Es ist Mittwoch, der 20. Mai 2026, und du liest den STOFFKUNDE-Trikot-Sondernewsletter zu meinem Trikot-Podcast. Gäste in der siebten Episode sind Helmut Fischer und Ulrich Planer von Puma. (Opens in a new window)
Helmut Fischer ist ein Puma-Urgestein und seit 1978 für Puma tätig. 2011 hat er angefangen, das Puma-Archiv aufzubauen.
Ulrich Planer ist seit 2010 bei Puma. Er war über zehn Jahre als Trikotdesigner tätig und ist dann ins Puma-Archiv gewechselt, als er von der Personalabteilung eine Anfrage bekam, dort auszuhelfen. Anschließend blieb er, auch weil Helmut ihn nicht mehr gehen ließ.
Mit beiden habe ich über die Textilhistorie von Puma gesprochen. 1967 musste Rudolf Dassler, sehr zu seinem Leidwesen, anfangen, auch Textilien zu produzieren. Denn wie sein Bruder Adi Dassler war er eigentlich strikt dagegen, denn
“Wir sind Schuhhersteller, wir heißen Schuhfabrik, wir sind die Sportschuhfabrik, müssen aber jetzt auch Textil machen.”
Der Druck, das zu tun, kam aus Frankreich, wo Adi Dasslers Sohn Horst Dassler angefangen hatte, mit Adidas Frankreich Textilien zu produzieren.
Rudolf Dassler hat dann begonnen auch einen Anzug, einen Trainingsanzug zu kreieren, der vorrangig erstmal für unsere Top Mannschaft, für Borussia Mönchengladbach gegolten hat. Und so kam also 1968 der erste Puma Trainingsanzug. In Blau und Weiß hat es ihn gegeben. Du konntest aussuchen, willst du nur den springenden Puma oder willst du die Promotion Version? So hat man es genannt, mit Puma als Schriftzug darunter. Das war der Beginn. Und Rudolf Dassler hatte nicht nur vorgegeben, ein neues Puma Tier zu entwickeln, sondern eben auch seinen Puma Formstrip in diese Anzüge zu integrieren.
Helmut Fischer
Das erste Puma-Trikot folgte 1974 ebenfalls für Borussia Mönchengladbach. Eine lange Partnerschaft gibt es auch mit dem österreichischen Fußballverband.
Armin Dassler, der Sohn von Rudolf Dassler, wurde von Rudolf Dassler nach Österreich geschickt, er soll da eine neue Firma aufbauen, hat dann auch Puma Österreich gegründet und seit 1974 sind wir Ausstatter der österreichischen Nationalmannschaft. Das ist bis heute unser längster Vertrag mit einer Mannschaft. Wir haben vor zwei Jahren jähriges Jubiläum gefeiert.
Helmut Fischer
Der Zugang zu den Bundesliga-Klubs erfolgte anfangs ausschließlich über den örtlichen Sportfachhandel.
Also der erste Weg war immer der starke Händler vor Ort bei Gladbach war das Erdweg, Sport Erdweg, der ja die komplette Ausstattung übernommen hat. Wir haben ja nur an Erdweg geliefert, Erdweg an Gladbach. Und so war es auch in Frankfurt, so war es auch in Köln immer mit starken Händlern zusammen, weil die Händlerbindung damals noch viel, viel stärker war und neben Puma und Adidas ja auch keine anderen Firmen, also zumindest marktdominante Firmen gegeben hat. Und deswegen war natürlich dieser Handel vor Ort entscheidend.
Helmut Fischer
Ein besonders spannendes Thema war natürlich die Zusammenarbeit mit Kamerun. Zwei Mal kam es dabei zu Auseinandersetzungen mit dem Fußball-Weltverband FIFA.
2002 hatte Kamerun beim Afrika-Cup in Mali mit ärmellosen Trikots gespielt und wollte dies auch bei der WM in Südkorea und Japan tun. Durfte es aber nicht.
Richtig, die durften nicht, weil dann diese Turnierwappen auf den Ärmeln ja auch eingeführt wurden. Und so musste man nachträglich die Trikots mit Ärmel anbringen. So ganz dünner schwarzer Stoff ist, also der fällt fast nicht auf. Der war auch innen gar nicht verbunden. Unter den Achseln war gar kein Stoff, also die Achseln waren trotzdem noch frei. Aber so hatte man eben die Möglichkeit, außen diese Turnierwappen an diese Trikots anzubringen.
Ulrich Planer
Vier Jahre später wurde es dann noch wilder, als Puma Kamerun in einen Einteiler packte. Die Spieler fanden diese Trikots super. Die FIFA nicht so und hat sie verboten.
Der Einteiler wurde beim Afrika-Cup 2004 in der Vorrunde getragen und sollte im K.-o.-System durch „normale“ Trikots ersetzt werden. Allerdings hat Kamerun auch in den K.-o.-Spielen den Einteiler getragen. Daraufhin kam es zum “Krieg” mit der FIFA, der bis vor Gericht ging.
Zu dem ganzen Vorfall hat Tobias Ahrens im 11-Freunde-Spezial „Trikots“ (Opens in a new window) eine umfangreiche Geschichte veröffentlicht, bei der auch unser Johan Adamsson ausführlich zu Wort kommt.
Ulrich Planer
Ein weiteres Thema im Podcast sind die Kollaborationen, zum Beispiel bei der Klub-WM im letzten Jahr mit dem Designer Kid Super.
Das ist eine lange Geschichte mit Kollaboration. Wir haben ja hier ein Trikot von 2006 Italien, das damals in Kollaboration mit dem Designer Neil Barrett gestaltet wurde. 2010 gab es eine riesengroße Kollektion für die afrikanischen Nationalmannschaften, wo Designer aus dem jeweiligen Land das Muster gestaltet haben für das Trikot. Da hatten wir sehr starken regional Bezug gehabt zu den Designs. Kid Super war oder ist einer unserer Partner, hauptsächlich im Lifestyle Bereich, Schuhe, Textilien und hier hatte man die Idee gehabt für die Klub WM was Besonderes zu machen.
Ulrich Planer
Die ganze Folge ist seit heute Nacht online und sie ist überall da verfügbar, wo ihr eure Podcasts hört. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mal reinhört und danach die Folge und den Podcast weiterempfehlt.
Vielen Dank und bis nächste Woche Mittwoch, wenn es weitergeht mit der nächsten Podcastfolge.
Herzlichst, euer Steve