Passer au contenu principal

Während Geister in meinen Wänden wohnen, werde ich zur Katze

"ich möchte von dir umgeben sein", siebdruck auf textil, calendal


Dieser Newsletter enthält die Erzählung „während Geister in meinen Wänden wohnen werde ich zur Katze“ von mir. Nach einigen Veranstaltungshinweisen und inhaltlichen Tipps.

Gerne hätte ich den Text vom letzten Monat nochmal geschrieben, aktualisiert, denn die Politik der Angst schläft nicht. Danke für die lieben und anreichernden Rückmeldungen zu „Angst macht keinen Lärm (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)“. In dem dunklen Flur meiner Großeltern hing, so lange ich mich erinnern kann, ein kleines Bild mit einer Person, die eine Kerze anzündet, und dem Spruch: „es ist besser, eine Kerze anzuzünden, als über die Finsternis zu klagen“. Manchmal reicht es, sich gegenseitig wahrzunehmen. Ich denke, dass das auch gerade bei den no kings Protesten in den USA stattfindet.

Aus der Dunkelheit der incel„kultur“ ist das Looksmaxxing an die Oberfläche gespült worden. Eine gute Einordnung und deep dive gibt es dazu, allerdings auf English, bei „In Bed with the Right“: https://open.spotify.com/episode/43G6lTeOL4cZ7PR79BOUmH?si=ZYu6aoUmSmKr0C9gL3H8BA (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Am 23.4 hat das vielversprechende Projekt „This is just us - naked in the face of the world“ am Theaterhaus Jena Premiere. https://www.theaterhaus-jena.de/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) Unter anderem mit den großartigen Thato Kämmerer und Mona Louisa-Melinka Hempel, die auch bei „l´amourtoujours (reprise/dirtycare)“ auf der Bühne standen.

Passend zu der gerade abgeschlossenen Mondumkreisung feiert am 30.4 „Die Mondreise“ https://produktionshausnaxos.de/event/die-mondreise/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) die neue Produktion von Chiara Marcassa am Studio Naxos Premiere. Ich möchte auf diese Produktion vor allem wegen der Soundarbeit von Antonia Alessia Virginia Beeskow hinweisen, deren Installation „DÄMONEN,“ noch bis zum 31.5 als Teil der Ausstellung „Deutsch“ in dem Kunstverein Heidenheim zu sehen ist. https://kunstmuseum-heidenheim.de/deutsch-8-maerz-31-mai-2026/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Und zum Schluss meiner Empfehlungen kommt noch der Workshop „Tears of sadness, Tears of joy“ von dem freien performance Kollektiv Chicks* in Bremen. Während in der Öffentlichkeit über einsame cis-Männer gesprochen wird, ist das ein Workshop für queere Einsamkeit. I wish I could be there. Und I wish es wäre für mein Alter. Der Workshop ist für Menschen zwischen 18–26 Jahre. „Gemeinsam erproben wir queere Trauerrituale und zelebrieren Queer Joy!“
Anmeldungen dafür unter folgender Adresse:

https://www.vhs-bremen.de/kurssuche/kurs/Tears-of-Sadness-Tears-of-JoyQueerer-Einsamkeit-gemeinsam-begegnen-Ein-queer-feministischer-Theaterworkshop/261M87-103 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Jetzt viel spaß mit meiner Erzählung.


Während Geister in meinen Wänden wohnen, werde ich zur Katze

Auf meiner Bettkante sitzend,
müde und zwischen träumen
hör ich dich räuspern.

Ich mache einen Espresso. Im Kühlschrank ist noch der 99-Cent-Rewe-zuckerfreie Soja-Yoghurt und eine zwei-Euro-Mango aus dem südindischen Tante-Emma-Kaṭai die Straße runter.
Girl Dinner.
Ich füttere mich.
Schwerer Atem.
Das regionale Radio spielt den Jingle für die Nachrichten.

Du schlurfst von meinem Wohnzimmer in dein Arbeitszimmer, zumindest nehme ich an, dass da dein Arbeitszimmer ist, es mindestens auf dem Gebäudeplan als dein Arbeitszimmer eingezeichnet wurde. Schlurfst in dein Arbeitszimmer und machst eine Zigarette an. Ich würd gern wissen, was du geträumt hast, während der Fernseher lief.
Ist dein Traum die Verlängerung der Tierdoku oder die Tierdoku die Verlängerung deines Traums gewesen?
Die Gazelle hetzt im Zickzack über den Wohnzimmerteppich und springt in den Kaffeebecher, sucht Schutz vor der Löwin, die, getrieben von ihrem Pflichtbewusstsein für ihre beiden Kinder, ihr hinterherhetzt, der separierten von der Herde, die schwächste, zwei bis drei Tage essen, gleich reißt sie sie, doch aus der Brühe schlägt ein Krokodil zu, das nur darauf gewartet hat, mit offenem Mund, zwei Wochen lag es hier zwischen weiß-grünem Gewächs, reißt die Gazelle, die nun auch von der Löwin gerissen wird, zwischen den Mündern, blutverschmiert, von weitem sieht es nach einem kindlichen Ziehen aus, die Fangzähne bohren sich in das Fleisch und die Milch färbt den Kaffee braun.

