Ab wann war Opa in der NSDAP? Die neu online zugängliche Mitgliederkartei der NSDAP hat in den letzten Wochen bei unzähligen Familien in Deutschland für eine neue Auseinandersetzung mit der Familiengeschichte in der NS-Zeit gesorgt. Um die Suche einfacher zu machen, hat eine große deutsche Wochenzeitung eine Suchmaske online gestellt – hinter einer Paywall. Welche neuen Möglichkeiten die Akten bieten und warum die kostenpflichtige Datenbank mit Vorsicht zu genießen ist, lesen Sie in unseren Blogs.
Außerdem ging es im April bei Hypotheses um sorgende Männer in der Ukraine, um Strategien rechtspopulärer Parteien in Ungarn und Polen und um Wissensvermittlung auf Sammelkarten im 19. Jahrhundert.
Wir wünschen spannende Lektüre!
Die NSDAP-Akten bei Hypotheses
(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Millionen neue Puzzleteile. Die HASAG in den Karteien der NSDAP
Die vollständige NSDAP-Mitgliederkartei ist nun über die National Archives auch digital zugänglich. Für die Forschung zum Leipziger Rüstungskonzern HASAG eröffnet das ganz neue Möglichkeiten, berichtet Martin Clemens Winter: Namen lassen sich identifizieren, Täterbiografien rekonstruieren und erstmals Gesichter zu bekannten Namen finden.
(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)NSDAP-Mitgliederkartei online. Wissenswertes und Einordnungen
Weil die Suche in der NSDAP-Kartei mühsam ist, hat Die Zeit die Daten kopiert, mit KI erschlossen und in einer Datenbank aufbereitet, die (nach einer Übergangsphase) nur mit einem Abonnement oder einem QR-Code aus der Zeitung zugänglich ist. “Der Erkenntnisgewinn durch dieses künstlich erzeugte ‘Privatarchiv’ ist marginal und fußt auf bereits zuvor frei zugänglichem Wissen,” kritisiert Max Grund und empfiehlt auch weiterhin die Anfrage beim Bundesarchiv.
Beiträge des Monats: Unsere Hingucker
(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Raffael, Superstar?! Ein Künstler zwischen Fleischextrakt und Wissensdurst
Raffael, Superstar: Ab dem späten 19. Jahrhundert legte die Firma Liebig ihrem Fleischextrakt Sammelbilder bei – quasi als “Wissensvermittlung to go”. Dabei verzichten die Liebig-Bilder auf religiös überhöhte Szenen: Ihr Raffael verdankt seinen Erfolg seiner Ausbildung, Arbeit und Fleiß, nicht etwa einer göttlichen Berufung, schreibt Klara von Lindern in “doing public history”.
(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)“Hier gibt es keine sorgenden Männer”. Zur Unsichtbarkeit männlicher Sorge in der Westukraine
In ihrer Feldforschung in der Westukraine beobachtete Ilona Grabmeier, dass männliche Sorgearbeit sowohl alltäglich als auch unsichtbar sein kann. Wie weibliche Arbeitsmigration Care-Arbeit in der Westukraine verändert, zeigt sie im Blog “Who Cares?”.
(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Schnitte durch die Stadt. Das besetzte Paris in zwei ganz unterschiedlichen fotografischen Konvoluten
Zwei Fotografen, zwei Perspektiven auf das besetzte Paris: Während Raoul Minot unter Lebensgefahr den Alltag unter der NS-Herrschaft dokumentiert, hält Pierre Zucca mit offizieller Akkreditierung Bilder einer scheinbar unbeschwerten Stadt fest. Peter Geimer zeigt im Blog “The Ends of War”, wie diese gegensätzlichen fotografischen Konvolute unterschiedliche Haltungen zur Besatzung offenbaren.
(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Sozial normierte Zeit. Die begrenzte Zukunft einer Frau bürgerlichen Standes um 1800
Wie strukturierten Geschlechternormen die Lebenszeit von Frauen? Franziska Ludewig analysiert bei “Geschichtstheorie am Werk” Zeitkonzepte und geschlechterspezifische Rollenzwänge um 1800.
Aus den englischsprachigen Blogs
(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Choice Illusions. Through ‘Rule by Law’ to ‘Electoral Capture’ in Hungary and Poland?
Why do backsliding regimes still seek legitimacy at the ballot? “Elections in Hungary and Poland have not simply become less fair: they became decidedly unfair.” Stefan Szwed challenges the assumption that Viktor Orbán and Jarosław Kaczyński command clear majorities, and shows how electoral rules, media capture and institutional control reshape outcomes while at the same time sustaining claims of democratic legitimacy.
Aus den sozialen Medien
Auf dem Instagram-Account der Max Weber Stiftung (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) kommt unsere Community zu Wort: Bloggende erzählen, welche Entdeckung sie mit ihrem Wissenschaftsblog verknüpfen.
Eugen Pfister hat von Anfang an über seine Forschung bei de.hypotheses gebloggt: Erst zu politischen Mythen in digitalen Horrorspielen, aktuell zur Geschichte des Schweizer Game Designs. Ohne die Blogs wäre er nicht dort, wo er jetzt ist, berichtet der Historiker und Politikwissenschaftler nach elf Jahren Wissenschaftsbloggen.
(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)“Das Blog gab mir den Anstoß und auch ein wenig den notwendigen Druck, um mich regelmäßig mit meinen Forschungsfragen auseinanderzusetzen. Es bot mir die Möglichkeit, relativ früh in meiner Forschung Hypothesen auszuformulieren und auszuprobieren und es verhalf mir vor allem dazu, vermehrt von interessierten Kolleg*innen wahrgenommen und gelesen zu werden. Das Blog war in gewisser Weise immer ein Anker meiner Arbeit,” ergänzt der Leiter des SNF-geförderten Projekts “Confederatio Ludens”.
Neugierig auf mehr Wissenschaftsblogs? Dann schauen Sie auf unserer Startseite vorbei: