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Nice to meet you @HEAT

pinker Neon-Schriftzug: nice to meet you mit einem Herz und einem lachenden Smiley

Wir, als eine vierköpfige Politgruppe, starten dieses Jahr mit im Kern drei weiteren Menschen ein neues Projekt – unser Mutual Aid HEAT (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Das ist ein Projekt, dass wir nicht nur einmal veranstalten, sondern auch in den kommenden Jahren anbieten wollen, weil es uns am Herzen liegt, weil wir daran glauben und viel Potential darin sehen. Diese langfristige Ausrichtung bedeutet, dass es im 1. Jahr auch ein bisschen ein Testballon ist, für den wir Feedback brauchen um die Lücken, die es natürlich gibt, zu füllen und zu verbessern, woran wir dieses Jahr vielleicht noch scheitern. Mein Blogtext diese Woche dreht sich deshalb um zwei Dinge: einerseits ist er nochmals eine herzliche Einladung an euch, bei uns dabei zu sein und uns mitzuteilen, wie wir das für euch möglich machen können. Andererseits ist er ein Versuch zu zeigen, was wir bereits für die 1. Auflage möglich machen können und wo Barrieren bestehen bleiben werden.

Was geht, was geht (noch) nicht

Wir sind durch den Ort und die Art der Veranstaltung mit bestimmten Bedingungen konfrontiert. Wir organisieren ein Camp, d.h. am Zelt und entsprechenden Campingbedingungen wird kein Weg vorbeiführen. Es werden nicht alle Wege asphaltiert und/oder eben sein, es wird Bereiche geben, die nur über Stufen zugänglich sind. Aber mit einer Supportperson ist sicher einiges machbar und unser Logistikteam steht bereit, ganz konkret und im Einzelfall zu klären, ob eine Teilnahme für euch z.B. auch mit einem Rollstuhl möglich ist. Wir werden für die An- und Abreise ab/zur der letzten ÖPNV – Haltestelle dafür sorgen können, dass Gepäck und bei Bedarf auch Menschen geshuttled werden können, so dass ihr alle das Camp erreichen könnt.

Ein Trainingslager, wie wir es im Sinn haben, wird nicht unbedingt mit einem Klimacamp vergleichbar sein. Deshalb ist es nicht für den Familienurlaub mit Kindern geeignet, was auch aus Versicherungsgründen nicht abdeckbar ist. Hunde bitte ebenfalls zu Hause lassen, denn während der Szenarien können Situationen entstehen, in denen Hunde unerwartet reagieren könnten und ich als Hundemensch bin sowieso immer dafür, Tieren unnötigen Stress zu ersparen. Wir setzen auf viele praktische Übungen in kleinen Gruppen und die Szenarien, die am Wochenende das Ganze abrunden, sollen Teilnehmende natürlich bis zu einem gewissen Punkt Stress aussetzen. Wir können Katastrophen nicht simulieren und hoffen, dass wir alle möglichst davon verschont bleiben, aber wir wollen auch lernen, wie es sich unter Stress anfühlt, zu handeln – was funktioniert, was funktioniert nicht, was sind die Schwierigkeiten, die dann aufkommen. Gerade das wird vermutlich ein wichtiger Lerneffekt des Ganzen sein, denn natürlich kann und will ein Training nicht dafür sorgen, dass Menschen perfekt auf alles vorbereitet sind. Es soll Grundlagen vermitteln und Ansatzpunkte, um weiterzuarbeiten, das Wissen zu teilen und gemeinsam an vielen Orten etwas aufzubauen. Auch das ist ein Aspekt, den wir im Blick haben, wenn wir dieses langfristige Projekt starten – es könnten zukünftig Trainings für Menschen mit Vorwissen angeboten werden, ebenso wie andere thematische Schwerpunkte (z.B. Energie- und Wasserversorgung). Das Mutual Aid Heat ist sozusagen work in progress und kein fertiges Endprodukt, das frei von Fehlern und Verbesserungsmöglichkeiten ist.

