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Sondertrikots in a box!

Es ist Montag, der 12. Januar 2026, und du liest die STOFFKUNDE, meinen wöchentlichen Trikot-Newsletter. Heute mit einem Interview zum Thema Trikotboxen und einer Trikotgeschichte, wie der HSV im Januar 1974 nach der offiziellen Freigabe von Trikotwerbung durch den DFB im Herbst 1973 mit Campari zum Vorreiter in der Bundesliga wurde und welche Klubs dem Beispiel der Hamburger folgten.

Kohle & Stahl Trikot Box vom BVB
Die Kohle & Stahl Trikotbox von Borussia Dortmund. Entwickelt und umgesetzt zwischen dem Verein und dem Dienstleister Stork & Partner. Mehr zu den Hintergründen und den erstaunlichen Verkaufszahlen unten im Interview mit dem Inhaber Felix Wallbaum und seinem Head of B2B Ramin Hamidi. Foto: Stork & Partner

Doch zuerst vielen Dank an Laurent und Lorenz, (Opens in a new window) die meinem Aufruf letzte Woche gefolgt sind, den Ausbau der STOFFKUNDE zur Trikot-Community zu unterstützen und eine Supporter-Mitgliedschaft abgeschlossen (Opens in a new window) haben.

Das könnt ihr auch!

Hier noch mal ein Überblick, welche Vorteile eine STOFFKUNDE-Mitgliedschaft beinhaltet:

Ich hatte letzte Woche ein Gespräch mit Steady, wann die Trikot-Community in der Steady-App umgesetzt werden kann. Es wird voraussichtlich doch noch bis Mitte/Ende Februar dauern, weil jetzt im Januar zuerst ein Pilot mit zwei großen Creator-Portalen gelauncht wird und erst dann nach und nach alle weiteren Projekte an den Start gehen können. Unter anderem die STOFFKUNDE.

Wie in der letzten Ausgabe erwähnt, (Opens in a new window)benötige ich 500 Mitglieder bis 1.000 Mitglieder, um mit der STOFFKUNDE substanziell weiterzukommen.

Deshalb gebt euch euren Ruck und werdet noch heute Mitglied und unterstützt mein Projekt aus Newsletter, Podcast und Trikot-Community. (Opens in a new window)


Eine Kritik in der Leserumfrage war, dass einigen der Newsletter zu lang ist. Ich habe mir dazu meine Gedanken gemacht, ob ich das irgendwie ändern möchte und kann. Ich habe jedoch beschlossen, dass ich mich nicht einschränken möchte, sondern hier die Geschichten und Infos veröffentliche, nach denen ihr verlangt. Zumindest erstmal so lange, bis die Trikot-Community und der Podcast gestartet sind.

Die App bietet sehr viele Möglichkeiten, meine Inhalte und die anderer Autoren, Creator und Medien zu euch zu bringen und dass ihr dort dann auch direkt mit mir und, noch viel wichtiger, miteinander kommunizieren könnt. Es kann sein, dass sich der Newsletter dann mehr zum Kommunikationstool verändern wird. Zum Beispiel um auf all die Inhalte in der Community hinzuweisen. Sowie auf den Podcast, der im Laufe des ersten Halbjahres an den Start gehen wird.

Doch bis dahin wird der Newsletter bleiben, wie er jetzt ist. Das ganze Projekt STOFFKUNDE wird sich im Laufe des Jahres 2026 wahrscheinlich ohnehin fortlaufend weiterentwickeln.

Und wie oben erwähnt, würde ich mich sehr freuen, wenn ihr mich auf diesem Weg begleitet und unterstützt.

