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Die Schulkonferenz, Ausgabe 3. Schulrankings, Schulplatzbescheide und die Schulpflicht

03. Juni 2026

Herzlich willkommen! 

Was treibt Eltern von Schulkindern derzeit um, was wird bildungspolitisch in dieser Woche diskutiert und wo findet man als Elternteil Rat und Unterstützung, wenn man selbst nicht weiterkommt? Darum geht es wöchentlich in diesem kleinen Mittwochsbriefing.

Und da dieser Newsletter nicht als Einbahnstraße gedacht ist, können Sie mir Ihre Frage(n) gern an Schulkonferenz@MarcoFechner.de (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)schicken.

Jede Woche beantworte ich anonymisiert Fragen aus meiner Community in diesem Newsletter.

Ich weiß zwar auch nicht alles, aber mir fällt im Zweifel immer jemand ein, den ich fragen könnte. Also schreiben Sie mir.

Los geht’s.

Diesmal

  1. Die Elternfrage.

    “Wie finde ich die richtige weiterführende Schule für mein Kind?”

  2. Was jetzt ansteht:

    Versand der Bescheide für die weiterführenden Schulen.

  3. Veranstaltungshinweise

    Eine Protestveranstaltung des Berliner Bildungsbündnisses und eine Podiumsdiskussion mit Schüler:innen, Zivilgesellschaft und Politik zu Social-media-Verboten.

  4. Aktuelles:

    Paritätischer Gesamtverband veröffentlicht seinen Armutsbericht.

  5. Schule erklärt:

    Die Schulpflicht. Wann sie beginnt, wann sie endet und was passiert, wenn sie nicht erfüllt wird. Warum wollen Rechtsextremisten die Schulpflicht abschaffen und welche Möglichkeiten hätten sie?

1. Die Elternfrage

“Wie finde ich die richtige weiterführende Schule für mein Kind?”

Vor einiger Zeit landete ein Screenshot in unserem Grundschul-Elternchat: eine Liste mit Berliner weiterführenden Schulen, sortiert nach Aufnahme- und Abiturdurchschnitt. Bei einer Schule in Reinickendorf stand nur ein einziges Wort: „Nein." Fünf Daumen hoch.

Ich habe darüber nachgedacht, was diese Liste eigentlich aussagt und mich kürzlich entschieden, meine Gedanken dazu aufzuschreiben. Solche Rankings fühlen sich objektiv an, messen aber vor allem eines: wen eine Schule aufnimmt und nicht wie gut ihr Angebot ist.

Für die kommenden Sechstklässler:inneneltern ist dieser Artikel etwas früh dran, aber warum auch nicht!? Ich schreibe darin, was ich als Elternvertreter anderen Eltern für die Schulsuche empfehle.

Link (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

2. Was jetzt ansteht:

In der nächsten Woche (10.06.2026) verschicken die Schulämter die Bescheide für die Aufnahme an den weiterführenden Schulen.

Schüler:innen und ihre Eltern erfahren dann, ob sie an einer ihrer drei Wunschschulen angenommen wurden und absehbar wird sich im Anschluss die mittlerweile alljährliche Debatte über fehlende Schulplätze in Berlin anschließen. In der nächsten Woche werde ich dieses Thema hier im Newsletter als Schwerpunkt aufgreifen.

3. Veranstaltungshinweis

Samstag, 6. Juni 2026, 11:00 Uhr

Das “Berliner Bildungsbündnis” lädt ein zu einer Protestaktion an den Wasserkaskaden zwischen Marienkirche und Fernsehturm. Es schreibt:

“Die Protestaktion verbindet Aktionskunst, Musik und persönliche Erfahrungsberichte aus dem Bildungsalltag. Geplant sind unter anderem ein symbolisches Klassenzimmer im Wasser, Live-Musik, kurze Redebeiträge sowie familienfreundliche Mitmachaktionen für Kinder und Eltern.”

Die Forderungen des Bündnisses sowie eine Liste der Bündnispartner:innen finden sich auf dessen Webseite (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).

Mittwoch, 10.06.2026, 17:00 Uhr

“Erlauben, Befähigen oder Verbieten? - Social-Media-Verbote zwischen Schutz und Selbstbestimmung”

Die Debatte um Social-Media-Verbote wird derzeit gesellschaftlich intensiv geführt und oft prallen dabei unterschiedliche Generationen, Perspektiven und Vorstellungen von digitaler Teilhabe aufeinander. Während die einen vor Risiken für mentale Gesundheit, Entwicklung und Demokratie warnen, sehen andere in sozialen Medien zentrale Räume für Information, Selbstexpression und politische Beteiligung junger Menschen.

Hakan Demir (SPD, David Preisendanz (CDU), Lidia de Reese (stellvertretende Geschäftsführerin der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter, FSM) sowie Lilli Berthold (Schülerin und stellvertretende Generalsekretärin der Bundesschülerkonferenz) diskutieren darüber, wie viel Verbot Kinder- und Jugendmedienschutz braucht und ab wann wir uns damit die Zukunft digitaler Teilhabe verbieten.