Ein weiterer Punkt, zu dem wir immer wieder Nachfragen bekommen, ist das Thema von Vorkenntnissen – nein, es sind keine erforderlich und auch für das Selbstschutz-Training ist es nicht notwendig, dass Teilnehmende besonders fit und athletisch sind. Ich bin absolut nichts davon und auch ich werde an diesem Training teilnehmen 😉 Es geht uns darum, Menschen Grundlagen zu vermitteln, denn im Falle einer Katastrophe sollen ja möglichst viele Menschen agieren können, um anderen zu helfen und solidarisch die Situation durchstehen zu können.

Wir werden es schaffen, dass voraussichtlich drei, im besten Fall alle vier Trainings in deutscher und englischer Sprache angeboten werden, so dass wir offen sind für internationale Teilnehmer*innen, von denen sich auch schon einige angemeldet haben. Für mich sowohl aus Sicht des Orga-Teams, als auch mit Blick einer teilnehmenden Person ist der Selbstschutz-Strang ein großer Quell der Freude, und zwar nicht nur was die Trainingsinhalte angeht. Speziell mit diesem Training möchten wir in erster Linie und ganz gezielt queere Menschen ansprechen, die bereits von Gewalt betroffen und bedroht sind und deshalb können wir all gender, flinta* und TIN-Trainingsgruppen anbieten und durch die Trainer*innen sicherstellen, dass entsprechende Bedürfnisse individuell berücksichtigt werden können. Wir wissen, dass auch people of colour und Menschen mit Fluchterfahrungen bereits vielfach bedroht und gewaltbetroffen sind. Wir wären sehr froh, auch dieser Tatsache Rechnung tragen zu können, haben aktuell aber noch keine Trainer*in, um das anzubieten. Wenn ihr jemanden wisst oder euch das selbst vorstellen könnt, meldet euch bei uns. Das gilt auch, wenn ihr an einer entsprechenden Trainingsgruppe interessiert seid. Helft uns gerne, auch das noch umzusetzen.

Emotional Care

Da uns bewusst ist, dass Menschen auf Stress reagieren, gehen wir natürlich nicht leichtfertig in dieses Trainingslager. Im Orga-Team selbst erarbeiten wir ein Konzept, um emotionale Arbeit und Awareness nicht nur von außen durch eine externe Struktur abzudecken, sondern um eingebunden in das Gesamtkonzept sicherzustellen, dass sich Teilnehmer*innen, ebenso wie Trainer*innen und Rollenspielende jederzeit einer bestimmten Situation entziehen können, dass sie Ansprechpersonen finden und mit dem, was so ein Training mit sich bringt, emotional aufgefangen werden. Wir werden mit Rollenspieler*innen arbeiten, die ebenfalls vorbereitet auf das Camp kommen werden und wir werden klare Regeln aufstellen, was die Interaktion von Teilnehmenden und Rollenspielenden im Rahmen der Szenarien angeht, damit es für alle eine positive und sichere Erfahrung wird. Wir lassen uns leiten vom Konzept eines braver – Spaces. Wir tun das, weil es unserem Verständnis nach bereits die namengebende Intention eines HEATs (Hostile Environment Awareness Training) unmöglich macht, safe(r) spaces umzusetzen. (*Einen kleinen Exkurs dazu packe ich ans Ende dieses Textes.)

Wir planen die Abende ganz bewusst als Möglichkeiten zur Gemeinschaftsbildung, zum Zusammenkommen und zum gemeinsamen Austausch auch über das, was jede*r in ihrem Training erlebt hat. Es wird abends gleichermaßen um Geschichten von Menschen gehen, die Kollaps in unterschiedlichen Formen bereits erlebt und im Kollaps gehandelt haben, aber auch um Vorbereitung auf das Wochenende, damit keine*r einfach so in eine Stresssituation geworfen wird. Es wird bewusst keine Party stattfinden und für den Fall einer Bar (diese Frage ist noch nicht geklärt) wird diese nur weichen Alkohol ausschenken und nur bis 22:00 geöffnet sein. An den Tagen der Szenarien wird die Bar komplett geschlossen bleiben. Der Sonntag dient allein einer ersten Reflexion, dem gemeinsamen „Herauskommen“ aus dieser Erfahrung und auch im Anschluss an das HEAT selbst, werden wir diese Möglichkeit in irgendeiner Form schaffen und ansprechbar sein. Der Ort und die Umgebung selbst bieten Möglichkeiten, auch mal für sich zu sein und etwas Ruhe zu haben, aber wenn ca. 300 Menschen zusammen sind, wird es nicht ohne Lärm, ein gewisses Gewusel und hier und da etwas Hektik gehen.

