyff war ein langjähriger und treuer Verbündeter des anderen Herzogenauracher Sportartikelherstellers Puma. Seine Liebe zum örtlichen Adidas-Rivalen ging so weit, dass er darauf bestand, auch in der Nationalmannschaft weiter in Puma-Schuhen spielen zu dürfen. Cruyffs Macht war sogar so groß, dass er zudem als Einziger im Team ohne die drei Streifen auf dem Trikot und der Hose auflaufen durfte, ohne Ärger mit dem Verband und dessen Ausrüster fürchten zu müssen. Das eigene Sondertrikot mit nur zwei Streifen statt drei, das Cruyff das ganze Turnier über in mehrfacher Anfertigung trug, hatte sogar Puma extra für ihn produziert, wie der legendäre Puma-Archivar Helmut Fischer in einem YouTube-Video in der Puma-Chronik erläutert.

https://youtu.be/etQo48EV1Pc?si=sSb8ZAR7bUNnOwBr (Opens in a new window)

Bei der WM 1978 in Argentinien machten es die van de Kerkhof-Brüder Willy und René ihrem ehemaligen Mitspieler nach und spielten das gesamte Turnier über ebenfalls in Puma-Schuhen und in Trikots mit nur zwei Streifen.

Aufstellung der niederländischen Nationalmannschaft vor dem WM-Finale 1978 in Argentinien.
Selbst auf den Trainingsjacken fehlte bei den van de Kerkhof- Brüdern der dritte Adidas-Streifen. Ähnlich wie die Trikots wahrscheinlich heute begehrte Sammlerstücke. Foto: Imago/Sportfoto Rudel

Und jetzt wie versprochen noch ein paar Worte zur Trikothistorie der Nationalmannschaft. Mit Hinblick auf den Ausrüsterwechsel 2027 zu Nike werde ich im kommenden Jahr hier in der STOFFKUNDE und auch auf trikotmagazin.de (Opens in a new window) noch einmal in größerer Ausführlichkeit eingehen. Zumal mein angedachtes Trikotbuch zu dem Thema leider nicht zustande gekommen ist. Auch die Trikots der Nationalmannschaft der DDR werden dann mitberücksichtigt werden. Hier kommen sie aktuell nicht vor.

Als der DFB im März 2024 den Wechsel von Adidas zu Nike bekannt gab, wurde in vielen Medien von dem Ende einer über siebzig Jahre währenden Partnerschaft mit Adidas gesprochen, die 1954 bei der Weltmeisterschaft in Bern begann. Stichwort „Adi, stoll auf!“

Das stimmt jedoch nur für die Schuhe. In Sachen Trikots ging es erst bei der Europameisterschaft 1980 in Italien, und da auch erst im Finale gegen Belgien, nach außen für alle sichtbar mit Adidas als Trikotpartner los. Die Vorrunde dieser Europameisterschaft hatte die Mannschaft noch in Erima-Trikots absolviert.

Im Jahr 1976 hatte Adidas das Reutlinger Unternehmen Erima und damit auch bestehende Verträge mit dem DFB und einigen Bundesligisten übernommen, die erst nach und nach ihre Trikots direkt über die Sportartikelhersteller bezogen. Bis weit in die 70er Jahre hinein kauften die Bundesliga-Vereine diese noch beim örtlichen Sportfachhandel ein.

Nachfolgend eine Übersicht der Trikotproduzenten und Sportartikelhersteller, in deren Trikots die Nationalmannschaft von 1954 bis 1982 an großen WM- und EM-Turnieren teilgenommen hat:

Leuzela Label
Leuzēla-Label in einem Nationalmannschaftstrikot von der WM 1954. In diesen Trikots wurde die deutsche Mannschaft in Bern Weltmeister. Foto: Samuel Zürz

WM 1954 in der Schweiz: G. & A. Leuze - Marke: Leuzēla
WM 1958 in Schweden: G. & A. Leuze - Marke: Leuzēla
WM 1962 in Chile: G. & A. Leuze - Marke: Leuzēla
WM 1966 in England: Umbro
WM 1970 in Mexiko: Umbro
EM 1972 (Finalrunde in Belgien): Umbro
WM 1974 in Deutschland: Erima
EM 1976 (Finalrunde in Jugoslawien): Erima
WM 1978 in Argentinien: Erima
EM 1980 in Italien: Vorrunde Erima, im Finale gegen Belgien in Adidas
WM 1982 in Spanien: Das erste Turnier komplett in Adidas

Über Leuzēla und G. & A. Leuze aus Pfullingen habe ich in der Einleitungsgeschichte zu meinem Buch Bundesliga-Trikots ausführlicher geschrieben. Auch Admiral, Bruno Palme, Erima, Hummel, Le Coq Sportif, Umbro und andere, kleinere, Trikottagenhersteller kommen in diesem Artikel (Opens in a new window) vor.

Umbro hatte in den 1960er-Jahren eine sehr enge Partnerschaft mit Adidas und war über viele Jahre der Schuh-Distributeur von Adidas in Großbritannien. Umgekehrt versorgte Umbro viele Vereine in Deutschland über den örtlichen Sportfachhandel mit Umbro-Trikots. Und da Adidas bis Anfang der 70er Jahre selber keine Trikotagen herstellte, übernahm Umbro aufgrund der guten Beziehungen von Adidas zum DFB von 1966 bis 1972 den Part als Trikotlieferant für die Fußball-Nationalmannschaft.

Leider ist das Kapitel Umbro in Deutschland für mich noch ein ziemlich großer weißer Fleck. Die Recherchen gestalteten sich dazu bis jetzt als sehr schwierig. Speziell die Zeit bis Anfang der 1980er-Jahre. Aber auch zur Renaissance von Umbro in der Bundesliga und 2. Liga in den 1990er-Jahren freue ich mich über jeden Hinweis und Kontakt, der mir die weitere Recherche erleichtert.

Sehr gut abgedeckt hingegen hat mein Freund Alex Ireland die Gründungsgeschichte und Anfangsjahre von Umbro in Großbritannien sowie die später nachfolgenden Jahre im amerikanischen Besitz in seinem Buch Double Diamond – 100 years of Umbro (Opens in a new window)*, anlässlich des großen Firmenjubiläums von Umbro im letzten Jahr.

Bis nächste Woche!
Steve

What else?

Michael Spies, neben Sebastian Polter der einzige Spieler mit sieben Bundesliga-Klubs, feiert am Mittwoch, dem 9. Juli, seinen 60. Geburtstag.

Michael Spies im Dress von Borussia Mönchengladbach
Als Gladbach-Fan erinnere ich mich natürlich vor allem an seine Zeit im Borussia-Trikot. Foto: Imago/Rust

Michael Spies absolvierte insgesamt 219 Bundesliga-Spiele (46 Tore) für den VfB Stuttgart (1985–1987), Karlsruher SC (1987–1989), Borussia Mönchengladbach (1989 bis 1991), Hansa Rostock (1991/92), Hamburger SV (1992–1994), Dynamo Dresden (1994/95) und VfL Wolfsburg (1997/98).
(Quelle: transfermarkt.de)

Weitere Geburtstage diese Woche:
10. Juli: Lars Ricken (49) und 12. Juli: Wolfgang Dremmler (71)

Weil wir zuvor schon über Umbro gesprochen haben, dazu zwei passende Nachrichten von Mitte Juni. Umbro wird in den nächsten Jahren sowohl Eintracht Braunschweig (Opens in a new window) als auch Arminia Bielefeld (Opens in a new window) ausstatten. Die Arminia hat ihre neuen Trikots in einem Video Ende Juni ihren Fans sogar schon vorgestellt.

https://youtu.be/p_fehGvgbDc (Opens in a new window)

Nachdem Umbro im Jahr 2007 sein Engagement bei der SpVgg Greuther Fürth beendet hatte, war es in Deutschland einige Jahre still um die englische Traditionsmarke geworden. 2008 übernahm Nike Umbro, um die Marke aber bereits fünf Jahre später schon wieder zu verkaufen. Unter dem neuen Eigentümer Iconix kehrte Umbro 2015 mit dem 1.FC Nürnberg ins deutsche Fußballgeschäft zurück. Zur Saison 2018/19 kamen die Bundesligisten Schalke 04 und Werder Bremen hinzu. Doch beide Partnerschaften endeten im Jahr 2022 bzw. 2023 jeweils vor Ende der eigentlichen Vertragslaufzeiten. Auch bei Dynamo Dresden endete die ursprünglich bis 2026 vereinbarte Zusammenarbeit im Sommer 2024 vorzeitig.