Bis nächste Woche
Herzlichst, euer Steve

Interview
Verschiedene Trikotboxen aus dem Sortiment von Stork & Partner.
Eine kleine Übersicht über verschiedene Trikotboxen, die Stork & Partner in der Vergangenheit bereits umgesetzt hat. Foto: Stork & Partner

Das Unternehmen Stork & Partner aus dem ostwestfälischen Löhne wurde im Jahr 1992 von Heiner Stork gegründet und hat sich als Dienstleister für Spezialverpackungen etabliert. Zu ihren Kunden zählen unter anderen zahlreiche Fußballvereine aus dem In- und Ausland, die über Stork & Partner Trikotboxen produzieren lassen, in denen sie dann die zahlreichen Sondertrikots präsentieren. Am Rande des MARKE-SPORT-MEDIEN-Kongresses in München habe ich mich mit dem neuen Inhaber Felix Wallbaum und seinem Head of B2B News Business & Solutions Ramin Hamidi über das Geschäft mit den Trikotboxen und ihre Wichtigkeit für die Präsentation von Sondertrikots unterhalten.

STOFFKUNDE: Wann ging das los mit den Trikotboxen für Sondertrikots?

‍Felix Wallbaum: Im Fußballbereich sind wir seit ca. 2009 aktiv. Angefangen hat das mit Borussia Dortmund. Für die haben wir die VIP-Ausstattung gemacht, also Speisekarten etc. Die brauchten damals schnell einen Dienstleister und wir haben das dann übernommen. Daraus hat sich dann mit der Zeit immer mehr entwickelt. Es hat angefangen mit Boxen für hochwertige VIP-Tickets. Das heißt, du hast eine Box gehabt, in der kleine Umschläge steckten mit den VIP-Tickets für die 17 Heimspiele. Zum Beispiel vier VIP-Karten plus Parkkarte. Je nachdem, was der Sponsor mit dem Verein vertraglich abgeschlossen hatte. So ist das Ganze ins Rollen gekommen.

Die Kohle & Stahl-Trikotbox für Borussia Dortmund.
Die Kohle & Stahl-Trikotbox für Borussia Dortmund. Über 170.000 Stück wurden davon produziert und verkauft. Foto: Stork & Partner

STOFFKUNDE: Für das Kohle-&-Stahl-Trikot des BVB habt ihr die erste Trikotbox hergestellt. Was ist die Idee hinter so einer speziellen Präsentation?

Felix Wallbaum: Du kannst mit so einer Trikotbox die Story zu dem Trikot einfach viel besser transportieren. Das Trikot ist ein Trikot, da kann sicherlich auch ein bisschen Geschichte und Story drinstecken. Aber natürlich nicht so umfangreich, wie du das mit der Verpackung ausdrücken kannst. Die Verpackung bietet in dem Fall einen Mehrwert. Sie wird zusammen mit dem Sondertrikot zum Sammlerstück. Die Geschichte soll ja auch in einer besonderen Form erzählt werden und du sollst sie dir auch in drei Jahren noch gut angucken können.  

STOFFKUNDE: Borussia Mönchengladbach hat im letzten Sommer 46.000 Trikots vom Jubiläumstrikot verkauft. Davon 3.000 limitiert in einer eigenen Trikotbox. 46.000 Sondertrikots in einer Box würde jedoch sicher kein Verein machen?

Felix Wallbaum: Tatsächlich ist die größte Auflage, die wir gemacht haben an Boxen 170.000 Stück für das Kohle-&-Stahl-Trikot von Borussia Dortmund.

STOFFKUNDE: Das ist eine Größenordnung, mit der ich nicht gerechnet habe.

Felix Wallbaum: Der BVB hatte zuerst 60.000 aufgelegt. Die waren in 24 Stunden ausverkauft. Sie haben dann entschieden, noch mal nachzulegen, und es kamen noch einmal 90.000 dazu. Das hat zwar ein halbes Jahr gedauert, aber sie wurden geliefert. Zusammen mit unseren Boxen.

STOFFKUNDE: Das ist aber eher ungewöhnlich, denn die erste Auflage ist ja meist limitiert und die zweite nicht mehr.

Felix Wallbaum: Es ist halt eine Frage, wie das bei den Fans ankommt. Beim BVB hat man sich entschieden, allen ein Trikot und eine Box zu liefern. Das macht natürlich nicht jeder so, siehe Gladbach. Oder andere Vereine, die noch weiter limitieren, zum Beispiel eine Box nur für die Anzahl des Gründungsjahres oder eine noch kleinere Limitierung.

Ramin Hamidi: In so einem Fall wie Borussia Dortmund oder jetzt bei Borussia Mönchengladbach mit dem 125-Jahre-Jubiläum ist das ja etwas, was man gemeinsam feiern will und wirklich jeden Fan abholen will und niemanden enttäuschen möchte.

STOFFKUNDE: Die Boxen, die ihr macht, sind alle sehr aufwendig. Aufwendiger als die Trikots selber eigentlich.

Felix Wallbaum: Das würde ich nicht sagen. Ein Trikot kann auch schon mal fünf, sechs, sieben, acht Printdurchgänge haben, bis alles an Veredelung drauf ist, was drauf muss.  

STOFFKUNDE: Die Vorlaufzeit für ein reguläres Trikot vom Erstgespräch bis zur Auslieferung beträgt ca. 18 Monate bei einem Profiverein. Für ein Sondertrikot vielleicht etwas kürzer. Wie lange dauert es bei euch, wenn ein Verein sich eine besondere Trikotbox für sein nächstes Sondertrikot wünscht?

Für das #YBFOREVERYONE-Sondertrikot des BSC Young Boys aus dem Frühjahr 2025 entwickelte Stork & Partner eine eigene Trikotbox. Foto: Stork & Partner

Felix Wallbaum: Also wir sagen immer, dass wir vier bis sechs Wochen brauchen. Aber bei den Young Boys haben wir das zum Beispiel auch schon mal innerhalb von zweieinhalb Wochen umgesetzt.  

Ramin Hamidi: Als ich noch für 11teamsports gearbeitet habe, hatten wir zum Beispiel einen Fall mit Racing Straßburg, wo Felix und sein Team für uns eine Box innerhalb von 18 Tagen geliefert haben. Da gab es anfangs sogar nur ein Blatt weißes Papier und eine grobe Idee.

Trikotbox für den FC Augsburg
Stork & Partner produzierte eine Trikotbox für ein limitiertes Retro-Trikot des FC Augsburg, das anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Regionalliga-Süd-Meisterschaft in der Saison 1973/74 vom Verein aufgelegt wurde. Foto: Stork & Partner

STOFFKUNDE: Wer designt die Box?

Felix Wallbaum: Das ist immer unterschiedlich. Das kann der Verein sein, das können wir sein. Es kommt ein bisschen auf den Partner an. Die großen Klubs machen das normalerweise alleine. Die haben in der Regel ihre eigenen Designabteilungen und Mediengestalter. Kleinere Vereine haben diese Kapazitäten nicht oder es soll oder muss schnell gehen. Dann übernehmen wir die Gestaltung. Die Ideen kommen meistens vom Klub und wir setzen diese dann um. Beim Kohle-&-Stahl-Trikot gab es zum Beispiel die Idee für das Trikot und welche Geschichte der BVB damit transportieren wollte. Anschließend hat der Verein gemeinsam mit uns die Box entwickelt. Andere Auftraggeber kommen mit einer fertigen Idee und wissen ganz genau, was sie wollen, und wir helfen dann dabei, dass diese genauso umgesetzt wird.

Ramin Hamidi: Mir ist zudem sehr wichtig, dass man uns nicht nur auf den Fußball festlegt. Das ist natürlich ein sehr, sehr prominentes und sehr emotionales Beispiel. Es gibt so viele andere Produkte, die du emotional aufladen kannst, indem du ihnen ein Zuhause gibst mit einer speziellen Verpackung. Beispielsweise ein toller Füller in einer tollen Verpackung. Den Füller nutzt du jeden Tag im Alltag, aber die Verpackung hebst du vielleicht auch länger auf, weil sie einfach toll aussieht.

In meiner alten Funktion war ich sehr häufig bei den Fotoshootings für neue Trikots dabei. Das ist eine hoch emotionale Sache, es ist aber auch eine hoch riskante Sache, weil einen frühzeitigen Trikot-Leak die wenigsten Vereine möchten Also kannst du einem Fan in der Regel nicht ermöglichen, live bei so einem Aufnahmetag mit dabei zu sein. Bei diesen Drehs werden Terabyte über Terabyte Festplatten voll mit Content produziert, den man später zum Beispiel als Behind-the-Scenes oder Funny-Outtakes in eine Trikotbox mit integrieren kann und mit ganz vielen Geschichten um den Trikotlaunch herum aufladen kann.

STOFFKUNDE: Ist die Trikotbox immer gleich groß?

Felix Wellbaum:  Die Größen für Trikotboxen sind immer die gleichen. Danach geht es einfach um die Gestaltung und das Design. Es gehen auch andere Boxen-Formate. Wie immer ist alles eine Frage des Budgets. Gehen tut fast alles.  

STOFFKUNDE: Ihr habt keine eigene Druckerei, sondern seid ein Dienstleister?

Felix Wellbaum: Wir sind jetzt keine Full-Service-Agentur, aber es ist wichtig, dass unsere Kunden verstehen, dass wir nicht nur eben eine Verpackung entwerfen und konstruieren und gemeinsam auf den Markt bringen, sondern wir können eben Lösungen für mehr drumherum liefern. Ein Verein oder ein Unternehmen hat mit uns einen Ansprechpartner und wir kümmern uns komplett um die Abwicklung, von der Idee bis zum finalen Produkt.

STOFFKUNDE: Ihr habt auch eine eigene Box für die regulären Trikots im Programm.

Ramin Hamidi: Wir haben proaktiv eine Trikot-Trilogie ins Leben gerufen. Das heißt, du kannst dein Home, Away und Third mit einem Bilderrahmen als Box an die Wand hängen und die drei Boxen ergeben ein Bild. Nach der Saison holst du die drei Boxen aus dem Rahmen raus, stellst sie entweder in deinem Regal oder in einer Vitrine wie Bücher neben- oder übereinander und erzeugst damit wie bei den lustigen Taschenbüchern ein Dauerbild.

STOFFKUNDE: Letzte Frage. Wenn ihr euch ein Trikot kauft? Mit oder ohne Flock?

Ramin Hamidi: Also, ich bin inzwischen komplett bei Blanko und wenn Flock, dann mache ich mir eine Legende drauf.

Felix Wallbaum: Ich bin tatsächlich nur noch bei Blanko.

Felix Wallbaum (35) ist in einer Unternehmerfamilie aufgewachsen und ist seit Anfang letzten Jahres alleiniger Inhaber von Stork & Partner. Sein Fußballherz schlägt für Borussia Dortmund

Ramin Hamidi (48) hat lange für Puma und 11teamsports gearbeitet und ist jetzt seit 1. Oktober 2025 Head of B2B bei Stork & Partner. Ramin ist Fan von Borussia Mönchengladbach.

Weitere Trikotboxen könnt ihr euch auch auf der der Facebook-Seite von Stork & Partner (Opens in a new window) und auf der Website stork-partner.de (Opens in a new window) ansehen. Über die Website könnt ihr auch Kontakt zu Felix oder Ramin aufnehmen, wenn ihr für eine besondere Verpackungsidee habt und diese umsetzen möchtet.

Trikotgeschichte

Als der HSV mit Campari den offiziellen Einzug der Trikotwerbung in der Bundesliga einläutete.

Präsentation des neuen Trikotsponsors Campari Anfang 1974 im Hamburger Hotel Vier Jahreszeiten.
Nach der Vertragsunterzeichnung im Hamburger Hotel Vier Jahreszeiten präsentieren Edgar Jarchow, Dr. Peter Krohn sowie die Spieler Bubi Hönig, Klaus Zaczyk und Georg Volkert den neuen Trikotsponsor des HSV. Inklusive des, eigens für diesen Anlass geschaffenen, HSV-Cocktails. Foto: PR Agentur Hoyningen-Huene.

