Gemeinsam mit ihren Kindern Lea und Paul reisen Barbara und Thomas in die Abgeschiedenheit der Berge. Als Mitglieder eines kosmischen Kults folgt die Familie dem Ruf ihres Gurus. Dieser versammelt seine Anhänger angesichts des herannahenden Kometen Calypso, um mit dessen Hilfe spirituell zum Jupiter zu reisen und dort ein paradiesisches Leben zu finden. Zunächst verteidigt die vierzehnjährige Lea noch den Glauben der Eltern, doch als sie erfährt, dass zu dem geplanten “Kometenritual” auch die Loslösung vom eigenen Körper gehört, beschließt sie, sich dem Massensuizid der Sekte zu entziehen.
Jupiter ist ein mehrfach ausgezeichnetes Coming-of-Age-Drama aus dem Jahr 2023. Der Film ist das Spielfilmdebüt von Benjamin Pfohl und setzt den gleichnamigen Kurzfilm des Regisseurs aus dem Jahr 2019 fort. In den Hauptrollen sehen wir Mariella Aumann als Lea, Laura Tonke als Barbara, Andreas Döhler als Thomas und Ulrich Matthes als Guru.
Eingebettet in das Sektendrama erzählt Jupiter vom Erwachsenwerden, von Abnabelung, Familienzusammenhalt sowie gesellschaftlichen und religiösen Zwängen. Hier geht es nicht darum, naserümpfend mit dem Finger auf Andersgläubige zu zeigen. Vielmehr ließe sich das Kultleben ebenso gut durch christliche Vorstellungen und Praktiken ersetzen. Ich kann verstehen, dass sich Menschen in dieser Welt fremd und fehl am Platze fühlen, ihr Leid hinter sich lassen wollen und von einer geistigen Welt träumen. Das eigentlich Problematische ist, dass Leas Eltern in religiösen Dingen für ihre Kinder entscheiden und ihnen ihr eigenes Glaubenssystem aufzwingen. Und das machen alle etablierten Religionen mit Taufe und Co. eben auch.
Die im Film gezeigte Sekte erinnert in ihren Lehren an Scientology, die Raël-Bewegung und andere UFO-Religionen. Die meisten Parallelen gibt es jedoch zu der Kultgemeinschaft Heaven´s Gate, die den menschlichen Körper als Hülle sah, die es abzulegen galt, um in einer feinstofflichen Form auf ein Raumschiff überzuwechseln, das hinter dem Kometen Hale-Bopp wartete. Zu diesem Zweck begingen 39 Gläubige der Sekte im Jahr 1997 Massensuizid.
Leider ist Jupiter mit seinen trägen, traumwandlerischen Szenen sowie den Rückblenden aus dem banalen Leben der Familie ziemlich zähflüssig und braucht zu lange, um zur Sache zu kommen. Das Thema des Films ist hoch interessant und einige Worte des Gurus geben wirklich Anlass zum Nachdenken; die reizlose Inszenierung konnte mich jedoch nicht wirklich fesseln.
https://www.imdb.com/de/title/tt27169848/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)