HEATs for future 😉

Mit Blick auf weitere HEATs in den kommenden Jahren haben wir schon begonnen, uns konkret dem Punkt unserer Leerstellen und dem, was wir dieses Jahr noch nicht möglich machen können zu widmen. Wir gehen in Gespräche mit einer Rassismusberatung, um - angefangen von Sprache über die Gestaltung der Website bis zur Zusammensetzung des Orga-Teams - zugänglicher für people of colour zu werden. Da gibt es einige Aspekte, die wir mit einer überarbeiteten Website schon relativ zeitnah umsetzen werden. Wir holen uns Feedback zum Barriereabbau und den damit zusammenhängenden Bedürfnissen z.B. bezogen auf Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder Sehbehinderungen und gehen dafür in Kontakt mit entsprechenden Verbänden. Das alles braucht Zeit und Kontaktaufbau, so dass wir momentan bereits damit beginnen, auch wenn die Umsetzung vermutlich erst ab dem nächsten HEAT möglich sein wird.

Zusammenkommen und lernen

Am Ende möchten wir, dass alle mit einem guten Gefühl und Erfolgserlebnissen nach Hause fahren, mit Bock auf mehr und mit der Sicherheit, etwas gelernt zu haben, was einsetzbar ist für sich selbst, für und mit anderen. Das gilt für die Teilnehmer*innen genauso wie für uns als Orga-Team mit Blick auf die weiteren HEATs. Dieses Jahr gibt es Ausgabe 1 eines völlig neuen Konzepts von Aktivismus und dabei werden wir Fehler machen, Barrieren haben und Lücken nicht füllen können. Nächstes Jahr folgt Ausgabe 2 und die wird auch vom Feedback leben, das ihr uns gebt, im besten Fall natürlich nach einer Woche zusammen in Brandenburg. Deshalb: fühlt euch eingeladen und meldet euch bei uns, wenn ihr Lust habt, dabei zu sein, aber auch, wenn ihr noch unsicher seid, ob es für euch passt. Das finden wir gerne gemeinsam mit euch raus und wir versuchen, so viel wie möglich hinzubekommen, 2026 und in den nächsten Jahren

*Exkurs:

Was sind braver spaces?

Braver Spaces sind Räume mutigen Lernens, „in denen wir zwar Verletzungen manchmal nicht verhindern können, aber darauf vertrauen können, dass es die Bereitschaft und erprobte Formen dafür gibt, sich kollektiv mit diesen Erfahrungen auseinanderzusetzen“ (Koktis/Thuswald). Solche Räume können den Dialog fördern, insbesondere zu herausfordernden Themen. Um solch einen Raum zu ermöglichen, ermutigen wir Menschen, die teilnehmen und mit uns diese Woche erleben wollen, die folgenden Punkte zu berücksichtigen:

Jede Person bemüht sich darum, ein Bewusstsein über die eigenen Vorurteile, Annahmen, Intentionen und Voreingenommenheit zu schaffen. Dabei ist die eigene Selbstreflexion besonders wichtig.

Jede Person behält Offenheit gegenüber Neuem und hat den Willen zuzuhören, zu lernen und zu verstehen.

Jede Person erkennt die Lebensrealitäten, Stärken und Beiträge der anderen an und wertschätzt sie.

Jede Person übernimmt Verantwortung für ihr eigenes (Un-)Wissen, Lernen und Handeln.

Jede Person hinterfragt nur Ansichten – nicht Menschen.

Jede Person erlebt Situationen unterschiedlich – das bedeutet, jede Person versucht, in „sowohl als auch“ statt „entweder oder“ zu denken.

Wenn es dennoch zu Verletzungen kommt, möchten wir euch dazu ermutigen, aufeinander zuzugehen, sie anzusprechen und darüber ins Gespräch zu kommen. Dabei erfordert es auch Mut, sich verletzlich zu zeigen und Feedback anzunehmen. Wenn euch das allein nicht möglich ist oder schwerfällt, unterstützten wir euch zusammen mit unserem Awareness-Team gerne dabei.

Kontakt: mutualaidheat.de (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) oder kontakt@mutualaidheat.de (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

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