Eigentlich hatte ich erst immer von „Zeichenroutine“ geschrieben, bin damit allerdings nicht warm geworden. 🤣 Denn wenn ich gefühlt eines nicht habe, dann ist es eine feste Routine. Klar, mein Mini-Kreativplan hilft etwas, aber routiniert fühlt sich das alles irgendwie nicht an. „Zeichenprozess“ fühlt sich da deutlich besser und wahrheitsgemäßer an.
Heute darfst du also einmal Mäuschen spielen an meiner „Bliss Station“, in meinen Dateien und bei meinen Materialien. Viel Spaß auf dieser kleinen unerwartet großen Tour!
Bliss bitte was?
Den Begriff „Bliss Station“ habe ich bereits öfter verwendet, wie dir vielleicht schon aufgefallen ist. Ich habe ihn von Austin Kleon übernommen, weil er sehr viel schöner klingt als „Arbeitsplatz“ oder so. Schließlich ist Kreativität in erster Linie einfach etwas Schönes, das glücklich machen soll.
So sieht meine Bliss Station aus:

Mein Büro ist quasi zweigeteilt: mein Schreibtisch mit Desktop- und Arbeits-PC und eben meine kreative Seite (im wahrsten Sinne). Der Arbeitsbereich ist auf dem Foto direkt hinter mir.
Meine Bliss Station besteht aus einem elektrisch höhenverstellbaren Schreibtisch und ganz viel „Krempel“ für alles, was mir so in den Kopf kommt: mobiler Monitor fürs iPad, Ringlicht, Cricut Maker 3 Schneideplotter, Schneidematte, iPad mit Tastatur, Schubfächer für Material, lustige Tassen für alle möglichen Stifte und natürlich Bücherregale! 🥰 Kaffee darf selbstverständlich ebenfalls nie fehlen!
Das schwarze Regal ist ausschließlich mit Pen-and-Paper-Literatur und Ausrüstung gefüllt, darunter viele Belegexemplare aus meiner Zeit als Lektorin bei Ulisses Spiele. Über dem Schreibtisch hängt eine von mir gezeichnete Leinwand mit den Spieler:innen der DSA-Gruppe, die ich leite. ❤️🔥
Das weiße Regal hat noch viele Lücken, denn ich kaufe tatsächlich nur Bücher, wenn ich gerade die Zeit zum Lesen habe (LBM 2025 war eine Ausnahme). Diese Zeit ist sehr begrenzt, daher gibt es noch Leerstand für viele schöne Geschichten.
Mein Walking Pad unten auf dem Boden gehört nicht unbedingt dazu, das liegt da nur aus Platzgründen. 🤣
Ich achte penibel darauf, dass ich an diesem Schreibtisch wirklich nur angenehme, kreative Dinge tue. Das hilft mir sehr beim Umschalten nach dem Alltag. Mein Kopf braucht dieses Signal, dass nun geträumt werden darf. 🥰 Hier entstehen Zeichnungen, sofern ich nicht im Stream oder auf der Couch zeichne, ich stelle Lesezeichen her und schreibe zum Beispiel gerade diesen Artikel.
Für Illustration habe ich mir feste Tage eingeplant, was bisher gut funktioniert. Bei den Uhrzeiten bin ich allerdings flexibel, das geht im Alltag schlicht nicht anders bei mir. Meist passt es zwischen Arbeit und Kita oder an den Abenden, wenn ich die Kleine im Bett ist. Je nach Motiv kann ich gemeinsam mit ihr auf der Couch zeichnen, aktuell mache ich das allerdings nicht. 😂
Set-up
Ich zeichne ausschließlich digital, darum hält sich mein Set-up ziemlich in Grenzen: Es besteht aus einem iPad Pro 12,9“ mit einer Schutzfolie mit Papierfeeling und dem Apple Pen 2. Generation. Vor kurzem habe ich mir außerdem eine Origami-Hülle für das iPad geholt, um mehr Variationen beim Abstellen zu bekommen.
Trotzdem besitze ich viele unterschiedliche Skizzenbücher und Stifte, die ich viel zu wenig bis nie benutze. 🥺


Ich hatte bisher eine simple Plastikablage von IKEA, die mir allerdings zu niedrig war. Jetzt sitze ich zwar immer noch wie der Glöckner von Notre-Dame über dem iPad, aber es ist bequemer. 😂 Beim Streamen sinke ich ebenfalls nicht mehr so sehr zusammen, sodass die Zuschauer:innen wenigstens etwas mehr sehen als meinen viel zu lange nicht nachgefärbten Haaransatz.
Zu der Hülle habe ich eine ausführlichere Rezension geplant, weiß allerdings noch nicht, ob und wann ich die unterbringe.
Damit es beim Zeichnen ordentlich flutscht, verwende ich einen Screen Cleaner, der speziell für Schutzfolien geeignet ist. Es kommt durchaus vor, dass die Folie durch den Gebrauch verschmutzt, sodass der Stift nicht mehr schön gleitet, sondern über das Material kratzt. Ein wenig, als hätte ich Sand unter der Spitze … nicht schön. 🫣

