Skip to main content

Was die Statistik zur Gewalt gegen die AfD aussagt - und was nicht

Hi,

vor zwei Wochen haben wir beschrieben, dass Angriffe auf AfD-Politiker:innen nicht immer so passiert sind, wie es die AfD erzählt (Opens in a new window).

Diese Woche wollen wir das ergänzen und uns die Statistiken genauer anschauen, die die AfD seit einigen Jahren mit Kleinen Anfragen von der Bundesregierung erfragt: Darin will sie wissen, wie viele Angriffe es in den zurückliegenden Monaten auf Politiker:innen, Parteibüros und Wahlplakate gegeben hat.

Die Zahlen sprechen eine vermeintlich eindeutige Sprache: Die AfD wird mit Abstand am häufigsten angegriffen.

Nur: Längst nicht alle Vorfälle sind eindeutig.

Bleib achtsam und alles Liebe,

Newsletter

Um was gehts?

Linke Gewalt gegen die AfD. Die Zahlen sind erschreckend. Dahinter stehen Menschenschicksale.”

Das schrieb AfD-Chefin Alice Weidel im August 2025 [1]. Dazu verlinkte sie einen Nius-Artikel mit einer Statistik. Daraus geht hervor, dass Politiker:innen der AfD im ersten Halbjahr 2025 mit großem Abstand am häufigsten Opfer von “Gewaltangriffen” wurden: in 68 Fällen. Danach folgen SPD (neun Angriffe), Union (sieben Angriffe), FDP (sechs Angriffe), Grüne (vier Angriffe) und Die Linke (vier Angriffe).

Die Zahlen wirken eindeutig. Und genau diesen Eindruck will die AfD vermitteln. Nur: Die Fälle dahinter sind es nicht immer. Und genau darum geht es heute.

Linke Gewalt, rechte Opfer?

Die Zahlen zu den Gewaltangriffen stammen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD, die sie ungefähr zweimal pro Jahr in nahezu identischem Wortlaut stellt. Darin fragt sie, wie viele Angriffe es in den zurückliegenden Monaten auf Politiker:innen in Deutschland gegeben hat und wie oft Äußerungsdelikte und parteibezogene Sachbeschädigungen gemeldet wurden - etwa zerstörte Wahlplakate oder Angriffe auf Parteizentralen und -einrichtungen.

Die letzte Kleine Anfrage bezog sich auf “Angriffe auf Politiker, Parteibüros und Wahlplakate im ersten Halbjahr 2025”. Darin fragte die AfD auch, ob es “systematische, organisierte Formen der Einschüchterung oder der Bedrohung” der Partei gebe.

Antwort der Bundesregierung: Es liegen derzeit “keine Erkenntnisse vor, die auf eine systematisch geplante Einschüchterung oder Bedrohung von Mitgliedern oder potenziellen Wählern der AfD schließen lassen.” [2]

Ein Blick in die Kommentarspalten rechter Gegenmedien zeichnet ein anderes Bild. Neben Nius [3] berichteten beispielsweise auch Apollo News [4], der Deutschland-Kurier [5] und die Junge Freiheit [6]. Unter ihren Artikeln und Posts finden sich viele Kommentare, die so oder ähnlich klingen:

  • “Wo bleibt der mediale Aufschrei und der ‘Kampf gegen links’?”

  • “Offensichtlich linker Terrorismus.”

  • “Da sieht man ganz deutlich, den extremistischen, linksradikalen FASCHISMUS […]”

Und ja: Die Zahlen weisen darauf hin, dass die Täter:innen überwiegend aus dem linken Spektrum kommen und die AfD am häufigsten angegriffen wird.

Vor zwei Wochen haben wir bereits gezeigt, dass nicht alle Angriffe auf AfD-Vertreter:innen so passieren, wie es die rechtsextreme Partei erzählt (Opens in a new window). Kurz darauf veröffentlichte auch der Volksverpetzer einen umfangreichen Artikel über “False Flag”-Lügen: “15 Fälle von ‘linken Angriffen auf die AfD’, die keine waren”. [7]

Was dabei auffällt: Sehr oft, wenn die AfD kampagnenartig ihre Deutung angeblich linker Angriffe durchsetzen will, bezieht sie sich auch auf aktuelle Zahlen aus den Kleinen Anfragen.

