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Hi,
wie vergangene Woche versprochen, hier der Hörhinweis zum Übermedien-Podcast mit Maria. Hör’ gern mal rein, teile es und / oder lass’ deinen Kommentar bei Übermedien, hier oder auf der Podcast-Plattform deiner Wahl da:
https://uebermedien.de/110208/ich-hatte-erst-keine-argumente-gegen-die-afd/ (Opens in a new window)Wir freuen uns auch, wenn du Wie Rechte reden auf LinkedIn, Instagram oder Bluesky folgst! Jetzt aber schnell ins Thema gehüpft. Alles Liebe und bleib achtsam!

“Ahrens Erzählung ist meines Erachtens recht konsistent. Er labert keine Phrasen. ”
Das Zentrum für Politische Schönheit (ZfPS; ein Aktivist:innen- und Künstler.innenkollektiv, das zuletzt mit seinem lautstarken Protest gegen Alice Weidel beim Sommerinterview im Öffentlich-Rechtlichen in den Schlagzeilen stand) hat den ehemaligen extrem rechten Digitalstrategen Erik Ahrens interviewt [1].
Falls du Ahrens nicht kennst, kannst du am Ende des Newsletters eine kurze Infobox zu ihm lesen.
Das Gespräch ist über drei Stunden lang und hat auf Youtube mittlerweile knapp 70.000 Aufrufe. Ahrens gibt darin eine Innenperspektive auf das extrem rechte Lager, zeigt inhaltliche Widersprüche und spricht von personellen Kämpfen, die er als Sollbruchstellen und damit mögliche Strategien gegen den Rechtsruck identifiziert.
Trotzdem ist das Interview in etablierten Medien kaum auf Resonanz gestoßen. Das kann der Soziologe Felix Schilk nicht nachvollziehen. Er wundert sich, dass nicht mehr darüber geredet wird. Auf Bluesky hat er geschrieben, Ahrens haue in dem Interview “stärkere Takes raus als der Großteil des deutschen Feuilletons und des Politbetriebs”.
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Welche das sind, das wollten wir von Felix wissen, der sich schon lange mit der extremen Rechten beschäftigt. Im vergangenen Jahr ist etwa seine Promotion im transcript Verlag (digital als Open Access) erschienen: “Die Erzählgemeinschaft der Neuen Rechten”. [2]
Er hat zur Sozialpolitik [3] und zu den Krisennarrativen [4] der Neuen Rechten veröffentlicht und forscht gerade an rechter Immersion [5]: Ziel dieses Immersions-Projekts ist es, zu verstehen, wie Menschen mit “rechten Weltanschauungen oder Lebenswelten in Kontakt kommen und sich bewusst oder unbewusst involvieren lassen”.
Felix, wie lange verfolgst du Erik Ahrens’ Arbeit schon?
Er ist mir schon aufgefallen, als er noch ein ziemlich ideologisierter Nazi mit richtig absurden Takes über Rassentheorie war. Er ist irgendwie herausgestochen, weil er so kurios gewesen ist.
Dann kam die Tiktok-Geschichte mit Maximilian Krah [Erik Ahrens hat den Kanal von Krah verantwortet - Anm. der Red.]. Irgendwann habe ich auf Twitter gesehen, wie er sich sehr scharf und durchaus amüsant an Götz Kubitschek und Jürgen Elsässer abarbeitet. Mittlerweile greift er alle möglichen Rechten verbal an.
Findest du seinen Wandel vom Nazi zum Aussteiger glaubwürdig?
Ich hinterfrage das nicht groß; das ist aus der Ferne auch schwer zu beurteilen. Ich denke, er hat ein großes Sendungsbewusstsein, ist sicher nicht dumm und hat sich ernsthaft mit rechter Ideologie beschäftigt.
Es stimmt natürlich, dass er kaum emotionale Reue oder Demut zeigt, wie man es von “richtigen” Aussteigern erwarten würde. Im Interview mit dem ZfPS verlässt er zum Beispiel nie seine souveräne Sprecherrolle. Man könnte also kritisch einwenden, dass er hier eine weitere Story verkauft. Andererseits geht er rhetorisch schon sehr kritisch mit seinen früheren Taten und Positionen um und teilt gegenüber der rechten Szene sehr hart aus.
