Die psychisch schwer gestörte Aussteigerin Maria und ihr erwachsener, geistig behinderter Sohn Johannes leben hoch in den Bergen in einer kleinen Almhütte, die isoliert vom Rest der Welt ist. Sie haben zum Christentum gefunden und ihr Alltag ist geprägt von psychotischen Ritualen, Gebeten und ausufernder Selbstverletzung. Als ihr Land touristisch erschlossen werden soll, fühlen sich die beiden in ihrem einfachen Leben und der altertümlichen Ausprägung ihrer Religion gestört. Sie sollen weggeekelt und zum Verkauf ihres Landes gezwungen werden. Dadurch gestresst und durch die christliche Religion schwer gezeichnet, quält, tötet, verstümmelt und verbrennt Johannes seine Mutter.
Luzifer ist ein österreichisches Horrordrama von Peter Brunner aus dem Jahr 2021. Ulrich Seidl produzierte den Film. In den Hauptrollen sehen wir Franz Rogowski als Johannes und Susanne Jensen als Maria. Susanne Jensen ist eine interessante Besetzung: die deutsche Künstlerin, Autorin und evangelische Pastorin geht sehr offen mit ihrer abscheulichen Vergangenheit um - sie war als Kind und Jugendliche sexualisierter Gewalt ausgesetzt. Jensen ist meist kahlrasiert, tätowiert und trägt oft ein Hundehalsband. Zusammen mit Franz Rogowski, bekannt aus den Filmen Victoria (2015), Tiger Girl (2017), Fikkefuchs (2017), Transit (2018) und Große Freiheit (2021), ist sie eine passende Besetzung für diesen eigensinnigen und verstörenden Film.
Luzifer ist wahrhaft harte Kost. Wenn ein Ulrich Seidl die Finger im Spiel hat, ist das zu erwarten. Das Setting und die Stimmung des Films erinnerte mich stark an Lukas Feigelfelds Hagazussa - Der Hexenfluch (2017). Luzifer entfaltet die volle Bandbreite eines existentialistischen Horrors, der sich in drei Facetten manifestiert: der Natur, dem Körper und der Religion. Alles, was uns Menschen ausmacht, wird hier als Horror gezeigt.
In Luzifer wird wenig gesprochen und das Wenige ist geflüstert, gestammelt, gestöhnt und immer mit breitem Dialekt. Man versteht nicht sehr viel, das ist aber in diesem Fall gar nicht so schlimm. Von den religiösen Sprüchen, die Maria täglich von sich gibt, ist vor allem "Wo ist der Teufel?" gut zu hören. Im Zusammenspiel mit der bildgewaltigen Ästhetik und der krassen Stimmung reicht das auch vollkommen aus, um die Botschaft zu verstehen.
Dieser Folk-Horrorfilm braucht keine Worte, er ist voller religiöser Symbole und überzeugt mit seiner erschreckenden Handlung. Das ist alles andere als Standard-Horrorkost, das gefällt mir gut.
https://www.imdb.com/title/tt8174628/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)