Werbung für uns

Unser Newsletter ist und bleibt kostenlos. Trotzdem steckt sehr viel Arbeit dahinter - das geht nur, weil uns tolle Menschen unterstützen. Wenn du das auch machen möchtest, werde Mitglied! Das geht schon ab 1,50 Euro / Ausgabe und sichert unsere Arbeit finanziell. Wir freuen uns über jede:n Unterstützer:in - werde jetzt Mitglied, dann kannst du den Newsletter auch als Podcast (beispielsweise via Spotify (Opens in a new window)) hören:)

Werbung Ende

Wir hatten beispielsweise über ein KI-Propagandavideo des AfD-Kreisverbands Breisgau-Hochschwarzwald berichtet, das einen angeblichen Angriff auf einen AfD-Politiker in Rosenheim aufgriff - nachdem längst bekannt war, dass der Vorfall wahrscheinlich ganz anders passiert war, als es die AfD erzählte. Der Vorfall war allerdings nur der Aufhänger für etwas Größeres:

“Das ist kein Zufall, das ist das Muster. Linke Gewalt gegen uns wird totgeschwiegen, während sie uns dauernd als Gefahr von rechts hinstellen. Die Zahlen schreien es raus. Im ersten Halbjahr 2025 allein 98 Gewaltdelikte gegen Parteivertreter, 68 davon gegen die AfD. Fast 70 Prozent. Mehr als gegen alle anderen Parteien zusammen. Und was passiert? Kein Aufschrei, kein Skandal in den Medien. Stattdessen labern sie von Parteiverbot.” [8]  

Ähnlich ist auch ein aktueller Beitrag von Apollo News aufgebaut. Darin heißt es, am Wochenende habe “ein Unbekannter eine Cola-Dose über einen AfD-Infostand in Berlin-Charlottenburg geschüttet und den Abgeordneten Marc Vallendar mit einem Faustschlag ins Gesicht geschlagen”. Vallendar wird dort wie folgt zitiert:

“Gewalttaten wie diese sollen die politische Willensbildung torpedieren. Dies wird nicht gelingen. Auch deshalb nicht, weil immer mehr Bürger durchschauen, welche Gefahr für unser Gemeinwesen von der radikalisierten politischen Linken ausgeht.” [9]

Der Artikel, der ausschließlich auf Aussagen der AfD beruht, wird anschließend mit den Zahlen aus der Kleinen Anfrage der AfD “statistisch” unterfüttert - als zusätzlicher Beleg für das behauptete Problem tätlicher Angriffe auf die AfD.

→ Das zeigt: Die Kleinen Anfragen der AfD dienen der Partei selbst, aber auch rechten Gegenmedien dazu, ihre Erzählung von der AfD als Opfer von Gewalt und Linken als Täter:innen zu legitimieren.

Nur: So wie Angriffe auf die AfD nicht immer das sind, als was die Partei sie darstellt, sind es auch die Statistiken nicht, die von der Bundesregierung herausgegeben werden. Ein genauer Blick in einzelne Fälle lohnt sich.

Warum die Zahlen nicht für sich sprechen

Die Zahlen der Bundesregierung erfassen angezeigte Fälle. Dafür reicht ein Anfangsverdacht. Auch wenn sich dieser später nicht erhärtet oder keine Täter:innen gefunden werden, bleibt der Fall in der Statistik vermerkt - und beruht nicht selten allein auf den Aussagen der mutmaßlich Geschädigten.

Stefan Niggemeier, der sich für Übermedien mit dem Thema auseinandergesetzt hat, gibt zu bedenken, dass bereits das Anzeigeverhalten die Statistik verzerren kann:

Wenn die Grünen sich vornehmen, verbale Angriffe nicht mehr zu tolerieren und Beleidigungen konsequenter zur Anzeige zu bringen, kann auch das zu einer deutlichen Zunahme dieser Delikte in der Statistik führen - umgekehrt bedeutet es nicht, dass die Zahl der Beleidigungen und Bedrohungen von Grünen-Politikern nicht tatsächlich zugenommen hat.” [10]

Niggemeier verweist zudem auf einen Spiegel-Artikel, in dem Politiker:innen anderer Parteien berichten, “längst nicht alle Fälle zu melden, weil das meist zu nichts führe” - während die AfD hingegen “prinzipiell alles melde”.