Das Jahr 1974 war noch keine zwei Tage alt, da luden der Hamburger SV um Präsident Dr. Peter Krohn und Edgar Jarchow, Inhaber des Hamburger Unternehmens Hans Prang und damals alleiniger Lizenzhersteller des italienischen Aperitifs Campari in Deutschland, zum großen Presseempfang ins Hotel Vier Jahreszeiten. Anlass war die Unterzeichnung des ersten großen Trikotsponsoring-Vertrages des HSV, die dem Klub mit 500.000 DM pro Saison vergütet wurde. Der Vertrag, datiert bis zum 30. Juni 1975, beinhaltete zusätzlich auch das Trikotsponsoring für die, ebenfalls in der Bundesliga spielenden, HSV-Handballer.

Trikotpräsentation mit HSV-Cocktail

Die Fäden im Hintergrund dieses Deals – und einiger weiterer in der jungen Geschichte der Trikotwerbung der Bundesliga – zog ein junger PR-Manager aus Hamburg, der sich erst wenige Jahre zuvor mit seiner Agentur selbstständig gemacht hatte. Frank Freiherr von Hoyningen-Huene erinnert sich noch gut an diese Zeit: „Ich hatte schon früh die Idee, Fußballtrikots als Werbefläche zu nutzen. Günter Mast hat dann in Braunschweig den Grundstein dafür gelegt, dass sich die Trikotwerbung in der gesamten Bundesliga etablieren konnte. Zu der Zeit war die Firma Hans Prang schon einer meiner Kunden und Edgar Jarchow schenkte mir sein Vertrauen, als ich ihm vorschlug, beim Hamburger SV mit Campari einzusteigen.“

Mit Dr. Peter Krohn traf er auf einen erfahrenen Manager und der HSV-Präsident sowie von Hoyningen-Huene wurden sich nach langen und schwierigen Verhandlungen über einen Vertrag einig, den Jarchow und Krohn dann mit großem Brimborium an eben jenem 2. Januar 1974 bei einem als „Neujahrsempfang“ getarnten Pressetermin unterzeichneten. Die Spieler Franz-Josef Hönig, Klaus Zaczyk und Georg Volkert präsentierten sich den Fotografen in Trikots mit Campari-Schriftzug, HSV-Raute und HSV-Cocktail in der Hand. Der Cocktail, bestehend aus 1/4 Campari, 1/4 Orangensaft und 2/4 Sekt wurde ausschließlich für diesen Anlass erfunden. Der Auftritt schlug ein wie eine Bombe und sorgte bei Hans Prang für Lieferengpässe. Wenn Supermärkte oder Gastronomen eine Palette Campari bestellten, bekamen sie erst einmal nur die Hälfte geliefert, so groß war die Nachfrage. Ähnlich wie Günter Mast in Braunschweig im Jahr zuvor, sorgte der PR-Manager von Hoyningen-Huene dafür, dass die Marke Campari ständig in der Presse blieb. Da fuhren dann auf einmal 400 Taxen in Hamburg mit Likör-Werbung durch die Stadt. Oder das Unternehmen setzte im Motorsport auf Rennfahrer Willi Kauhsen, der mit seinem von Campari gesponserten Rennteam in diversen Sportwagenserien aktiv war.

