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“Ich vergleiche meine Kinder miteinander”

Bild: Leni Moretti

Hier auf Steady teile ich anonymisiert einige eurer langen E-Mails und meine ausführlichen, einfühlsamen und gleichzeitig pragmatischen Antworten. Ich bin kein Coach und keine Psychotherapeutin und würde euch bei entsprechenden Fragen bitten, Fachpersonal zu konsultieren. Wenn es bei euch im Alltag an kleinen Dingen hakt und ihr gern meine Einschätzung hättet, schreibt mir gern an anna [punkt] brachetti [at] posteo [punkt| de.

Hallo Anna,

Ich hatte leider keine so schöne Kindheit, unter anderem mit Gewalterlebnissen, ob psychisch oder physischer Art. Ich habe vieles schon aufgearbeitet und auch verziehen. Als Folge dessen litt ich allerdings jahrelang unter depressive Phasen und auch Angststörungen. Es geht mir von Jahr zu Jahr immer besser. Dennoch gibt es ein Thema, was mich extrem belastet. Dadurch, dass ich mich so viel mit diesen Themen (inneres Kind, Traumata, kindl Entwicklung) beschäftigt habe, eben um meine eigenen Wunden zu heilen, weiß ich mittlerweile auch schon ziemlich gut bescheid, was Fehler in der Kindheit für Auswirkungen aufs später Leben haben können. Ich habe 2 Kinder. Meine ältere Tochter ist mittlerweile 7 Jahre alt, der Jüngste ist 3 Jahre. Ich habe viele Sachen glaube ich sehr richtig gemacht. Ich habe immer versucht auf die Bedürfnisse so gut es geht einzugehen, wir reden viel über Gefühle und haben allgemein ein sehr harmonisches Miteinander zu Hause.

Dennoch gibt es einige Punkte, vor allem in Bezug auf meine ältere Tochter, die ich heute anders gemacht hätte. Sie ist ein sehr sensibles Kind und wir haben sie damals mit 1 1/2 Jahren in eine Kita eingewöhnt, obwohl ich das Gefühl hatte, dass es für sie noch zu früh ist. Leider hat es finanziell bei uns nicht anders hingehauen, so dass wir sie zumindest vormittags betreuen lassen mussten. Die Kita war im Nachhinein auch nicht so toll vom Umgang mit den Kindern (wenig liebevoll).

Auch die Entthronung lief nicht so ideal. Sie hat auch bestimmte Phasen sehr heftig durchgemacht (wie Autonomiephase und Vorschule-Pubertät), wodurch es schon per se schwieriger war ruhig und besonnen zu reagieren. Und dann sind da natürlich auch noch die ganzen kleinen Alltagsfehler, die man eben macht.

Wenn ich das ganze jetzt mit unserem Zweitgeborenen vergleiche, dann wächst er fast bilderbuchmäßig auf. Zunächst mal, bin ich entspannter, weil ich bestimmte Dinge in meinem Leben schon aufgeräumt habe, dann habe ich natürlich auch mehr Wissen (ich lese viel), weiß welche Art von Mutter ich sein will, reagiere in den meisten Situationen sehr gelassen. Finanziell sind wir auch nicht mehr so auf mein Gehalt angewiesen, so dass wir ihn in eine sehr liebevolle Kita eingewöhnen könnten, zu dem Zeitpunkt, als wir gemerkt haben, dass er bereit dafür ist. Er ist auch vom Temperament sehr umgänglich und schwierige Phasen lassen sich schnell und einfach lösen.

Kurzum: mich überkommt häufig das schlechte Gewissen, wenn ich beide Kinder miteinander vergleiche, meinem Sohn bessere Voraussetzungen mitgegeben zu haben, als meiner Tochter. Auch frage ich mich, ob meine Tochter bei gewissen Punkten nicht schon eine Prägung wegbekommen hat. Ich weiß halt auch, wie schnell es dazu kommen kann. Zum Beispiel wurde ich als Kind mal während ich geschlafen habe in ein Hotelzimmer eingeschlossen, bin aber dann aufgewacht und konnte nicht raus & bin panisch geworden, was dazu führte dass ich jahrelang bei engen Räumen, wie Aufzügen, Schwierigkeiten mit Ängsten hatte. Meine Tochter hat sie beispielsweise auch mal für kurze Zeit aus Versehen im Innenhof eingesperrt (weil sie statt aus der Haustür in den Innenhof gelaufen ist, wofür man dann einen Schlüssel braucht um wieder raus zu kommen).

Ich weiß, dass ich grundsätzlich immer mein bestes getan habe, aber manchmal komme ich aus diesen Grübelein kaum heraus. Ich fühle mich verantwortlich dafür, wenn sie im späteren Leben mal psychische Probleme entwickeln. Auch weiß ich, wie schwierig es ist mit psychischen Problemen zu leben und wie lange es dauert da raus zu kommen, so dass ich diese Erfahrung Ihnen gerne ersparen will. Dadurch setze ich mich aber auch unter einem erheblichen Druck und habe Schwierigkeiten los zu lassen und alte Sachen, die nicht ideal gelaufen sind mir selbst zu verzeihen.

Hast du eine Idee, wie es mir leichter fällt das besser anzunehmen und auch abzuschließen? Wie hast du das geschafft?

Liebe Grüße und danke,
Sura*

Sujet mentale Gesundheit

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