Der Weg dahin zurück ist ihm dadurch definitiv verbaut.
Es gibt da also auf jeden Fall Ambivalenzen. Ich würde ihn deshalb nicht als “Aussteiger” bezeichnen. Man merkt aber schon, dass er sich ernsthaft von der Ideologie distanziert.
Für dich überwiegt das Positive?
Ganz klar. Dazu kommt, dass das ZfPS in meinen Augen der richtige Akteur war, um Ahrens zu interviewen, weil es ohnehin gerne provokante Aktionen bringt und ungewöhnliche Ansätze ausprobiert. Ich hätte Bauchschmerzen, wenn das ein etablierteres Medium gemacht hätte.
Inhaltlich finde ich das Gespräch und Ahrens’ ungefilterte Perspektive auf innerrechte Konflikte interessant und ich kann bei vielen seiner Einschätzungen mitgehen.
Ich empfehle deshalb auch, es sich mal anzuhören, weil ich glaube, dass man viel lernen und Sollbruchstellen erkennen kann.
Vor allem Menschen mit einem diffusen “Gegen-rechts”-Bauchgefühl können hören, wie zersplittert die AfD ist, welche unterschiedlichen Charaktere es gibt, wie diese funktionieren und was sie wollen.
(Opens in a new window)Du hast geschrieben, dass Ahrens bessere Takes bringt als das politische Feuilleton. Welche sind das?
Er sagt zum Beispiel, Rechte seien unglückliche Menschen und bezeichnet die AfD als politisierte Depression. Das ist für mich eine produktive Perspektive, weil sie den Defätismus und den Nihilismus des Rechten herausarbeitet.
Sie zeigt, wie destruktiv rechtes Denken und Handeln ist. Und zwar nicht nur für Minderheiten und politische Gegner - sondern auch für die Rechten selbst. Ich denke, wir sollten dieses Argument in der Öffentlichkeit und in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung stärker machen. Vielleicht bringt es Rechte, die bereits erste Befremdungserfahrungen haben, zum Nachdenken.
Es gab eine Untersuchung, die gezeigt hat, dass AfD-Wähler:innen im Vergleich zu Wähler:innen anderer Parteien unzufriedener sind. [6]
Das ist eine Hauptthese der Sozialpsychologie. Die ist nicht neu und gut nachvollziehbar. Die AfD zeichnet ein finsteres Bild der Gegenwart, spricht über den nahenden Untergang und macht daraus ein destruktives Angebot: Sie bietet Sündenböcke, gegen die sie dann vorgehen will.
Gleichzeitig versucht die AfD doch aber auch positive Identitätsangebote zu machen: Sie inszeniert sich und ihre Anhänger:innen als wahre Demokrat:innen, als Stimme der Vernunft, als Partei der Wahrheit.
Das ist nur ein oberflächliches Selbstbild. Ich habe mich intensiv mit Verschwörungstheorien beschäftigt und mit Menschen gesprochen, die in diesem Bereich in der Bildungsarbeit und der Prävention tätig sind.
Ehemalige Betroffene, die dieses Denken aufgegeben haben, berichten oft davon, dass ihnen erst klar werden musste: “Das permanente destruktive Denken tut mir nicht gut. Ich will nicht mehr ständig Angst haben und misstrauisch sein, weil überall dunkle Mächte am Werk sind.” Und das sagt auch Erik Ahrens.
Rechtes Denken - so Ahrens - schafft und verstärkt Misstrauen. Viele Rechte wissen durchaus, dass ihnen dieses ständige Misstrauen schadet. Sie merken, dass sie schlechte Laune bekommen und aggressiv werden, wenn sie rechtspopulistische Medien konsumieren.
Dieser Aspekt wird in der öffentlichen Debatte viel zu wenig diskutiert. Das ist fatal, weil er eigentlich gute Handlungsmöglichkeiten eröffnet und man sich überlegen kann, wie man im sozialen Nahbereich damit arbeitet.
Welche Maßnahmen meinst du?
Ich glaube, der nachhaltigste Umgang mit dem Rechtsruck liegt darin, Menschen in pädagogischen Settings zu befähigen, produktiv mit Krisen umzugehen. Das ist aufwändig und muss im gesellschaftlichen “Kleinklein” geschehen. Es geht dabei um soziale Kompetenzen, um Resilienz.