Frankfurts Kapitän Jürgen Grabowski freut sich nach dem DFB-Pokalsieg gegen den HSV im gegnerischen Trikot. Er hatte als einziger Frankfurter nach dem Spiel mit seinem Gegenspieler getauscht. Als Dank für die kostenlose PR bekam er später vom Hersteller eine Kiste des Kräuterlikörs kostenlos nach Hause geschickt. Foto: Imago/Kicker/Eissner

Auch im Fußball sorgte die Marke im August 1974 für eher unfreiwillige, aber natürlich willkommene, Schlagzeilen. Wegen der Fußball-WM im eigenen Land fand das Pokalfinale der Vorsaison zwischen dem HSV und Eintracht Frankfurt erst zu Beginn der Spielzeit 1974/75 statt. Die Eintracht gewann 3:1 und Kapitän Jürgen Grabowski, der nach Spielende mit HSV-Spieler Hans-Jürgen Ripp das Trikot getauscht hatte, erschien im Campari-Trikot zur Pokalübergabe – während die übrigen Frankfurter in „ihren“ Trikots mit dem Sponsor Remington feierten. Grabowski bekam für seine unfreiwillige Werbetätigkeit eine Kiste des Likörs frei Haus geschickt.

Als das Engagement beim HSV nach zwei Jahren auslief und sich der Klub mit Hitachi für einen neuen Trikotsponsor entschieden hatte, zog Campari zum 1.FC Kaiserslautern weiter und unterschrieb dort einen Vertrag für drei Spielzeiten. Freiherr von Hoyningen-Huene zur damaligen Entscheidung: „Der Einstieg in Kaiserslautern hatte strategische Gründe. Wir wollten in dieser Region bekannter werden, da in der Pfalz ja eher Weintrinker zu Hause sind. Kaiserslautern erschien uns, als bekanntester Klub der Region, ein perfekter Multiplikator unserer Marke. Dies hat wunderbar funktioniert, die Nachfrage nach unseren Produkten stieg signifikant an.“

Der PR-Mann hatte in den Folgejahren seine Hände noch bei einigen weiteren Sponsoring-Verträgen im Spiel, so betreute er mit Mampe bei Hertha BSC Berlin einen weiteren Spirituosenhersteller. Das alles kam nicht von ungefähr: Frank von Hoyningen-Huene war vor seiner Selbständigkeit zwei Jahre lang als PR-Kontakter für den Bundesverband der Spirituosenindustrie tätig und somit entsprechend gut vernetzt – auch in anderen Branchen. Das japanische Elektronikunternehmen Pioneer zählte ebenfalls zu seiner Kundschaft. Die Japaner wurden, auf seine Vermittlung hin, ab der Rückrunde 1978/79 Trikotsponsor des 1.FC Köln. Die Rheinländer waren zu jener Zeit, neben Schalke 04, der letzte Bundesliga-Klub ohne Hauptsponsor.

Das Trikotsponsoring von Remington wurde der Eintracht mit 275.000 DM pro Saison vergütet.

Und während Freiherr von Hoyningen-Huene in Hamburg, Berlin und Köln erfolgreich in Sachen Trikotwerbung unterwegs war, machte sich in Frankfurt ein weiterer junger Marketingprofi einen Namen als Sponsoring-Experte: Manfred Birkholz. Er war mit seiner Agentur Birkholz + Schnell einer der ersten in Deutschland, der sich ausschließlich auf Sportmarketing spezialisierte und das Thema über die Jahre immer weiter professionalisierte. Birkholz stieg 1971 in die Sportwerbung ein und vermarktete anfangs die Stadionzeitung der Frankfurter Eintracht. Über gute Beziehungen zu seinen Anzeigenkunden gelingt es ihm 1974, Remington als ersten Frankfurter Trikotsponsor zu gewinnen. Die Amerikaner waren als Hersteller von Schreib- und Rechenmaschinen groß geworden und hatten erst 1974 mit der Produktion und dem Vertrieb von Rasierern und Haarpflegeprodukten begonnen. Die deutsche Handelsvertretung verfügte über ein eigenes Werbebudget und konnte somit unabhängig vom US-Mutterkonzern seine Marketing- und Werbeentscheidungen treffen. Das Trikotsponsoring wurde der Eintracht mit 275.000 DM pro Saison vergütet. Remington bekam zusätzlich sechs Dauerkarten für die Haupttribüne, aber jede weitere Leistung, beispielsweise die Anzeigen in der Stadionzeitung oder Bandenwerbung im Stadion, wurden separat abgerechnet.

