
Wieso sind Trump und Putin so scharf auf Inseln wie Hitler auf Kreta oder Wessis auf Rügen? Was ist so verlockend an Felsen im Meer?
Ob Grönland oder die Krim, Kuba oder Hiddensee – Inseln scheinen eine seltsame Obsession bei Usurpatoren zu sein. Dabei ist schon die Anreise meist beschwerlich: durch Eisberge, über klapprige Brücken, per Fallschirm oder die Bundesautobahn 20. Endlich vor Ort sind die Besatzer zudem selten willkommen. Sie werden von Partisanen oder nackten Ostdeutschen belästigt. Gehasst, gemieden, geschröpft, sogar gegessen oder ersatzweise beim Essengehen ausgenommen.
Für Eroberer überwiegen dennoch oft sogenannte strategische Interessen. Sie wollen neue Militärbasen oder einfach schönere Strände, Zuckerrohr oder ein ehemals volkseigenes Ferienhaus. Dabei verschleiern sie ihre wahren Absichten gern. Ginge es Putin um Entnazifizierung, hätte er ja ebenso gut Sylt besetzen können.
Vom ersten Punischen Krieg um Sizilien, über die Schlachten um England, Zypern oder die Falkland-Inseln bis zur Landnahme der Westgoten auf dem Darß 1990 – es ist immer das gleiche unangenehme Kolonialgehabe.
Nur ein Volk im Indischen Ozean wehrt sich dagegen seit Menschengedenken mit Erfolg. Die Sentinelesen lehnen jeden Kontakt mit Fremden von vornherein ab. Wer das nicht respektiert, wird konsequent mit Pfeil und Bogen angegriffen – ganz egal ob Missionare, Makler oder Maulhelden auf Flugzeugträgern. Ihre Insel ist mit 59 Quadratkilometern zwar etwas kleiner als Grönland, aber immerhin dreimal größer als Hiddensee.
So schwer kann es also nicht sein.
© Holger Witzel, 2026 🍊🍊🍊🧅🍊
P.S. Für die etwas längere Pause entschuldige ich mich. Der Grund heißt „K.“ – mein neuer Roman, der gerade erschienen ist. Es ist eine böse Geschichte über einen ostdeutschen Kohlhaas und die offenen Wunden der Wiedervereinigung.
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