Wohin das führt, hat der Journalist Tobias Wilke auf X gezeigt. Wilke nennt sich dort “watchdog” und beschäftigt sich vor allem mit Statistiken und ihrer politischen Fehlinterpretation. In einem Thread zu den Kleinen Anfragen der AfD hat er mehrere Fälle herausgearbeitet, die Fragen aufwerfen [11]. Das ist immer dann möglich, wenn die Bundesregierung in ihren Antworten den “Sachverhalt” der mutmaßlichen Angriffe detailliert beschreibt - die Delikte.

Wilke verweist etwa auf einen Vorfall im April 2023, der in der Statistik als “gefährliche Körperverletzung” gegen die AfD auftaucht. Der beschriebene Sachverhalt lautet:

“Die Polizei erhielt Meldung von einer versuchten gefährlichen Körperverletzung zum Nachteil eines Bottroper Ratsherren der Partei AfD. Dieser gab an, er habe das Ladegeräusch einer Druckluftwaffe gehört. Kurz darauf habe es einen Knall gegeben und etwas sei am Kopf des GS [Geschädigten] vorbei geflogen um hinter diesem einzuschlagen. Es habe zwei weitere mutmaßliche Schüsse gegeben. Der GS habe keine Person oder Waffe sehen können. Auch kann der GS nicht mit Sicherheit sagen, dass es sich tatsächlich um eine Druckluftwaffe gehandelt habe. An der Tatörtlichkeit konnten bei einer Absuche durch die Beamten keine Projektile oder Einschlaglöcher aufgefunden werden. Der GS revidierte im Nachgang seine Aussage und war sich nicht sicher, wie die wahrgenommenen Geräusche einzuordnen sind. Der GS vermutet eher eine Airsoft-Waffe und sieht keine ‘Brisanz’.” [12]

Tatverdächtige: Keine.

Es gibt mehrere solcher Fälle, die im Kern allein auf Aussagen von AfD-Politiker:innen beruhen. Einige betreffen mutmaßliche Angriffe, nachdem diese sich selbst unter Gegendemonstrationen gemischt haben. So etwa am 7. Februar 2024 in Bamberg:

“Im Rahmen der Veranstaltung ‘Bamberg Stadt und Land gemeinsam für Toleranz’ erschienen der pressewirksam ausgeladene Angehörige der AfD, Herr MdL K. und lief hierbei auf die vor dem Veranstaltungsort abgehaltene Versammlung der ‘Omas gegen Rechts’ - ‘Brandmauer für Toleranz’ auf. Nach Erkennen durch die Versammlungsteilnehmer kam es zu lautstarken Unmutsäußerungen. MDL K. kam anschließend auf die vor Ort anwesende Polizei zu und teilte mit, dass er einen der Versammlungsteilnehmer wegen Nötigung (Schubsen/Schieben mit dem Körper/Zupfen am Schirm) und versuchter Körperverletzung anzeigen wolle.” [13] (Opens in a new window)

Auch hier lautet die Einordnung: Körperverletzung gegen die AfD. Tatverdächtige: keine. Dennoch wird der Phänomenbereich Links genannt - das ist die politische Richtung, aus der der Angriff gekommen ist.

Ähnlich wirkt ein Vorfall vom 19. Mai 2023 in Trier. Dort lief ein AfD-Mitglied laut Beschreibung “plötzlich auf ganz am Rand stehende Mitglieder der Gegenversammlung zu und versuchte sich zwischen diesen hindurch zu drücken, was ihm von diesen körperlich verwehrt wurde. Dadurch kam es zu einem kurzen Gerangel, das durch die umgehende Intervention von Einsatzkräften unterbunden werden konnte. Im Rahmen dieses Gerangels erlitt der GS ein Hämatom an der linken Wange, möglicherweise durch einen Schlag oder Stoß mit einer Fahne.” [14]

AfD, Polizei, Vorfeld: Was alles als Tat gegen die AfD zählt

In einem anderen Fall kam es am Rand einer Demonstration von “Querdenker-Aktivisten” zu einer nicht genehmigten Gegendemonstration. Ein “Querdenker” ging zur Gegendemonstration und hielt seine Handykamera “nahe an das Gesicht des TV [Tatverdächtigen]”. Dieser schlug die Handykamera weg und traf den GS “im Gesicht im Bereich des Mundes”. Verletzungen konnten nicht festgestellt werden. [15] Dennoch gilt der Vorgang als Körperverletzung gegen die AfD aus dem Phänomenbereich Links.