Birkholz betreute in der Folge auch die weiteren Frankfurter  Trikotsponsoren, von Samson, über Minolta, Infotec, Portas bis hin zu Hoechst. Bei Infotec stieß Birkholz auf echte Marketingprofis, die das absolute Maximum für ihr Unternehmen herauszuholen wussten. Die darauf bestanden, dass sich die Unternehmensfarbe Orange in der Trikotgestaltung wiederfand. Die dem Verein im Stadion Infotec-Kopierer zur Verfügung stellten, damit sich die Mannschaftsaufstellungen und Pressemitteilungen gleich vor Ort in Windeseile vervielfältigen und verteilen ließen. Manfred Birkholz kommt im Laufe der Zeit auch mit dem FC Bayern München ins Geschäft, sorgt mit dafür, dass der PC-Hersteller Commodore auf der Brust der Münchner Edelkicker landet. Birkholz betreut später 13 Jahre lang den Kunden Opel, sowohl in der Zusammenarbeit mit dem FC Bayern als auch bei allen anderen Sponsoring-Aktivitäten. Unter anderem mit den Superstars Steffi Graf, Michael Stich und Franziska van Almsick. Auch das erste Trikotsponsoring von Opel in der Bundesliga beim VfL Bochum lief über Birkholz‘ Schreibtisch und war der Auftakt für die langjährige Partnerschaft mit dem Rüsselsheimer Automobilkonzern. Doch nicht nur im Trikotsponsoring hatte der Eintracht-Pressesprecher (von 1965 bis 1977) seine Hände im Spiel. Er sorgte auch dafür, dass die Hessen ab 1976/77 für zwei Spielzeiten in Trikots des englischen Ausrüsters Admiral aufliefen. Der nach Deutschland entsandte Vertriebsmanager bezog eigens ein Büro in der Agentur von Birkholz und versuchte von dort, die Marke in Deutschland zu etablieren. Nach anderthalb Jahren gab dieser jedoch entnervt auf, weil es ihm nicht gelang, seine innovativen Nylon-Trikots in der Bundesliga an den Mann zu bringen. Dabei war Admiral zu dieser Zeit immerhin Ausrüster der englischen Nationalmannschaft und von Manchester United. Manfred Birkholz wurde 2009 (zusammen mit Uli Hoeneß) in die Hall of Fame des Fachverband für Sponsoring FASPO, der zentralen Interessenvertretung der Sponsoringwirtschaft, aufgenommen.

Duisburgs Stürmer Ronny Worm im Zweikampf gegen Frankfurts Torwart Günther Wienhold am 12. Januar 1974. Es ist das erste MSV-Spiel mit der neuen Brian-Scott-Werbung. Foto: Imago/Sven Simon

Mit Werbung auf dem Trikot Geld zu verdienen, lockte 1974 in Nordrhein-Westfalen auch die Bundesligisten MSV Duisburg und Fortuna Düsseldorf hinter dem Ofen hervor. In Duisburg finanzierte der örtliche Textilfabrikant Fritz Schroer den Transfer von Mittelfeldspieler Theo Bücker von Borussia Dortmund zum MSV, verlangte aber im Gegenzug, mit seiner Pullovermarke Brian Scott auf das Trikot des MSV zu kommen. Den Handelsregisterauszügen aus jener Zeit zufolge, schien diese Maßnahme ein letzter Versuch Schroers gewesen zu sein, seiner Marke durch Trikotwerbung zu mehr Bekanntheit zu verhelfen – und gleichzeitig das Unternehmen vor der Pleite zu bewahren. Denn sowohl die Fritz Schroer KG, als auch das zweite Unternehmen von Schroer, die Tricots Style Strickwaren GmbH, der die Marke Brian Scott gehörte, gingen kurz nacheinander insolvent.

