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Therapie für alle?

Hallo,

letzte Woche habe ich mir hier Gedanken über Psychotherapie (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) gemacht, nicht zum ersten (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) und sicher nicht zum letzten Mal. Wenige Tage später schwappte ein Zitat der Sängerin Nina Chuba durch meine Timeline, sie sagte:

"Seit zweieinhalb Jahren bin ich in Therapie. Und ich empfehle es jedem."

Besonders über den zweiten Satz habe ich mich im ersten Moment aufgeregt. Denn wie soll das bitte funktionieren?

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Das deutsche Gesundheitssystem ächzt unter seinen Ausgaben, es geht hinten und vorne nicht auf. Insbesondere PsychotherapeutInnen mit Kassensitz gibt es viel weniger als PatientInnen, die Therapie machen wollen (in dieser Titelgeschichte des Spiegel stehen alle Zahlen und Fakten drin (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)).

Mein erster Impuls daher: Therapie für alle zu fordern ist so sinnvoll, wie Insulin für alle zu wollen.

Oder, besserer Vergleich: Eine Massage tut jedem gut. Auf Rezept und somit von der Allgemeinheit (mit)finanziert bekommt man Physiotherapie aber nur, wenn ein Arzt den Bedarf feststellt. So ähnlich funktioniert es im deutschen Gesundheitssystem auch mit Psychotherapie.

Ich habe deswegen Schwierigkeiten, wenn jedem, der mit einer Lebenskrise struggelt, Therapie empfohlen wird, und es stört mich, wenn mir jemand erzählt, dass Psychotherapie "interessant" sei.

Dann hörte ich den Podcast "Reclaim: Tic Tac Toe". (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Tic Tac Toe mit Managerin Claudia Wohlfromm; (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Tic Tac Toe mit Managerin Claudia Wohlfromm; Credit: Axl Jansen - Eigenes Werk/Wikipedia/Creative Commons by 3.0

Für alle, die es nicht wissen, oder vergessen haben: Tic Tac Toe waren in den Neunzigern ein erfolgreiches Rap-Trio. Unvergessen sind die drei jungen Frauen aber weniger wegen ihrer Musik, sondern wegen einer Pressekonferenz, auf der sie sich auf Übelste beschimpfen und - deswegen schreibe ich hier darüber - am Rande auch über Therapie sprechen. Die eine warf der anderen vor, mit einem Psychologen gesprochen zu haben. Woraufhin diese empört schrie, sie habe nur ein Stresskompetenztraining gemacht.

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