Einmal die Woche – meist vor dem wöchentlichen Stream – wird gründlich gesprüht, gewischt und poliert. ✨ Der Cleaner macht tolle Arbeit, ich bin sehr zufrieden damit! Die Formel ist übrigens vollkommen natürlich, ohne Chemikalien und geruchlos.
Damit meine Patschepfoten nicht direkt auf der schönen, frisch geputzt Oberfläche langschmieren, wird ein spezieller Zeichenhandschuh angezogen:

Diese Handschuhe gibt es in allen möglichen Größen, Formen und Qualitäten. Ich bin bin meinen schlanken Händen leider etwas aufgeschmissen und musste lange suchen, bis mir einer wirklich passte. Dieser hier in Größe S von Paperlike passt gerade so, ohne dass er rumschlabbert. Zum Glück habe ich immerhin lange Finger. Mein Exemplar hat an der Auflagefläche sogar eine Mikrofaserschicht, um beim Zeichnen das Display zu putzen … na ja. So stark drücke ich nun wirklich nicht auf, dass das etwas bringen würde, aber wenn ich tatsächlich mal abwischen möchte, klappt das recht gut. Trotzdem ist Paperlike nicht gerade eine günstige Marke. Qualitativ lohnen sich die Produkte dennoch (meine Meinung).
Ansonsten setze ich im Hinblick auf Zubehör für mein iPad auf ESR. Ich habe meine Displayfolie, Tastatur und zwei Schutzhüllen von der Firma, alles super hochwertig. Nur leider führen sie eben keine Origami-Hülle. 🥺
Auf das Canvas, fertig, los?
Nicht ganz! Erst mal muss ich vorbereiten, denn ich gestehe, ich gehöre nicht zu diesen von der Muse geküssten Künstler:innen, die mal eben ein Meisterwerk aus dem Ärmel schütteln (tun übrigens die Wenigsten, surprise!).

Apps, die ich nur kurz oder nicht regelmäßig nutze, habe ich in einen Ordner auf meinem Homescreen verfrachtet. Die Kamera vom iPad verwende ich eigentlich nie. In MagicPoser erstelle ich mir grobe 3D-Modelle für die aktuelle Illustration, wie du hin und wieder in meinen Zeitraffer-Videos sehen kannst.

Affinity Designer 2 entspricht Adobe InDesign und hält für Drucksachen oder Layouts her, Design Space erstellt Dateien für den Plotter und Procreate Dreams ist ein Animationsprogramm. Damit habe ich mich bisher leider noch nicht weiter befassen können, aber Haben beruhigt. 😉
Zu 99 % arbeite ich in Procreate, das jederzeit in meinem Schnellzugriff parat liegt. Einen Screenshot habe ich davon nun nicht extra gemacht. Wohl aber vom Inneren der App!

So sieht Procreate bei mir nach dem Öffnen aus: Alle meine Werke habe ich in Galerien sortiert. Jeweils zum Jahresende wird der vorletzte Jahrgang gesichert, nur der vergangene bleibt noch drin. Die anderen Galerien werden ebenfalls gesichert, teilweise aber einfach fortlaufend befüllt. Das hängt etwas von der Größe und vom Thema ab. DSA zum Beispiel ist immer relevant, inkl. älterer Werke, und bleibt daher komplett auf dem iPad.

2026 sieht aktuell so aus. Jedes Werk bekommt einen Namen (was bei mir schon eine Leistung ist …), darunter steht die Leinwandgröße. Aufgrund der Hardware des iPads zeichne ich aktuell nicht größer als A4, der Druck ist jedoch auf größen Formaten ebenfalls möglich. Trotzdem schmiert mir die App inzwischen regelmäßig ab. 🫣 Auf dem Schmierpapier probiere ich Dinge aus, die später nicht im Zeitraffer auftauchen sollen, damit ich mir das Schneiden etwas erleichtern kann.

Ich schwöre, ich nehme mir jedes Mal vor, meine Ebenen ordentlich zu benennen! 😂 Mir ist allerdings noch niemand über den Weg gelaufen, der/die das ernsthaft durchzieht … Das sind übrigens so 1/3 der Ebenen, die ich für Angewomon verwendet habe. 🫣 Ich bin absolute Fanatikerin, wenn es um Ebenen geht, allein schon als Rückversicherung, wenn ich Mist baue, oder für schöne Effekte.
Prozess starten
Am Anfang steht immer das 3D-Modell. Ich weiß, es wäre besser, mehr auf echte Referenzen zu setzen, nur muss ich zugeben, dass mir das in Zeiten von KI-Slop echt keinen Spaß macht, mich stundenlang durch diesen Müll zu wühlen. Man kann es teilweise inzwischen ausschalten, beispielsweise bei Pinterest, helfen tut das aber nicht. Ich kann es einfach nicht mehr sehen. Daher baue ich mir eine grobe Pose in MagicPoser zusammen, die ich anschließend in Procreate exportiere.

Du siehst schon: Die Anatomie ist eher so „meh“. Daher die Betonung auf grobe Pose! Den Rest arbeite ich dann in der Skizze nach, die ich einfach oben drüber lege, bis ich die Grundstruktur habe. Danach wird frei gearbeitet.

Ich zeichne semi-realistisch, daher kann ich mit den Proportionen spielen, was meist recht gut klappt. Diese Perspektive hat mich übrigens echt gekillt … Kaylin so halb von unten ist richtig fies gewesen.
Eine Zusammenfassung der einzelnen Schritte habe ich hier vorbereitet:

Kleinere Schritte zwischendrin fehlen ggf. aber die sprengen den Rahmen und sind immerhin unten im Zeitraffer zu sehen. 😉
Nach der Skizze zeichne ich eine saubere Line Art. Einige Male habe ich versucht, wie andere Künstler:innen direkt aus der Skizze heraus zu starten, das ging total in die Hose. Irgendwie brauche ich für mich einfach diesen Schritt, die Zeichnung bei der Line Art noch einmal zu durchdenken.
Anschließend gibt es eine Basis in Graustufen. Jede Fläche, die später eine andere Farbe erhalten soll, bekommt eine eigene Ebene mit eigenem Grauton. Auf diese Weise kann ich später die Ebene individuell und sauber anpassen. Außerdem dienen sie mir als Begrenzung für die spätere Schattierung. So kann ich nicht „übermalen“. Bis alles fertig schattiert und gerendert ist, arbeite ich ausschließlich in Graustufen. So kann ich Kontraste besser herausarbeiten. Die Farbe lenkt mich zu sehr ab, damit komme ich irgendwie nicht klar.
Für die Farbe verwende ich separate Ebenen im Modus „Farbe“, um sie möglichst natürlich zu gestalten. Richtig spaßig wird es, sobald die Grundfarbe steht und ich beginne, mit den Farbverläufen und der Lichtstimmung zu experimentieren. Meist habe ich nur eine grobe Vorstellung, in welche Richtung ich mit der Illustration möchte. Den Großteil entscheide ich durch Experimentieren. Den Unterschied erkennst du in den letzten beiden Panels der Zusammenfassung.
Erklärt sich von selbst, was das zur Stimmung und der Tiefe einer Illustration beiträgt, oder? ❤️🔥
Da ich Hintergründe hasse (ich schiebe das auf mein ADHS, denn die fesseln mich einfach so gar nicht und ich kann mich nicht dazu überwinden), gibt es bei mir nur Farben, Effekte oder Texturen im Hintergrund. Das wird sich vermutlich auch nicht mehr ändern. 🤷🏻♀️ Genau aus diesem Grund habe ich mich auf Charakterillustrationen spezialisiert. Ich sehe keinen Sinn darin, mir etwas einzuprügeln, auf das ich keine Lust habe. Den Luxus nehme ich mir heraus.
Damit ist die Illu fertig, ich gebe sie in den Early Access hier auf Steady (meist so 3 Tage), dann geht sie in den Sozialen Medien online und später noch das Making-of mit Zeitraffer und Zusammenstellung der einzelnen Schritte auf dem Weg von Skizze bis fertigem Bild.
Zeitraffer hoste ich in einem privaten Bereich auf MakerTube, einer PeerTube-Instanz im Fediverse. Hier ein Beispiel:
https://makertube.net/w/4vNP7CtuHKNYLLLQ3G9TiX (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Normalerweise gibt es diese ausführliche Zusammenstellung inkl. Zeitraffer nur für Mitglieder ab Level 2, aber ich mache mal eine Ausnahme. 😉 Wenn du mehr davon möchtest, schau gern hier vorbei:
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Prozess abgeschlossen
Ich bin schon wieder eskaliert. 🫣 Eigentlich dachte ich, ich schreibe nur mal kurz ein bisschen zusammen … Hoppla. Ich hoffe, es war interessant! Wenn du mehr wissen magst, schreib es mir gern in die Kommentare oder als Antwort auf den Newsletter! Ich habe beim Schreiben jedenfalls gemerkt, dass ich eigentlich noch viel mehr in die Tiefe gehen könnte, bin aber unsicher, ob das überhaupt von allgemeinem Interesse ist. Es muss ja nun nicht das drölfzigste How-to-Video in die Welt geblasen werden. Feedback ist also sehr willkommen! 😬
Vielen Dank fürs Reinschauen, wir lesen uns! 🩵