Und das ist längst nicht das einzige Beispiel, bei dem es fragwürdig ist, warum ein Vorfall die AfD als geschädigt ausweist. So wurden in mehreren Fällen mutmaßliche Angriffe auf Polizist:innen, die eine AfD-Versammlung schützten, als Angriffe gegen die AfD gezählt. Am 22. Januar 2022 kam es zu gleich drei Vorfällen, wahrscheinlich im Laufe derselben Gegendemonstration gegen eine AfD-Versammlung. Alle drei Vorfälle weisen die AfD als geschädigte Partei aus - obwohl sie zugleich als “tätliche Angriffe auf Vollzugsbeamte” gemeldet wurden. Einer der drei Vorfälle war dieser:

“Im Zuge eines Demonstrationsgeschehens und der Räumung einer Sitzblockade auf einer Straße wurde der BS vom Opfer (Polizeibeamter) zur Seite gedrängt. Der BS schlug erst mit den offenen Händen gegen die ausgestreckten Arme des Opfers und stieß ihn anschließend gegen die Brust.” [16]

Im August desselben Jahres ein weiteres Beispiel: Drei Polizist:innen beobachteten nach Dienstende eine unbekannte Person, die ein AfD-Wahlplakat abriss. “Sie hupten, um auf sich aufmerksam zu machen (und gaben sich als Polizisten zu erkennen).” Als sie die unbekannte Person ansprachen, wurden sie angespuckt. [17]

Einordnung: Körperverletzung gegen die AfD. Phänomenbereich: Links.

Ähnliches geschah offenbar auch am 11. Januar 2023 in Heidelberg. Dort sollte ein Gegenprotest aus dem “linksradikalen, antifaschistischen Lager aus Mannheim, Heidelberg und dem Rhein-Neckar-Kreis” zurückgedrängt werden, um eine Demonstration zu ermöglichen, an der eine AfD-Bundespolitikerin teilnahm. Die Beschreibung liest sich so, als sei eine Polizistin oder ein Polizist geschädigt worden - und das beim Versuch, einen Gegendemonstranten zu stoßen:

“Beim Versuch einen bislang männlichen UT [unbekannten Täter] von der Örtlichkeit zu drängen verletzte sich der Geschädigte im Bereich der linken Schulter leicht bei einem Stoß, welchen er gegen den UT ausführte, da dieser sich gegen das wegschieben stellte. Die Person des UT konnte bislang nicht festgestellt werden.” [18] (Opens in a new window)  

Körperverletzung. Geschädigt: die AfD.

Wenn die AfD von einem Versuch berichtet

Und dann gibt es noch Fälle, die zeigen, wie weit die Statistik den Begriff “Angriff” ausdehnen kann. So ging etwa dieser Vorfall vom 14. Februar 2024 in Augsburg sogar als gefährliche Körperverletzung gegen die AfD in die Statistik ein:  

“TV wirft einen kleinen Stein gegen das Rathaus, in welchem gerade der AfD-Neujahrsempfang abgehalten wird. Der Stein prallte von der Fassade wieder ab und streifte den Arm der GS. GS gibt an, durch den Stein nicht verletzt worden zu sein.” [19]

Auch am 24. April 2023 wurde in Landshut ein Fall von Körperverletzung gegen die AfD erfasst, der keinerlei versuchte Gewalt erkennen lässt:

“Die TV zerstörten Teile der Kundgebungsmittel der Versammlung ‘Stadler’. Dazu stürmten sie vermummt vor das Rathaus.” [20]

Ähnlich in Schechen im Februar 2022: Dort wurden ein Fall von gefährlicher Körperverletzung und ein Fall von Körperverletzung erfasst. Einmal versuchten Unbekannte “im Rahmen einer ‘Spontanversammlung’ gegen die AfD den örtlichen AfD-Politiker (GS) einen Schirm ins Gesicht zu hauen. Zu einer Verletzung kam es nicht.” Im zweiten Fall soll ein Tatverdächtiger während derselben “Spontandemo” versucht haben, den örtlichen AfD-Politiker zu schubsen. [21]

Was die Zahlen politisch so wirksam macht

Wir wollen an dieser Stelle nichts verharmlosen. Ja: Die Zahlen deuten darauf hin, dass viele der erfassten Taten dem linken Spektrum zugeordnet werden und die AfD in der Statistik am häufigsten als geschädigte Partei auftaucht. Gerade deshalb lohnt aber der genaue Blick auf die Statistik. Denn die Zahlen wirken besonders glaubwürdig, weil sie aus Antworten der Bundesregierung stammen - und das macht sie für die AfD politisch wertvoll.