ARD und ZDF drohten damit die Spiele mit Trikotwerbung nicht mehr zu zeigen.

In Düsseldorf hatte die Fortuna derweil Kontakt zum Mönchengladbacher Unternehmen Allkauf aufgenommen, das im Rheinland zwölf Supermarktfilialen betrieb und auf Wachstumskurs war. Allkauf lockte die Publicity, die das Thema Trikotwerbung mit sich brachte und die Chance, durch die Fernsehübertragungen von Fortuna-Spielen neue Zielgruppen zu erschließen. Als ARD und ZDF jedoch damit drohten, die Spiele der Mannschaften mit Trikotwerbung nicht mehr zu übertragen, fehlte Allkauf die Geschäftsgrundlage für eine Fortführung des Sponsorings und der Vertrag mit der Fortuna wurde im März 1975 kurzerhand aufgelöst. Doch selbst diese kurze Zeitspanne hatte dem Unternehmen Allkauf so viel Aufmerksamkeit beschert, wie es eine groß angelegte Marketingkampagne nicht besser hätte bewirken können.

Ergänzende Chronologie der Saison 1973/74:
Der Hamburger SV spielte am 05. Januar 1974 bei Hertha BSC erstmals mit Campari auf der Brust. Der MSV Duisburg folgte am 12. Januar gegen Eintracht Frankfurt mit Brian Scott. Die allkauf-Premiere von Fortuna Düsseldorf fand am 15. März im Spiel gegen den Wuppertaler SV statt und die des FC Bayern München mit adidas am 06. April gegen den 1.FC Kaiserslautern. Eintracht Frankfurt schloss die Saison 1973/74 am 17. August mit Remington im wegen der WM 1974 in Deutschland nachgezogenen DFB-Pokalfinale gegen den HSV ab.

Trikotauktionen

In meinen Google-Alerts tauchen jede Woche Hinweise auf Trikotauktionen auf. In dieser neuen Rubrik liste ich die auf an denen aktuell noch teilgenommen werden kann.

FC Millwall: Matchworn shirts vom Championship-Auswärtsspiel beim FC Southampton. Auktion läuft noch bis zum 17. Januar 2026. (Opens in a new window)

AFC Bournemouth: Matchworn und unterschrieben von David Brooks aus dem Premier League-Spiel gegen West Ham United. Auktion läuft noch bis zum 28. Januar 2026. (Opens in a new window)

Alexandra Popp spendet ihr getragenes VfL Wolfsburg-Trikot (United Charity). Auktion läuft noch bis 15. Januar 2026. (Opens in a new window)

Fortuna Düsseldorf: Matchworn-Heimtrikot von Cedric Itten aus dem Heimspiel gegen den 1. FC Magdeburg. Auktion läuft noch bis zum 18. Januar 2026. (Opens in a new window) Auf dieser Seite der Fortuna stehen noch fünf weitere Matchworn-Trikots zur Auswahl, bei denen die Auktion ebenfalls noch läuft.

Mit dem Start der Rückrunde werden in den kommenden Wochen sicher noch mehr Auktionen hier gelistet werden.

News und Links

Die möglichen Übernahme-Gerüchte von Puma setzen sich auch im Jahr 2026 fort. Jetzt hat das chinesische Unternehmen Anta Sports Products seine Hände nach Herzogenaurach ausgestreckt.

(Opens in a new window)

Der SG Dynamo Dresden hat seit Jahresbeginn die Merchandisingrechte wieder komplett in eigener Hand.

https://www.dynamo-dresden.de/aktuelles/news/verein/sgd-vollzieht-vollstaendigen-kauf-der-merchandising-gmbh (Opens in a new window)

Wenn euch die heutige Ausgabe gefallen hat, aber noch nicht Mitglied werden möchtet, könnt ihr die STOFFKUNDE hier auch einfach

Ihr bekommt sie dann jeden Montagmorgen um 6 Uhr in euer E-Mail-Postfach.

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