Der Newsletter aus der Wort & Klang Küche - heute mal nur von Sascha Verlan
Ausgabe 6/2026
Bei Lindemann, Epstein, Trump und Pelicot, bei den Jugendgedichten von Wolfram Weimer mag es noch leicht gefallen sein, sich emotional zu distanzieren, #notallmen, so bin ich doch nicht, die andern sind’s! Aber der Christian jetzt (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), der war doch gerade noch einer von uns, von den Netten, "der Typ Mann", wie er selbst tatsächlich einmal sagte, "den sich der Feminismus immer gewünscht hat." Ach ja?! WTF?! Und wieviel Christian steckt in mir, in uns, in dir?
Ja, es ist wichtig, dass wir Männer auf Social Media gegen #notallmen und für #alwaysaman posten. Ich finde, dass ich mich dazu positionieren MUSS, denn nichts zu sagen, bedeutet stille Zustimmung. Es ist wichtig, dass wir uns öffentlich positionieren, wenn es um Sexismus, männliche Gewalt und strukturelle Benachteiligungen geht. Aber noch viel wichtiger ist, was wir tun, jeden einzelnen Tag – oder eben unterlassen.
Es reicht nicht, den Müll rauszubringen, den TÜV und Finanzkram zu übernehmen, und das dann "mithelfen" zu nennen. Es reicht nicht, sich als "guter Kerl" zu feiern (und Anspruch zu erheben, gefeiert zu werden), nur weil mann nicht selbst verge**tigt oder beleidigt. Verantwortung übernehmen heißt: den Mund aufzumachen, wenn die Jungsrunde wieder mal "nur einen Witz" über Frauen macht – und zwar nicht erst dann, wenn eine Frau (oder ein Kind) danebensteht, sondern wann immer es möglich ist! Und es heißt, Care-Arbeit nicht als Gefallen, sondern als selbstverständlichen Teil des Lebens, als ureigene Aufgabe zu begreifen. Es heißt aber vor allem, den eigenen Söhnen, Neffen, Freunden zu zeigen, dass Männlichkeit nicht aus Dominanz, Abgrenzung und emotionaler Kälte besteht, sondern aus Fürsorge, Empathie und echter Verbundenheit.
Dieses enge, toxische Rollenbild, das Väter ihren Söhnen mehrheitlich weiterreichen, das Jungen gesamtgesellschaftlich von klein auf eingeimpft wird durch Filme, Bücher und Musik, durch Computerspiele, Werbebotschaften, und im alltäglichen Boys-will-be-Boys, das ihnen sagt, sie dürften keine Tränen zeigen, keine Freundinnenschaften mit Mädchen pflegen, keine Verantwortung für Haushalt oder Kinder übernehmen: das ist kein Naturgesetz! Es ist gemacht! Und das heißt, es kann verändert werden. Von Männern. Jeden Tag!

Erst wenn wir aufhören, unsere Söhne zu entschuldigen für übergriffiges Verhalten, erst wenn wir unsere Söhne zu empatischen, fürsorglichen, zugewandten und einfühlungsvermögenden Männern erziehen, müssen wir unsere Töchter nicht mehr vor ihnen warnen, sie beschützen und uns Sorgen machen um ihre Freiheit, Selbstbestimmung und Unversehrtheit.
Also: Ja, postet. Vor allem aber: Handelt, immer! Tikkun ha olam - wegen des allgemeinen Wohles: Lasst uns die Welt zu einem besseren Ort machen, gemeinsam!
Grüße & Glück
Sascha
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