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#21: Kontraste zulassen, bewältigen, schaffen

“Dich trifft gleich ein Kontrast”, flüsterte mir letztens meine Masseurin zu, bevor sie ihre entspannende Berührung meiner Schultern unterbrach. Sie wollte mich darauf vorbereiten, dass der tranceartige Zustand enden würde, den ihre Massage bei mir unweigerlich auslöst.

Und so war es auch. Auf einmal fehlte mir die beruhigende Wärme ihrer heilenden Hände, die mich ununterbrochen durch die letzte Stunde begleitet hatten. Auch unsere Verbindung war plötzlich nicht mehr spürbar und ich kam langsam wieder in der weniger entspannenden Realität an. Schade.

Das war zwar alles keine Tragödie und auch irgendwie erwartbar - schließlich kommt auch die schönste Massage leider irgendwann zu ihrem Ende. Aber trotzdem hatte sie mich auf eine kommende Veränderung aufmerksam machen wollen, die zu managen, mir wahrscheinlich nicht ganz leicht fallen würde. Und ihr Satz, den ich so vorher noch nie in meinem Leben gehört hatte, hallte noch lange in meinem Bewusstsein nach. 

Denn zu hören, dass jemand anderes eine Veränderung in meinem Erleben ernst nimmt und als etwas versteht, mit dem ich irgendwie umgehen muss, etwas, wofür ich Resilienz und Kraft aufwenden können muss… Das fühlte sich tröstlich an und irgendwie schön.

Die Menge an Empathie, die in diesem Satz lag, rührte mich an und gleichzeitig stellte ich mir die Frage, wann ich das letzte Mal in dieser Art und Weise vor einer Veränderung in meinem Leben gewarnt worden war. Oder was ich bisher mit solchen Warnungen tatsächlich angefangen habe.

Klar, ich lese (leider) fast täglich Hinweisschilder der örtlichen Verkehrsbetriebe, die mich über zukünftige Streckensperrungen informieren und… verdränge die Info.

Oder ich bekomme E-Mails, in denen lange Erklärungen zu Anpassungen in den Geschäftsbedingungen irgendeines meiner Vertragspartner stehen und… ich lese sie mir nicht durch.

Aber so einen Hinweis auf eine unmittelbar bevorstehende Veränderung, die ich nicht beeinflussen kann, obwohl sie mich sehr direkt betrifft, den bekomme ich meistens nicht.

Dabei sind Kontraste in unserem Erleben überall vertreten und wir müssen ständig verarbeiten, dass sich Dinge verändern, die nicht in unserer Macht liegen. Das erfordert eine Menge Resilienz, wenn man mal darüber nachdenkt. Denn nur, weil man etwas andauernd macht, heißt es nicht, dass es keine Energie kostet.

Deswegen möchte ich in diesem Newsletter - ganz passend zum Vibe des letzten Monats des Jahres - einmal gedanklich innehalten und auf die Kontraste schauen. Darauf, welche uns von außen treffen, welche wir zulassen dürfen und welche wir selbst schaffen können, um wieder Kraft zu tanken.

Denn, dass wir viel Energie aufwenden müssen, um Kontraste zu bewältigen, das können wir zum Jahresende hier gerne einmal anerkennen. Und das bitte mit genauso viel Empathie für uns selbst wie füreinander.

Kontraste, die wir bewältigen - eine unvollständige Liste

  • die lange Winterdunkelheit im Kontrast zu den vielen Sonnenstunden im Herbst und Sommer

  • die Distanz zu einem lieben Menschen im Kontrast zur vorherigen räumlichen oder emotionalen Nähe

  • der plötzlich wieder fremdbestimmte Alltag durch den Beginn eines Jobs im Kontrast zur vorherigen Arbeitslosigkeit

  • oder die ganz andere Struktur eines neuen Teams, einer anderen Stelle oder eines neuen Berufs nach dem Jobwechsel

