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Wenn das Dopamin sinkt: Strategien für die Lutealphase bei ADHS

eine Frau die sicher über einem Abgrund zwischen zwei Felsen steht, je mit einem Bein auf einer Seite.

Kennst du diese Tage, an denen deine mühsam aufgebauten Routinen plötzlich wie Kartenhäuser in sich zusammenbrechen? Du hast alles geplant, du weißt, was zu tun ist, aber dein Gehirn scheint im Nebel zu versinken. Für viele FLINTA* mit ADHS ist das kein Zeichen von mangelnder Disziplin, sondern ein monatlich wiederkehrendes biologisches Phänomen: der „Luteal-Crash“.

Als Sozialpädagogin und selbst Betroffene (ADHS & Endometriose) weiß ich, dass wir in dieser Phase nicht mehr Disziplin brauchen, sondern ein Nervensystem, das sicher navigiert wird. In diesem Artikel schauen wir uns an, warum das Dopamin in der zweiten Zyklushälfte streikt und wie du vom bloßen Reagieren ins achtsame Agieren kommst.

Die neurobiologische Falle: Östrogen und Dopamin

Der Zusammenhang zwischen unseren Hormonen und unserer Konzentrationsfähigkeit ist keine Einbildung. Östrogen wirkt im Gehirn als Modulator für Dopamin. Es sorgt dafür, dass Dopamin effektiv übertragen und genutzt werden kann.

Nach dem Eisprung, in der sogenannten Lutealphase, sinkt der Östrogenspiegel rapide ab. Für ein ADHS-Gehirn, das ohnehin mit einer geringeren Dopamin-Verfügbarkeit kämpft, ist das ein massiver Einschnitt. Die exekutiven Funktionen – also das Planen, Priorisieren und die Impulskontrolle – werden spürbar schwächer. Gleichzeitig sinkt die emotionale Belastbarkeit (RSD – Rejection Sensitive Dysphoria nimmt zu), und körperliche Symptome wie Schmerzen oder Fatigue fordern zusätzliche Ressourcen.

Warum „Durchziehen“ die Mauer nur höher baut

In der Beratung sehe ich oft, dass Betroffene in dieser Phase versuchen, mit noch mehr Härte gegen sich selbst anzukämpfen. Doch Scham ist der stärkste Kleber für die „Wall of Awful“. Wenn wir versuchen, ein unterversorgtes Nervensystem zu Höchstleistungen zu zwingen, riskieren wir einen emotionalen Burnout.

Der Schlüssel liegt in der Anpassung der Erwartungen. Wir müssen lernen, unser Leben um unsere Biologie herum zu organisieren, anstatt gegen sie in den Krieg zu ziehen.

Drei Säulen der hormonellen Resilienz

Um die Lutealphase sicher zu überstehen, brauchen wir eine Strategie, die drei Bereiche abdeckt:

  1. Körperliche Regulation: Wir müssen Wege finden, das System sanft zu stimulieren, ohne es zu überfordern. Das bedeutet „Low-Dopamin“-Aktivitäten zu finden, die uns nähren (z. B. haptische Reize, Gewichtsdecken oder Audioformate statt anstrengendem Lesen).

  2. Mindset & Validierung: Wir müssen die emotionale Dünnhäutigkeit als biologisches Ereignis labeln. Der Satz „Das ist gerade meine Chemie, nicht mein Charakter“ kann in einem RSD-Sturm den Unterschied machen.

  3. Radikale Kommunikation: Wir dürfen lernen, unsere Bedürfnisse klar zu kommunizieren, bevor wir in die totale Erschöpfung rutschen. Notfall-Sätze helfen dabei, Grenzen zu setzen, wenn die interne Kraft nicht für lange Erklärungen reicht.

Mein Werkzeug für dich: Der Luteal-Phasen-Interventionsplan

Damit du in der nächsten „dunklen Woche“ nicht erst mühsam überlegen musst, was dir hilft, habe ich ein praktisches Tool für dich entwickelt. Es ist ein strukturierter Plan, der dir hilft, vom Reagieren ins Agieren zu kommen.

Für alle Mitglieder: Du kannst dir den Plan direkt hier als Vorlage speichern. Nutze ihn als Anker an deinem Kühlschrank oder in deinem Planer, um dich rechtzeitig auf den Umschwung vorzubereiten.

Luteal-Phasen-Interventionsplan

Diese Vorlage unterstützt dich dabei, deine individuellen "Low-Dopamin-Listen" zu erstellen und deine Kommunikation mit dem Umfeld vorzubereiten. Ein Muss für jede zyklusbasierte ADHS-Selbstfürsorge.

Vielen Dank für deine Unterstützung! Mit deinem Beitrag ermöglichst du es mir, weiterhin wissenschaftlich fundierte und praxisnahe Inhalte für neurodivergente Menschen und Fachkräfte zu erstellen.

Urheberrechtshinweis: Das bereitgestellte Material darf gerne im Rahmen von Einzel-Coachings oder für den privaten Gebrauch genutzt werden. Eine kommerzielle Nutzung, der Weiterverkauf oder die Verwendung in eigenen kostenpflichtigen Fortbildungen ohne Rücksprache ist jedoch ausdrücklich untersagt und unterliegt dem Urheberrecht.

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