
Liebe Leser*innen,
»1 - 2 - 3 - 4, in den Sicherheitsrat wollen wir! 5 - 6 - 7 - 8, die UN wird platt gemacht! 9 - 10, Portugal und die Ösis könn’ nach Hause gehen!«: So schallte es am Mittwoch über die deutschen Fanmeilen. Das Bier stand kalt, die Baerbock-Ultras schwangen ihre Schals, die Blauhelme in Schwarz-Rot-Gold saßen fest auf den Köpfen, doch es nützte alles nichts:

Johann Wadephul musste sich auf den Schock erst mal einen Spa-Day gönnen, während Merz versuchte, seine Enttäuschung im Rahmen eines 24stündigen Familienstreits zu verarbeiten. Zwei sehr valide Ansätze, um mal den Kopf frei zu bekommen, doch wie sieht laut Wissenschaft ein perfekter Tag aus? Die Wochenrückblick-Redaktion hat die Fakten für Sie zusammengetragen:

6:00 Uhr Aufwachen (und die Versäumnisse der Nacht nacharbeiten)
7:15 Uhr Ein ausgewogenes Frühstück zubereiten (und dem Vermieterehepaar vor die Tür stellen)
8:00 Uhr Hart arbeiten, du Schmarotzer, die KI schläft nicht!
18:00 Uhr Work-out (and work on!)
19:00 Uhr Mit Freunden kochen (und über die Arbeit reden)
20:55 Uhr Einfach mal dankbar sein (für das Vermieterehepaar)
21:00 Uhr Elon Musk reposten, schlafen gehen und von der Arbeit träumen
(Opens in a new window)Die Wirtschaftsweisen verleben ausschließlich perfekte Tage und malochen unermüdlich. So haben sie zum Beispiel nebenbei in der Kaffeepause den Vorschlag erarbeitet, die Anzahl der Pflegebedürftigen zu reduzieren. Wer in Zukunft noch einen Pflegegrad erhalten soll:

Menschen, die über mindestens einen Doktortitel verfügen
Menschen, deren Name mit Schnitz-, Felber-, Gri- oder Wer- beginnt und auf -er, -mayr, -mm oder -ding endet
Nur Menschen, die nach Renteneintritt noch mindestens drei Angehörige pflegen
Niemand, der einen Antrag stellt (wer noch selbst einen Antrag stellen kann, kann ja so pflegebedürftig nicht sein)
Niemand, dem bei der Antragstellung ein Angehöriger hilft (wer jemanden hat, der ihm helfen kann, kann ja auf Unterstützung durch den Staat nicht so angewiesen sein)
Nur Menschen, die nachweisen können, dass sie drei andere Menschen über 70 erstochen haben
Auch andere Institutionen sparen, wo sie können. Das Wirtschaftsministerium versucht zum Beispiel, durch den Umstieg auf bewährte Technologien Kosten zu reduzieren:

Wer als Kunde Geld sparen möchte, entscheidet sich häufig für ein Abo. Was das Dauerschuldverhältnis alles »kann«, erklärt Torsten Gaitzsch:

Heute: Alles drin
Für alles Mögliche gibt es heutzutage eine Flatrate, warum nicht auch für Zahnreinigungen? Dies frägt mich ein Werbespot für einen Service, der, nun ja, offenbar darin besteht, dass man sich zu einem fixen Preis beliebig viele professionelle Zahnreinigungen zuführen lassen kann.
Wirklich beliebig viele? Könnte ich mir jeden Morgen und Abend die Zähne reinigen lassen, so dass ich nie mehr selber putzen müsste? Man würde sich Zahnpasta, -bürste, -seide, -becher, Zungenschaber und Mundwasser sparen. Die Details stehen bestimmt im Kleingedruckten, aber ich habe nicht die geringste Lust, mich über dieses Abo zu informieren. Lassen wir lieber unserer Fantasie freien Lauf! Wer führt die Reinigung durch? Der/die eigene Stammzahnarzt/-ärztin? Der örtliche Bader? Jede Person im Gesundheitswesen, der ich meine Abobestätigung vorzeige? (»Noch nicht aufschneiden, Frau Kollegin, da steht wieder so ein Zahnreinigungsabonnent vor der Tür, den müssen wir zuerst abfertigen …«)
Reizvoll wäre es auch, sich weitere Flatrates auszudenken. Eine solche für Textilreinigungen zum Beispiel. Man könnte jeden Tag eine frische Unterhose anziehen! (Das war ein Witz. Wahrscheinlich haben Sie sich das eh gedacht, aber es ist mir wichtig, klarzustellen, dass niemand denkt, es wäre normal, seine Unterhose nicht jeden Tag zu wechseln. Wobei: Im Sinne der Umweltschonung oder werweiß der Emanzipation von arbiträren gesellschaftlichen Normen tragen progressive Menschen vielleicht mehrere Tage hintereinander dieselbe Unterhose.) Och, jetzt ist die Kolumne schon wieder zu Ende. Gerne hätte ich noch weitere ulkige Flatrates vorgestellt. Haha, was ich schon für Ideen aufgeschrieben hatte – da wären Sie nie drauf gekommen. Erst ein paar gar nicht so abwegige, dann immer abstrusere, ein wahres Quatschfest wäre das geworden, teils sarkastisch-überspitzt, dann wieder voller gaga Non-sequitur-Spinnereien, lol. Schade.
Verabschiedet sich und wünscht ein gut informiertes Wochenende:
Ihre TITANIC-Redaktion
(Opens in a new window)»Sind Antisemitisten anwesend?«
Seit dem schicksalsträchtigen 7. Oktober 2023 ist auf der ganzen Welt ein Phänomen zu beobachten, das man in Deutschland als einmaligen Fehltritt der Geschichte und unschöne Modetorheit längst überwunden glaubte: Antisemitismus. Auf Podiumsdiskussionen, vor Universitäten und in Podcasts wird rund um die Uhr gesagt, was man angeblich nicht sagen darf.
Dieser talmud-dicke Sammelband wiederum sagt: Schnauze! Gefördert von den Weisen von Zion und der Bill-Gates-Foundation (Verlagsangabe), haben die Herausgeber Lea Streisand, Michael Bittner und Heiko Werning rund 80 Geschichten, Glossen und Bilder gegen Judenhass eingeholt – von Leo Riegel, Julia Mateus, Thomas Gsella, Hauck & Bauer, Ella Carina Werner, Fabian Lichter, Tim Wolff, Katharina Greve, Leo Fischer, Rattelschneck und vielen anderen.
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