Bislang wird vor allem versucht, das rechte Lager entweder in einer inhaltlichen Auseinandersetzung zu stellen oder relativ abstrakt seine Menschenverachtung herauszuarbeiten. Ich bin überzeugt, dass das nicht funktionieren kann, weil wir so überhaupt nicht an die wirkmächtigen psychologischen Mechanismen rankommen. Es geht nicht um politische Programmatik. Viele Menschen wählen die AfD wegen der Suggestion von Stärke und Kraft und weil sie die angeblichen Gründe für Probleme bietet.
Das ist Selbstermächtigung.
Genau. Viele Menschen haben Ohnmachtsgefühle.
Könnte man die auch mit guter Sozialpolitik, Bildungspolitik, und so weiter auflösen?
Nein. Es ist eine Illusion, Sachpolitik könnte das Problem mit dem Rechtsruck lösen.
Natürlich sollte man trotzdem für eine faire und inklusive Politik kämpfen. Aber ein nicht unbedeutender Teil der rechten Wählerschaft ist nicht abgehängt; er lebt nicht in prekären Verhältnissen. Woran es diesen Menschen fehlt, sind grundsätzliche Sozialkompetenzen und die Fähigkeit, konstruktiv zu kommunizieren und mit Krisen umzugehen.
Aber Anhänger:innen der AfD fühlen sich oft abgehängt, sie schätzen Krisen schlimmer ein, als sie sind, sie haben eine größere Angst davor, abzusteigen als Wähler:innen anderer Parteien.
Das stimmt. Aber eine gefühlte Angst kann man mit realer Sozialpolitik nicht auflösen, weil sie sich gar nicht an realen Verhältnissen orientiert und auch auf Verbesserungen kaum anspringen wird.
Und selbst wenn: Dann wird sich eben die nächste vermeintliche Krise gesucht und das gleiche Programm abgespult. Es ist eine Illusion, dass das irgendwann aufhören würde. Deshalb sind alle politischen Strategien, die denken, dass man “Probleme löst” und damit AfD-Wählende zurückgewinnt, in meinen Augen naiv.
Wie bewertest du Ahrens’ Radikalisierungs-Erklärung? Im Interview erzählt er, dass er nach einem Jahr rechtem Vollzeit-Aktivismus einen Burn-Out erlitten hat, was der Beginn seiner Radikalisierung war. Weil jedes Tabu, das er überschritten hat, einen emotionalen Durchbruch und Dopaminkick brachte. Und weil er, wie beim Drogenkonsum, eine immer stärkere Dosis brauchte, sind seine Tabubrüche krasser geworden. So habe er sich radikalisiert. Das Ende der Entwicklung: Er sei in immer stärkere Isolation geraten und habe sich “immer asozialer” verhalten.
Erstmal sind Depressionen und Burn-Out Gegenwartserfahrungen, die viele Menschen teilen. Nach der Covid-19-Pandemie zeigt sich eine Korrelation zwischen psychosozialer Belastung und stärkerer Zustimmung zu rechter Politik - insofern ist Ahrens’ Erzählung plausibel. Menschen empfinden das Angebot rechter Bewegungen oder Parteien besonders in Krisen als verlockend.
Es gibt viele Studien [7] [8], die zeigen, wie rechte Agitation gesellschaftliches Unbehagen und Krisenerfahrungen ausnutzt. Das beginnt damit, dass Krisen plausibilisiert werden, dass sie also anerkannt und groß gemacht werden. Dann geht es darum, Feindbilder zu schaffen und die rechte Bewegung als Lösung zu etablieren. Diese rechte Bewegung suggeriert Gemeinschaft, Stärke und Selbstwirksamkeit. Auch Ahrens sagt, er wollte Teil von “etwas Größerem” sein. Doch das Grundgefühl der Unzufriedenheit bleibt, was in eine Radikalisierungsspirale führt. Seine Drogen-Metapher beschreibt diesen Mechanismus sehr treffend.
