Das ist mein letzter Post.
Vor Ostern, haha!
Schon ist das erste Viertel dieses Jahres um. Ich merke es am Brennholzstapel, der seinem Ende entgegengeht (und den ich angesichts der horrenden Heizölpreise stark dezimiert habe).
Auch meine Fastenzeit (Social Media und Süßigkeiten) ist fast vorüber.
Ich erzähle euch heute nicht von großen Offenbarungen, von neuer Klarheit und Energie. Denn diese hielten sich in Grenzen. Vielleicht, weil ich mit den Effekten schon zu gut vertraut bin. Die erste Woche plagten mich Entzugserscheinungen. Ich stand abends des Öfteren mit leerem Blick vor dem Naschschrank und wusste nicht, welchen Sinn mein Leben noch macht.
Die Hand wollte reflexhaft zum Handy greifen. Wer bin ich, wenn ich nicht oder nur eingeschränkt im digitalen Raum stattfinde? Doch nur die alte Veronika, die sich fragt, warum sie Jahre ihres Lebens an Katzenreels und an das Stalken von Ex-Freunden aus den 90er Jahren vergeudet hat. Meine Aufregung um radikale Christ-Fluencer nicht mitgerechnet (das würde meine Bilanz sprengen).
Der Sog des kleinen Bildschirms, die Empörungsmaschinerie verloren Tag für Tag ihre verhängnisvolle Anziehungskraft. Nach sechs Wochen ohne stelle ich mal wieder fest: Unsere Welt und ihre Problematiken lassen sich nicht in 150 Zeichen oder 30-sekündige Reels packen. In dieser Zeit habe ich wieder mehr gelesen: Blogposts, Bücher, Artikel. Unsere komplexen Themen brauchen Aufmerksamkeit, Expertise und Zeit. Das alles finden wir nicht in den hektischen kleinen Rechtecken.
Nach dem kalten Entzug vermisse ich nichts mehr. Und das ist vielleicht doch eine kleine Offenbarung, nicht wahr? Wie wenig ich eigentlich brauche, um in den kleinen Winkeln des Alltags Freude zu finden.
Und darum geht es heute: Das Gute, Schöne, Leichte ins Licht holen. Neben all dem Schweren, das wir spüren, versteckt sich ja auch oft Freude. Wenn ich morgens in der S-Bahn zur Arbeit fahre, beobachte ich das an meine Mitreisenden. Fast jede Nase klebt am Handy, die ersten Katastrophenmeldungen des Tages konsumierend. Und vor dem Fenster geht die Sonne auf, die weißgefederten Schlehenbüsche fliegen vorbei, ein Graureiher baut sein Nest, auf einer Mauer steht in gesprühten Farben: Kindness makes you beautiful.
Hier sind die guten, schönen, leichten Dinge der letzten Tage:
Dieser Post (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Christina.
Das erhebende Gefühl nach zwei Getting-Shit-Done-Tagen (Wäsche gebügelt, Haus geputzt, Steuererklärung und Ablage teilweise erledigt, Email-Eingang aufgeräumt, Rentenerklärung abgegeben)
Neue Funde im Second-Hand-Laden (Eine Trainingshose mit Handytaschen, zwei T-Shirts, ein Blazer.)
(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Mein Pflanzen-Kindergarten, nach dem ich stündlich schaue.
Unser Pubquiz, welches wir letzte Woche im Gemeindehaus durchführten und welches gut besucht war.
(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Dieser neue Hausbewohner, den ich aus Stoffresten angefertigt habe.
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Die Planung einer Ruanda- und Englandreise. Die Vorfreude steigt – im Mai geht’s los!
Ich wollte schon so lange ein Windspiel für den Garten. Diese alten Schlüssel haben einen neuen Lebenszweck gefunden….und sie klingen wunderschön.
(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Mein Training, das ich nach langer Rekonvaleszenz wieder aufgenommen habe.
Ein Brotjob, in dem ich mich nach wie vor wohlfühle.
Diese Bücher, die mich in letzter Zeit begleitet haben.
(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Dieses neue Strickprojekt? (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Eine Lesung, die ich mit meiner Tochter besucht habe.
Tulpen in der Küche.
(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Dieser Auszug aus „In the Low“ von Scott Erickson und Justin McRoberts:
I do not need an immediate cure.
I need to believe
that wholeness and wellness
and clarity and peace are possible.
Grant me
not a momentary glimpse
but an enduring vision
for newness.
Und dieser Satz aus „Stolen Focus“ von Johann Hari:
I like the person I become when I read a lot of books.
I dislike the person I become when I spend a lot of time on social media
Blumen überall.
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(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Und hier, dieser kleine Ort. Eure Unterstützung, die mir so viel bedeutet. Diese kleine Community, die hier Woche um Woche, Jahr um Jahr zusammenkommt. Still, treu, loyal. Danke. Ihr seid Segen!
Welche Freudenmomente verstecken sich in deinem Leben? Schreib es gerne in die Kommentare.
(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Hier ein Ostersegen für dich:
Du machst die Augen auf.
Der neue Tag prasselt auf dich nieder wie ein Wolkenbruch.
Die Angst um einen Menschen.
Eine dornig gewordene Beziehung.
Eine Diagnose.
Ungelöste Aufgaben.
Eine Aufgabenlawine.
Dann sitzt du beim ersten Kaffee.
Über die Worte Jesu nachdenkend:
„Meine Last ist leicht.“
Und du lachst
wie ein Verhungernder,
dem man sagt:
Streng dich mehr an.
Du schleppst deine Last durch den Tag.
Wie einen Holzbalken, der auf deinen Schultern lastet.
Deshalb schmerzen sie am Abend so sehr.
Du schreibst die Dinge auf,
die du vor Ostern erledigen wolltest.
Mit schlechtem Gewissen,
weil du dich selbst auf Ostern nicht vorbereitet hast.
Mein Liebes,
an Ostern hat jemand
einen Holzbalken getragen,
der in die Schultern schnitt.
Heiße Angst im Nacken.
Blei an den Füßen.
Nägel aus Hass.
Damit wir wieder Mensch sein können.
Damit die Schwere nicht das letzte Wort hat.
Kennst du das Gefühl,
wenn du jemandem begegnest,
in dessen Gegenwart
du leichter atmen kannst?
Weil dieser Jemand
der sicherste Ort ist,
den du je erlebt hast?
Weil hier soziale und religiöse
Vorschriften
außer Kraft gesetzt werden?
Mein Liebes,
mögest du morgen aufwachen
mit einem neuen Wissen,
dass du schon an diesem Ort bist.
Möge die Passions- und Osterzeit
Auf dich niederprasseln mit einem Wolkenbruch
neuer Leichtigkeit
und Hoffnung
und starken Schultern,
die dich mittragen.