  • aus einem Traum geweckt werden

  • aus der heißen Dusche ins kühle Badezimmer steigen

  • ans Telefon gehen und in eine andere Sprache wechseln müssen, als die, in der man denkt

  • Hormonschwankungen 

  • von gesund sein zu krank sein (zu gesund sein)

  • an einen anderen Wohnort umziehen

  • Temperaturabfall und Wetterumschwünge

  • plötzlich (nicht mehr) schwanger sein

  • wenn ein Verlust bewusst wird

  • Eltern werden

  • das Alleinsein, nachdem der letzte Gast gegangen ist

  • wenn eine Geschichte, in die man total vertieft war, zu Ende gegangen ist

  • wenn der Lieblingsladen oder der übliche Supermarkt zu macht

Was du alles gemeistert kriegst, ist enorm! Well done!

Kontraste schaffen, die Resilienz bringen - auch eine unvollständige Liste

  • aus der Schreibtisch-Shrimp- oder Schonhaltung aufstehen und in Bewegung kommen

  • die Kopfhörer abnehmen

  • Urlaub machen

  • das Telefon in einem anderen Raum lassen

  • Social Media Pause einlegen (auch unbegrenzt möglich)

  • etwas kochen, das man noch nie ausprobiert hat

  • mit diesem einen Kumpel oder dieser einen Freundin mal über was ganz anderes reden

  • selbst was produzieren, anstatt es zu konsumieren

  • sich etwas von einem Kind erklären lassen

  • im Winter in die Sauna gehen

  • das ewige Home- oder Café-Office mal für eine Weile in einen Co-Working Space verlegen

  • bei Gelegenheiten, zu denen Alkohol getrunken wird, nicht trinken

  • eine neue Route nach Hause nehmen

  • Edging

  • die Biographie eines Menschen kennenlernen, der ganz anders ist als man selbst

  • nach einem Kompliment, das man bekommt, nicht relativieren

  • ein Fenster öffnen

Du weißt sicherlich am besten, welche Impulse für dich sonst noch spannend sind. Viel Spaß beim ausprobieren und Achtung: dich trifft jetzt ein Kontrast 😉

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Was dir nie jemand sagt…

über Sex ab 50

In dieser Reihe stelle ich Menschen, die 50 Jahre oder älter sind, fünf Fragen dazu, wie sich ihr Sexleben entwickelt hat.

Im 9. Interview habe ich mit Maike Schumacher (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) (52) gesprochen, die in ihrem großartigen Podcast MILF Life Crisis (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) fleißig dabei ist, Scham rund um Lust und Sex aufzulösen! Und dabei weiß sie: für’s neugierige Fragen stellen und sich selbst Entdecken ist es nie zu spät - auch nicht, wenn man erst in der Lebensmitte damit anfängt.

Wenn du auch einmal Teil der Interview-Reihe sein möchtest oder jemanden kennst, der*die interessiert ist, melde dich gerne bei mir! Los geht’s:

Welche Stichworte beschreiben Sex ab 50 für dich am besten?

Maike: “Wahrhaftig, sinnlich, mutig. Und vor allem endlich für mich. Sex ab 50 ist weniger eine Performance, sondern mehr Präsenz. Weniger „Wie wirke ich?“, mehr „Wie fühle ich mich?“

Es ist ein Ja zu mir und ein Nein zu allem, was sich nach Pflicht anfühlt.”

Was fühlt sich bei Sex ab 50 anders an als mit 30?

Maike: “Mit 30 habe ich über Sex und beim Sex kaum ein Wort gesagt. Nicht mit Dates, nicht mit festen Partnern. Ich dachte damals wirklich: „Darüber spricht man nicht. Das macht man einfach.“

Und weil ich nicht gesprochen habe, habe ich Dinge mitgemacht, die mir nicht gefallen haben. Und Männer mussten sich an mich „rantasten“, statt dass ich einfach gesagt hätte:
„Hey, das mag ich. Das nicht.“ Das hat alles viel komplizierter gemacht, obwohl es so einfach gewesen wäre.