Ahrens macht das an einer Stelle sehr plastisch: Er erklärt, dass er anfangs seiner rechten “Karriere” noch versuchte, seine Gegenüber mit besseren Argumenten zu überzeugen. Drei Jahre später habe er dann mit Gewaltdrohungen und manipulativen Taktiken gearbeitet, weil er damit schneller zum Ziel gekommen sei.
Wie gesagt, Ahrens Erzählung ist meines Erachtens recht konsistent. Er labert keine Phrasen. Auch wenn das nicht für alles gilt. Er bezeichnet an einer Stelle Neonazis als “asozial” und spricht über Gene und den niedrigen IQ von Götz Kubitschek. Das ist natürlich rechter Bullshit, den er da wiederkaut.
Genau hier knüpft auch Ahrens’ Kritik an den Medien an, dass sie zu oft den Faschismus in der AfD suchen würden.
Da hat er einen wichtigen Punkt. Viele Journalist:innen suchen immerzu Hitler in der AfD und ziehen Parallelen zum Nationalsozialismus. Es gibt diesen Fokus auf besonders skurrile Figuren wie Björn Höcke, über den man die gesamte AfD überführen will. Ein Welt-Journalist hat dazu gerade ein ganzes Buch geschrieben [9].
Versteh’ mich nicht falsch, natürlich ist Höcke gefährlich und natürlich gibt es bei ihm viele Bezüge zum NS. Daneben geht aber vieles verloren, was mindestens genauso gefährlich ist an der AfD. Und da stimme ich Ahrens zu.
Ich glaube nicht, dass das Problem an der AfD die überzeugten Nationalsozialisten sind.
Sondern?
Die Mehrheit der Deutschen und auch die meisten AfD-Wählenden wollen keinen zweiten Nationalsozialismus. Immer mehr wünschen sich aber ein autoritäres System.
Sie wollen harte Abschiebungen, sie wollen eine harte Law-and-Order-Politik, sie wollen arme und “schwache” Menschen drangsalieren. Und ich glaube, das ist das größte Problem: der Gegenwarts-Autoritarismus, den die AfD schleichend vorantreibt und der viel besser an die Programmatik von CDU und teilweise auch der SPD anknüpfen kann.
Wir müssen die kleineren Versatzstücke des Autoritarismus aufarbeiten und zeigen, wohin sie führen. Und nicht immer gleich das Verdikt “Nationalsozialismus” rausholen, das es allen politischen Akteuren, inklusive der CDU, sehr einfach macht, sich davon zu distanzieren. Das erklärt Ahrens auch differenziert: Ja, es gibt NS-Anhänger in der AfD, aber es gibt auch viele, die vor allem Opportunisten sind.
Ahrens stellt die AfD im Interview mit dem ZfPS sogar als Partei von Opportunist:innen dar. Wie findest du diese Einordnung?
Das sehe ich auch so. Und: Ich finde Opportunismus viel gefährlicher als Ideologie.
Weil der Opportunismus in der AfD so groß ist, dass er faschistische Ideologie toleriert?
Ja. In der öffentlichen Debatte wird Rechtsextremismus häufig auf Ideologie reduziert. Aber wir sollten Ideologie nicht überschätzen. Ich bin überzeugt, dass Ideologie oft erst rückwirkend entsteht und im Alltag gar nicht immer so präsent ist. Anders gesagt: Ideologie ist nicht immer die primäre Motivation für politisches Handeln, sondern eher eine spätere Rechtfertigung, warum man so gehandelt hat.
Viele rechtsextreme Akteuren sind keine dogmatischen Ideologen. Viktor Orbán ist es nicht, Donald Trump nicht, Jair Bolsonaro nicht, Putin nicht, und auch Hitler und Mussolini waren es nicht - sie haben sich Versatzstücke ihrer “Ideologie” opportunistisch so zusammengesucht, wie sie gerade zu ihrem rechten Projekt gepasst haben.
Wenn du dir das Herrschaftssystem der Nazis anschaust, dann siehst du ein Durcheinander von skurrilen Personen und abstrusen Ideen, das der aktuellen Trump-Administration gar nicht so unähnlich ist. Himmler hat seinen obskuren Arierkult betrieben, der junge Goebbels war Antikapitalist, Albert Speer sah den Nationalsozialismus als Möglichkeit, seine megalomanischen Projekte umzusetzen. Überzeugte Ideologen wie Gregor Strasser wurden von den Nazis liquidiert.