Paneldebatte mit Publikumsbeteiligung.

Eine Veranstaltung der Schwartzkopf-Stiftung Junges Europa.

Infos und Anmeldung (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

4. Aktuelles:

Der Paritätische Gesamtverband veröffentlichte gestern seinen aktuellen Armutsbericht, der ein besorgniserregendes Bild zeichnet:

13,3 Millionen Menschen in Deutschland leben in Armut, die Armutsquote ist auf 16,1 Prozent gestiegen. Besonders betroffen sind Ältere, Frauen, Alleinstehende und Alleinerziehende.

Fast jede fünfte Person ab 65 Jahren gilt als arm, bei Frauen über 75 Jahren sogar jede fünfte. 4,6 Millionen Menschen leben in erheblicher materieller Entbehrung: viele können sich unerwartete Ausgaben nicht leisten oder sparen beim Heizen.

In Berlin ist die Armut innerhalb eines Jahres von 16,1 auf 18,7% gestiegen.

Auch ist eine regionale Spaltung zu beobachten: während in Bayern etwa jede achte Person armutsbetroffen ist, gilt das in Bremen für mehr als jede vierte. Der Abstand zwischen den Bundesländern nimmt weiter zu.

Hauptgeschäftsführer Dr. Joachim Rock appelliert an die Politik:

„Wer in der Krise den Sozialstaat weiter abbaut, der vertieft die Krise. Die Bundesregierung ist aufgefordert, diesen Kurs zu stoppen und endlich eine Politik zu machen, die Armut bekämpft statt verwaltet!"

Kinderarmut gilt zudem als eines der größten Risiken für Bildungsarmut.

Zum vollständigen Bericht. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

5. Schule erklärt

Die Schulpflicht. Wann sie beginnt, wann sie endet und was passiert, wenn sie nicht erfüllt wird.

Mit Beginn eines Schuljahres (1. August) werden in Berlin alle Kinder schulpflichtig, die das sechste Lebensjahr vollendet haben oder bis zum folgenden 30. September vollenden werden (§42 Schulgesetz (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)). Auf Antrag der Eltern kann die Einschulung vorgezogen werden, sofern ihr Kind bis zum 31. März des Folgejahres 6 Jahre alt wird. Diese Kinder werden dann ebenfalls mit der Einschulung schulpflichtig.

Die allgemeine Schulpflicht dauert zehn Schulbesuchsjahre und wird durch den Besuch einer Grundschule und einer weiterführenden allgemein bildenden Schule erfüllt.

Schülerinnen und Schüler können das zehnte Schulbesuchsjahr auch durch den Besuch einer beruflichen Schule erfüllen, wenn sie die Berufsbildungsreife erworben haben und der Schulaufsichtsbehörde ein Berufsausbildungsverhältnis im Sinne des Berufsbildungsgesetzes nachweisen. Die Schulpflicht endet spätestens am Ende des Schuljahres, in dem der/die Jugendliche 18 Jahre alt wird.

Sofern die Schulpflicht nicht eingehalten wird (verantwortlich sind die Eltern) können die Schule und die Schulbehörden sofern keine pädagogische Lösung greift eine “Zuführung durch Zwang” durchsetzen (§45 Schulgesetz (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre))

Für Schülerinnen und Schüler, die nach 10 Schulbesuchsjahren keine Ausbildung, oder berufsvorbereitende Maßnahme nachweisen können, hat das Land Berlin in dieser Legislaturperiode das “11. Pflichtschuljahr” eingeführt. Mit diesem verlängert sich die Schulpflicht um ein Jahr und es soll dazu dienen, Anschlussperspektiven, insbesondere die Einmündigung in eine Ausbildung zu ermöglichen. Weitere Infos hierzu finden sich auf der Webseite der Bildungsverwaltung (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).

Lesetipp: die AfD fordert in Wahlprogrammen die Aufhebung der Schulpflicht. Warum das in der Logik extremistischer Parteien folgerichtig und gesellschaftlich und mit Blick auf Kinderrechte problematisch ist, habe ich in einem Beitrag erörtert (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).

Bis nächste Woche. Wenn Ihnen der Newsletter gefällt, empfehlen Sie ihn gern weiter.

Marco Fechner

In eigener Sache

Ein so anspruchsvolles Produkt wie die „Berliner Mischung“ mitsamt Podcasts, Newsletter, Beiträgen und Recherchen benötigt viel Zeit und Leidenschaft. Leidenschaft fürs Thema habe ich und die Zeit nehme ich mir. Da ich der Meinung bin, dass Bildung auch finanziell barrierefrei sein sollte und deshalb auch die Debatten hierum, möchte ich meine Angebote nicht hinter einer Paywall unterbringen.

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