Ich huste.
Der Qualm ist mir in den Mund gezogen, mache mein Fenster zu und du zündest dir eine weitere Zigarette an.
Wo beginnt dein Körper, wo endet meiner?
Drei Wochen hoffe ich nun schon auf den Medical-Industrial Complex. Hoffe darauf, dass sich mein Körper meinen Gedanken, meinem Fühlen anschmiegt. Alles, was ich bisher bekommen habe, ist ein krummer Rücken, der schmerzt, wenn ich mich nicht genug dehne.
Sometimes I see your face.
I wish that you were there.
Sometimes I see your eyes
and I know
love never dies.

Wir sitzen beide auf meinem Bett. Du sitzt links von mir. Ich merke es, weil der kalte Rauch sich mit dem frischen Rauch vermischt. Es erinnert mich an meine Nachhilfe-Englishlehrerin. Ein trauriges Leben in Rauchwolken gefangen.
Wir haben uns noch nie berührt.

Sehe ich dich?
Meistens spüre ich nur deine Präsenz, höre dich räuspern, schlurfen und stöhnen.
Ich frag mich, wie du mich wahrnimmst.
Von einander getrennt, aber so nah.
Mir wächst mittlerweile ein vorsichtiges Fell, das den Regen von meiner Haut abfängt bei leichtem Regen. Noch reicht es nicht, mich vor starkem zu schützen, dann springe ich in meine Wohnung und höre den Tropfen und dem Wind zu, wie sie wütend die Untätigkeit der Menschen anklagen.

Ich versuche mich, mich an dich anzuschmiegen. Unbeholfen, noch nicht ganz Katze, aber schon die Bedürfnisse und in Teilen das Aussehen. Sometimes I see it in my eyes.
Ich stolpere. Stürze von meiner Bettkante, rolle mich am Fuß ein. Da, wo ich dich vermutet hatte, ist Leere und dein Geruch, den ich unter Tausenden erkennen würde.
Ich hör dich wieder räuspern. In der Ferne. Einsam.

Wie konntest du so schnell den Ort wechseln?
Warst du überhaupt neben mir?
Deine Routinen orientieren mich.

Wenn der Jingle des lokalen Nachrichtensenders das zweite Mal durch meine Planken dröhnt, ist es 10 Uhr und ich muss am Schreibtisch sitzen, Mails beantworten, Espresso machen, konzentriert darauf teilzuhaben an der Gesellschaft.
Katze, nicht Geist, werden.
Wenn es nicht regnet, gehe ich dann spazieren,
wenn ich danach die Treppen wieder hinaufsteige, schwebt dein Geruch mir entgegen.
Ich setze Nudelwasser auf,
halte mein Feuerzeug an das strömende Gas,
Pfanne, Öl,
mit den Überresten des Kühlschranks,
Rosmarin, Paprika edelsüß, etwas Chili.

An manchen Tagen stelle ich mir vor, wie mein Leben sich ändert, wenn sichtbar wird, dass ich Katze bin, dann zögere ich, zögere und glaube, Angst davor zu haben, nicht Katze genug für die anderen zu sein, nur Katze für die Straßenbahn, nicht aber Katze für die Umkleide.

Katze für den Strand.

Katze fürs Amt.

Let there be love.

Ich habe dich noch nie gesehen.

Oben bei den Lebewesen.

Einmal
blickte ich in deine Augen,
tiefe dunkle Augen,
tiefe dunkle Augenringe,
so dunkel wie der Sixer Cola, den du an drei Fingern über dem Boden hieltest,
1,5 Liter, sechs Mal,
am Ende eines schweren, schwerfälligen Geisterkörpers.
Du bleibst wach, wenn ich schlafen gehe.
Siehst du das Leid der Welt,
während mir die Augen zufallen,
höre ich dich schnauben,
während ich versuche, mich im Raum aufzulösen,
höre ich dich husten,
zum Soundtrack, auf den du schon lange nicht mehr hereinfällst,
der versucht, den Bildern eine Erzählung zu geben.
Du schlurfst durch meine Wohnung, deckst mich zu, machst dir eine Zigarette an, atmest den Rauch aus.
Wenn ich aufwache, wird es sich so anfühlen, als seist du gerade noch an meinem Bett gewesen.

Etwas Panik in meiner Brust,
aber du bist schon wach,
räumst,
tust.
Ich habe nie herausgefunden,
wann du,
ob du
schläfst.
Die Frühnachrichten laufen und mein erster Espresso steht auf dem Herd.

0 commentaire

Vous voulez être le·la premier·ère à écrire un commentaire ?
Devenez membre de weiter machen et lancez la conversation.
Adhérer