Entscheidender als die “richtige” Ideologie war auch bei den Nazis die Loyalität.
Es ist jetzt natürlich müßig, zwischen ideologischer Überzeugung und Opportunismus zu differenzieren. Oft hängt das zusammen und viele Opportunist:innen fangen irgendwann auch an, eine Ideologie zu leben. Das war im Stalinismus ganz ähnlich.
Warum ist der Hinweis zum dominanten Opportunismus in der AfD trotzdem wichtig?
Ich denke, er hilft dabei, Radikalisierungstendenzen von Bewegungen und Regimen zu verstehen. Das ist entscheidend bei der Analyse des heutigen Autoritarismus: Er wird zu großen Teilen von Opportunist:innen getragen, die sich einen persönlichen Gewinn versprechen.
Dieser Opportunismus erklärt auch, warum rechte Bewegungen trotz ideologischer Unterschiede wachsen: Sie eint nicht ein gemeinsames Weltbild, sondern das Streben nach Einfluss, Zugehörigkeit und Macht. Diese Dynamik erzeugt aber zwangsläufig innere Spannungen.
Gutes Stichwort, denn genau an diesen inneren Spannungen setzt Ahrens mit einem Vorschlag an: Er will mehrere Leute aus der AfD mit unterschiedlichen Positionen und Strategien einladen und ihre Widersprüche aufzeigen.
Das rechte Lager ist ein “gäriger Haufen”, wie Alexander Gauland einmal gesagt hat. Es gibt dort sehr viele Spannungen und Widersprüche. Missgunst und Intrigen werden durch den Opportunismus begünstigt. In der Außenkommunikation arbeiten viele Akteure mit kalkulierter Ambivalenz: Die einen brechen Tabus, die anderen relativieren sie wieder. So erreicht die AfD unterschiedliche Zielgruppen und verschiebt sukzessive die Grenzen des Denk- und Sagbaren.
Ahrens schlägt vor, diese Gegensätze öffentlich austragen zu lassen. Das halte ich für sinnvoll, weil es bisher kaum geschieht. Rechte Funktionäre müssen sich selten klar positionieren, selbst bei verbotsrelevanten Themen wie “Remigration” oder der Abwertung sogenannter “Passdeutscher”. Nur: Viele Journalist:innen und Politiker:innen sind dazu offenbar nicht in der Lage, weil sie fälschlicherweise denken, sie wären cleverer als die AfD. Dabei sind AfDler rhetorisch oft geschickt und nutzen Interviews und Gespräche als Bühne. Das müsste man eigentlich konsequent unterbinden und viel öfter auf eine klare Positionierung zu “Ja” oder “Nein” drängen.
Damit könnte man die AfD vor sich hertreiben, weil sie mit klaren Antworten einen Teil ihrer Basis enttäuschen würde: “Gehören für Sie alle Menschen mit deutscher Staatsbürgerschaft zum deutschen Volk? Ja oder Nein?”; “Ist Diskriminierung für Sie problematisch? Ja oder Nein?”; “War der Nationalsozialismus eine verbrecherische Diktatur? Ja oder Nein?”; “Finden Sie, dass Putin ein Kriegsverbrecher ist? Ja oder Nein?”.
🎥 Erik Ahrens wurde vor allem bekannt, weil er die Tiktok-Präsenz von Maximilian Krah aufgebaut hat. [10] Zu den Möglichkeiten von Tiktok hat er in einem (mittlerweile gelöschten) Vortrag auf der Sommerakademie des (mittlerweile umbenannten) “Instituts für Staatspolitik” gesagt, die Plattform gebe ihm “täglich ein Fenster von 90 Minuten”, um in die Gehirne der Jugendlichen “reinzusenden”. [11]
👩🏼🦱 Ahrens war außerdem für die “Tiktok-Guerilla” [12] verantwortlich, die AfD-Videos durch die Manipulation von Algorithmen gepusht hat, und er wollte Tiktok-Videos mit tanzenden Frauen fälschen, um einen AfD-Social-Media-Trend in die Welt zu setzen. Ahrens sagt heute, er war überzeugter Nazi und hing der Rassenlehre an. Er wollte Frauen zur Abgabe von Eizellen verpflichten, “um die Demografie” zu stabilisieren, [13] und Deutschlands nächster Führer werden, indem er eine rechtsextreme Elite nach Vorbild der SS aufbaut. [14]
⛈️ Dann kam es offenbar zum Bruch. Anfang 2025 stritt sich Ahrens öffentlich mit Götz Kubitschek [15] und attackierte Maximilian Krah. Zuerst rief er noch dazu auf, demokratische Parteien zu infiltrieren, um sie nach rechts zu verschieben. Während der Verhandlung über das Verbot von “Compact” forderte er öffentlich, dass Elsässers Medienunternehmen zerschlagen werden müsse. Dann kündigte er an, die Seiten zu wechseln und auszusteigen.
