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Was nicht in der Bibliothek von Blake Manor steht

The Séance at Blake Manor ist ein Mystery-Detektivspiel, in dem Detektiv Declan Ward 1897 in einer abgelegenen Villa in Irland ermittelt — und sich weiterbildet.

Header der Ausgabe: Mythluster, in der Mitte Declan Ward, im Hintergrund ein Panel des Ros Teppichs, daneben Ausschnitte der nachfolgenden Bilder

Der Soundtrack des Spiels von Clement Panchout (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Für die ambiance.

  • Die Wahrheit … 1

  • B wie Banshee … 2

  • S wie Sidhe … 3

  • Kelten, Wikinger, Römer … 4

  • N wie Nektanebos II. … 5

  • H wie Henochische Sprache … 6

Vor der Séance, die den Höhepunkt eines mehrtägigen Programms darstellt, verschwindet eine der Teilnehmerinnen. Detektiv Declan Ward wird von einer unbekannten Person in die abgelegene Villa berufen, um herauszufinden, ob die Dame tatsächlich abgereist ist oder doch mehr hinter ihrem plötzlichen Verschwinden steckt.

Viele der Teilnehmer:innen behaupten, übernatürliche Kräfte zu haben, mit den Verstorbenen zu sprechen, die Zukunft zu sehen oder Zauber zu wirken. Sie sind Teil einer Welt, die dem Detektiv fremd ist. Zwischen belauschten Gesprächen und durchsuchten Zimmer muss er sich also in der Bibliothek belesen.

Bild einer Bibliothek, dunkelbraune Regale, in der Mitte Tische mit kleinen grünen Lampen und Stühlen
Die Bibliothek von Blake Manor. (Spooky Doorway/Raw Fury/eigener Screenshot)

Die Wahrheit

The Séance at Blake Manor ist eine fiktive Arbeit. Nichtsdestotrotz basiert vieles, was in dem Spiel dargestellt oder thematisiert wird, auf wahren Begebenheiten.

Mr. Callaghan zum Beispiel bietet den anderen Gästen einen besonderen Service: Er fotografiert sie und macht die Geister, die den Porträtierten folgen, damit sichtbar.

Ende des 19. Jahrhunderts war die Fotografie ein neues Medium und Menschen wussten nicht recht, wie es funktioniert, erklärt Alice Vernon (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Betrüger nutzen dieses Unwissen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) aus und bearbeiteten Fotos, um leichtgläubigen Geistersuchern ihr Geld abzunehmen.

Wie Vernon erklärt, versuchten Magier wie Harry Houdini diese falschen Spiritualisten zu entblößen. Unter den Gläubigen, die sich auf die Suche nach den Geistern im Krieg oder an Krankheit verstorbener Geliebter machten, war auch Sir Arthur Conan Doyle (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) — der 1887 die erste Geschichte des vielleicht bekanntesten Detektivs veröffentlichte.

Schwarz weiß Porträt von Arthur Conan Doyle, hinter ihm eine verschwommene Gestalt, die seinen Sohn darstellen soll
Arthur Conan Doyle mit seinem verstorbenen Sohn (The Conan Doyle Estate)

Zehn Jahre später veröffentlicht sein irischer Kollege Bram Stoker Dracula und erschafft damit den bekanntesten Vampir. Doch auch er baut nur auf Mythen und Legenden auf.

B wie Banshee

Noch bevor Declan die Villa betritt, erscheint ihm eine Gestalt. Eine Waschfrau am Brunnen, die von den anderen Gästen schnell als Omen des Todes erkannt wird. Ihr gälischer Name ist Bean-nighe, bekannter ist sie jedoch unter ihrem anglisierten Namen: Banshee. Ihre Ursprünge können bis ins 8. Jahrhundert zurückverfolgt werden.

Die Séance findet in der irischen Provinz Connacht statt, wo die Banshee wiederum unter ihrem irischen Namen Bean Sídhe bekannt ist. Sie wird als kleine, alte Frau dargestellt, die an Flüssen ihre Wäsche wäscht, wahlweise auch die blutige Kleidung gefallener Soldaten. Aber nicht überall wird sie mit Krieg in Verbindung gebracht.

Mit ihrem Weinen und Wehklagen kündigt sie den Tod eines Menschen an. Wie Patricia Lysaght erklärt (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), erscheint sie Familien, folgt ihnen über Generationen und die Menschen aus der Gemeinschaft horchen auf ihre Rufe. Aber nicht jeder Familie folgt eine Banshee; nur solchen, die anglonormannischer Abstammung sind, die also nach der Eroberung durch die Normannen 1066 auf den heute britischen Inseln leben. Von einer Banshee verfolgt zu werden, ist etwas, worauf man stolz ist — anders als diese Illustration suggeriert.

Eine Illustration, im Vordergrund zwei erschreckte Männer, im Hintergrund ein dunkles Haus und eine Frauenfigur, die die Arme nach oben streckt und aus dem Moor kommt
R. Prowe, „The Banshee Appears“, 1862

“Die Frau aus der anderen Welt” ist zwar ein Omen des Todes, aber nicht bösartig. Vielmehr ist sie ein Ahnengeist, eine Schutzpatronin der Familie und spendet Trost. Sie begleitet die Sterbenden, die die Welt so nicht allein verlassen müssen. Bei dem Mythos geht es weniger um Okkultismus und Aberglaube als um Familien und Zusammenhalt, womit die Banshee neben christlichen Traditionen und Vorstellungen vom Leben nach dem Tod existiert. Anders als man es von heidnischen Bräuchen erwartet.

Wie viele andere Mythen, ist die Banshee Ausdruck von Sorge und Angst, während sie gleichzeitig eine Erklärung und kulturelle Praxis für die schwersten menschlichen Erfahrungen bietet. Auch in anderen Kulturen finden sich Erzählungen von weiblichen Todesomen, wie der woman in white. Mit ihren langen Haaren, die sie kämmt, schließt die Banshee auch an den Mythos der Meerjungfrau an. Im Laufe der Zeit vermischten sich also Darstellungen der Mythen. In modernen Interpretationen des japanischen Rachegeists Onryō, wie in Ringu aus dem Jahr 1998, wird dieser ebenfalls als Frau in Weiß mit langen Haaren dargestellt, der Menschen heimsucht, die bald darauf sterben.

S wie Sidhe

Es gibt eine mythische Geschichte Irlands, die im Lebor Gabala Erenn , dem Buch der Einnahmen Irlands (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), erzählt wird. Dort heißt es, dass, bevor Sterbliche in Irland lebten, das Land von den Túatha Dé Danann regiert wurde — Götterwesen mit übernatürlichen Kräften.

Die Túatha Dé Danann verloren später den Kampf gegen die sterblichen Milesier und lebten fortan unter der Erde in kleinen Erdhügeln, síd genannt. Entsprechend bezieht sich das Wort Sidhe sowohl (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) auf die Hügel als auch die Nachfahren der besiegten Götter, die in ihnen leben und mit der Christianisierung Irlands nicht mehr als Götter bezeichnet werden durften.

Vier prächtige, goldene Reiter auf Einhörnern, die von Vögeln und anderen Tieren umgeben sind
John Duncan, "The Riders of the Sidhe", 1911
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