Nicht nur Eintracht Braunschweig und Arminia Bielefeld haben ab dieser Saison einen neuen Ausrüster, sondern auch Bayer 04 Leverkusen.

Und dabei betritt mit New Balance nach Mizuno (2022/23 mit dem VfL Bochum), Craft (2023/24 mit dem SV Darmstadt 98) und Castore (2022, ebenfalls mit Bayer), der nächste Neuling erstmals die große Bundesliga-Bühne.

Bayer 04 Leverkusen war in Sachen Ausrüster nach dem überraschenden Aus von Adidas im Jahr 2016 immer experimentierfreudig. So spielte Jako mit der Werkself in der Saison 2018/19 erstmals in der Champions League. Nach sechs Jahren mit Jako kam 2022 Castore, die sich damals wie jetzt New Balance erstmals in die Bundesliga wagten und gleich am Ende ihrer zweiten Saison mit Bayer Deutscher Meister wurden.

Und jetzt New Balance! Einigen Fußballfans sind die Amerikaner sicher noch als Ausrüster vom FC Liverpool oder der AS Rom in Erinnerung. Mit dem FC Porto arbeitet New Balance seit zehn Jahren zusammen.

Neben Porto und Bayer rüstet New Balance in Europa in der kommenden Saison auch noch Atlanta Bergamo und den OSC Lille aus. Und zur Saison 2026/27 wird NB zudem mit West Ham United in die Premier League zurückkehren.

Robert Andrich, Piero Hincapie und Aleix Garcia präsentieren das Heimtrikot ihres neuen Ausrüsters. Foto: New Balance
Robert Andrich, Piero Hincapie und Aleix Garcia präsentieren das Heimtrikot ihres neuen Ausrüsters. Foto: New Balance

Aktuelle Fußball-Termine bis Ende August zum Vormerken:

8. Juli: Women´s EURO: Deutschland - Dänemark (18 Uhr) in Basel
12. Juli: Women´s EURO: Schweden - Deutschland (21 Uhr) in Zürich
27. Juli: Women´s EURO: Finale (18 Uhr) in Basel
1.–3. August: 1. Spieltag 2. Bundesliga und 3. Liga
13. August: UEFA-Supercup PSG - Tottenham Hotspurs in Udine, Italien
15. bis 18. August: DFB-Pokal Männer, 1. Hauptrunde
16. bis 18. August: DFB-Pokal Frauen, Play offs für die 1. Hauptrunde (Opens in a new window)
16. August: Franz-Beckenbauer-Supercup: FC Bayern München - VfB Stuttgart in Stuttgart
19. bis 21. August: UEFA CL /EL Play-offs Hinspiele
23. August: 1. Spieltag, 2. Frauen-Bundesliga
22. bis 24. August: 1. Spieltag Bundesliga
26. bis 28. August: UEFA CL /EL Play-offs Rückspiele

Heute und morgen gibt es einige weitere historische Jahrestage für die deutsche Nationalmannschaft mit Bezug auf zurückliegende Weltmeisterschaften:

Heute vor 15 Jahren verlor Deutschland bei der Weltmeisterschaft in Südafrika das Halbfinale gegen Spanien mit 0:1.

Am 8. Juli gab es sogar drei bedeutende deutsche WM-Spiele:
2006 in Stuttgart: Spiel um Platz 3 gegen Portugal 3:1
1990 in Rom: Finalsieg gegen Argentinien 1:0
1982 in Sevilla: Halbfinale gegen Frankreich 5:4 nach Elfmeterschießen

Über das letztgenannte Spiel gibt es ein fantastisches Buch von Stephan Klemm mit dem Titel Die Nacht von Sevilla ‘82: Ein deutsch-französisches Fußballdrama (Opens in a new window)*.

Ein Muss für jeden, der dieses Spiel damals als Kind oder Jugendlicher im Fernsehen mitverfolgen durfte und noch einmal in Erinnerungen schwelgen möchte. Und für alle anderen, die noch zu jung waren, um dabei gewesen zu sein, ist es eine etwas andere WM-Nachberichterstattung.

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