📝 Im September versicherte Ahrens gegenüber “Correctiv” eidesstaatlich, dass beim sogenannten “Geheimtreffen” in Potsdam die “Remigration” deutscher “nicht-assimilierter” Staatsbürger:innen besprochen wurde. Ahrens war selbst beim Treffen in Potsdam dabei und ist jetzt sozusagen ein anti-rechter Kronzeuge. [16]
🎤 Anfang Oktober folgte dann das Interview mit dem ZfPS, in dem Ahrens als Aussteiger präsentiert wird.
[1] (Opens in a new window) https://www.youtube.com/watch?v=1dHYrVZbhX0 (Opens in a new window)
[2] (Opens in a new window) https://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-7471-2/die-erzaehlgemeinschaft-der-neuen-rechten/?c=313000000 (Opens in a new window)
[3] (Opens in a new window) https://www.boeckler.de/fpdf/HBS-009038/p_fofoe_WP_362_2025.pdf (Opens in a new window)
[4] (Opens in a new window) https://link.springer.com/article/10.1007/s10767-025-09519-3 (Opens in a new window)
[5] (Opens in a new window) https://uni-tuebingen.de/fakultaeten/philosophische-fakultaet/fachbereiche/philosophie-rhetorik-medien/institut-fuer-medienwissenschaft/institut/lehrstuehle/lehrstuhl-fuer-transformationen-der-medienkultur/rechte-immersion-und-engagierte-oeffentlichkeiten/ (Opens in a new window)
[6] (Opens in a new window) https://www.wzb.eu/de/pressemitteilung/afd-waehlen-macht-ungluecklich (Opens in a new window)
[7] (Opens in a new window) https://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-6292-4/kritische-theorie-der-extremen-rechten/ (Opens in a new window)
[8] (Opens in a new window) https://www.suhrkamp.de/buch/leo-loewenthal-falsche-propheten-t-9783518587621 (Opens in a new window)
[9] (Opens in a new window) https://www.herder.de/geschichte-politik/shop/p4/92060-hoecke-klappenbroschur/ (Opens in a new window)
[10] (Opens in a new window) https://www.belltower.news/voelkische-vetternwirtschaft-wer-steckt-hinter-der-tiktok-strategie-der-afd-155629/ (Opens in a new window)
[11] (Opens in a new window) https://steady.page/de/wie-rechte-reden/posts/48781510-f12f-4ae1-adc0-1667d47bcded (Opens in a new window)
[12] (Opens in a new window) https://correctiv.org/faktencheck/hintergrund/2024/08/22/rechte-propaganda-afd-werbung-von-tiktok-guerilla-shlomo-finkelstein-angerverse/ (Opens in a new window)
[13] (Opens in a new window) https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_100328336/afd-naher-aktivist-forderte-zwangsabgabe-von-eizellen-verpflichten-.html (Opens in a new window)
[14] (Opens in a new window) https://www.derstandard.at/story/3000000240766/hitlers-ss-als-vorbild-undercover-videos-enthuellen-plaene-von-ex-afd-einfluesterer (Opens in a new window)
[15] (Opens in a new window) https://www.tagesspiegel.de/politik/erik-ahrens-droht-gotz-kubitschek-wenn-sich-rechtsextreme-strippenzieher-zoffen-13148611.html (Opens in a new window)
[16] (Opens in a new window) https://correctiv.org/aktuelles/neue-rechte/2025/09/10/geheimplan-potsdam-remigration-staatsbuerger-teilnehmer-erik-ahrens/ (Opens in a new window)