Das Problem ist nicht, dass diese Zahlen existieren. Das Problem ist, was aus ihnen gemacht wird. Schon die Zuordnung zu den sogenannten Phänomenbereichen ist nicht immer eindeutig. In mehreren Fällen wird ein Vorfall dem Bereich “Links” zugerechnet, obwohl es keine Tatverdächtigen gibt oder aus der Beschreibung gar nicht klar hervorgeht, ob überhaupt ein politisches Motiv vorlag.

Dazu kommt: Wer konsequent jede körperliche Auseinandersetzung, jede behauptete Bedrohung und jeden unklaren Vorfall zur Anzeige bringt, kann die Statistik prägen. Regelmäßige Kleine Anfragen schaffen dann immer neue Anlässe, diese Zahlen über rechte Gegenmedien zu verbreiten.

So entsteht das gewünschte Bild: die AfD als verfolgt und bedroht, linke Gegner:innen als gewalttätig, Medien und Institutionen als blind oder vertuschend.

Dazu passt, was wir vor Kurzem gezeigt haben: Die AfD hat immer wieder “Attentate” erfunden, inszeniert oder tatsächliche Fälle von Gewalt übertrieben und politisch ausgeschlachtet. Die Statistik zu Angriffen auf Politiker:innen verstärkt solche Inszenierungen, weil sie sie plausibler und systematischer erscheinen lässt, als sie es bei genauer Prüfung sind.

Zusammengefasst: Die Statistiken der Bundesregierung sind kein neutraler Beweis für ein Bedrohungsszenario. Sie erfassen Anzeigen, Verdachtsfälle und sehr unterschiedliche Vorfälle - von unklaren Motiven über bloße Behauptungen bis hin zu Fällen, in denen nicht einmal eindeutig AfD-Vertreter:innen geschädigt wurden, sondern Polizist:innen, die AfD-Veranstaltungen schützten. Es ist möglich, dass die Polizist:innen in der AfD waren - dann wäre die Aggression aber nicht gegen sie als Vertreter:innen einer Partei gerichtet gewesen.

Genau diese Unschärfe macht die Zahlen politisch nützlich: Die AfD und rechte Gegenmedien können sie als scheinbar objektiven Beleg für “linke Gewalt” und politische Verfolgung ausgeben.

Wenn Medien solche Zahlen ohne Blick auf die Einzelfälle übernehmen, tragen sie dazu bei, ein rechtes Opfernarrativ zu stärken. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht nur, wie viele Fälle in der Statistik auftauchen, sondern auch, was dort überhaupt als Angriff auf die AfD gezählt wird. Zwischen “in der Statistik erfasst” und “so passiert, wie es die AfD darlegt”, liegt ein großer Unterschied.

Dialog

Aussage:

“Die Zahlen sind klar: Die AfD wird am meisten angegriffen.”

Gegenrede:

“Ja, auf den ersten Blick stimmt das. Aber es gibt ein paar Dinge, die man wissen sollte: In der Statistik tauchen vor allem angezeigte Verdachtsfälle auf, auch solche ohne geklärte Hintergründe und ohne Verdächtige. Die Verdachtsfälle beruhen alleine auf Aussagen der Geschädigten. Deshalb ist auch das Anzeigeverhalten entscheidend, also was Politiker:innen zur Anzeige bringen. Wenn eine Partei jeden Vorfall meldet und andere Parteien nicht, ist die Statistik nur bedingt aussagekräftig.”

Aussage:

“So viele Fälle können kein Zufall sein - linksextreme Gewalt eskaliert. Und die Medien verschweigen das.”

Gegenrede:

“Alleine aus hohen Fallzahlen lässt sich kein Muster ableiten, weil in die Statistik so unterschiedliche Vorfälle einfließen. Sie eignen sich deshalb nur bedingt dazu, sie politisch zu deuten. Aber genau das machen AfD und ihre Gegenmedien. Sie nehmen die Statistik als Beweis für politische Verfolgung und mediale Vertuschung. Nur, das geben die Zahlen absolut nicht her.”

Quellen
Werde Mitglied

0 comments

Would you like to be the first to write a comment?
Become a member of Wie Rechte reden and start the conversation.
Become a member