Ab 50 wurde alles anders. Ich habe mit meinem Podcast MILF Life Crisis angefangen und rede jetzt darüber. Und ich frage, und teile mit. Dadurch fühlt sich Sex viel Ehrlicher an, auch, wenn ich immer noch übe und längst noch nicht routiniert im Sprechen währenddessen bin.”

Worauf willst du heute beim Sex nicht mehr verzichten?

Maike: “Auf Ehrlichkeit, Offenheit und Langsamkeit, plus ein beruhigtes Nervensystem (mein neuester Kink!). 

Ich möchte darauf verzichten zu performen, Erwartungen zu erfüllen, und mich unter Druck setzten zu lassen. Und ganz sicher möchte ich auf Menschen verzichten, die denken, dass Sex ein Sprint ist und kein Tanz.”

Ist dir Sex heute wichtiger oder unwichtiger als mit 30?

Maike: “Wichtiger. Aber anders wichtig. Nicht im Sinne von „viel“, sondern im Sinne von „gut“. Und ich gebe meinem Körper die Zeit, die er braucht.

Ich will nicht bumsen. Ich will Liebe machen.”

Was hat dir nie jemand über Sex ab 50 gesagt?

Maike: “Dass es besser wird. Wahrer. Und dass der Körper, auch wenn er sich verändert, ein unglaubliches Lustorgan bleibt.

Dass ich noch so viel Neues über meinen Körper lernen kann, was ich bisher noch nicht wusste, nur, weil ich jetzt darüber spreche.

Dass die Fantasien freier werden und ich mir auch erlaube, sie zu fantasieren. Und dass man in den Wechseljahren manchmal mehr Lust hat als je zuvor – wenn man aufhört, sich zu schämen und anfängt, sich zu spüren.”

Was für einen wunderbaren Abschluss du hier findest, Maike, vielen herzlichen Dank! Übrigens ist Maike Schumacher nicht nur wortgewandte Podcasterin, sondern auch Bewegungsbotschafterin in Berlin und ganz Deutschland (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Tanzt mit ihr und lasst euch von ihrer Freude an der Bewegung und dem Leben anstecken!

mehr von cleo

📻 Letzte Woche war mein allererster eigener Radiobeitrag live bei Deutschlandfunk Nova zu hören! Anlässlich von ChatGPTs drittem Geburtstag habe ich mir angeschaut, wieso und wofür Menschen aktuell KI-Chatbots beim online Dating nutzen oder für schwierige Beziehungsgespräche heranziehen. Kostenlos nachhörbar hier: “KI und online Dating - Bots verändern unsere Art zu flirten” (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).

👯 Außerdem gab’s von mir für den Tagesspiegel plus einen Ratgeber-Text zur Frage aller Fragen vor dem (spontanen) Party-Wochenende: “Wie finde ich das passende Outfit für eine Play Party?: „Die Riemchen und Schnallen rieben gegen mein Fleisch“ - Sie fror, sie schwitzte, sie fühlte sich zu nackt. Gar nicht so einfach, das richtige Outfit für eine Sexparty zusammenzustellen! Inzwischen weiß unsere Autorin, worauf es ankommt.” (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) Und mit einem TS+ Abo kannst du das jetzt auch wissen 😉

Empfehlung

Ein Buch, das den Kontrast im Titel genauso trägt wie in jedem einzelnen Absatz, ist “Rausch und Klarheit” von Mia Gatow. Ein Memoir über das Trinken und das unabhängig werden. Und niemand weiß besser als die Autorin, dass die Kontraste in der Klarheit erst so richtig stark hervor treten.

Kontakt

Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine Website (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) erreichen oder mir bei Instagram eine DM (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!

Danke für’s Lesen und liebe Grüße von

Cleo

Dank

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Sujet Cleographie

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