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Leidenschaften (1985)

Das wohlgeordnete Leben der Diplomatengattin Louise von Hollendorf im Berlin des Jahres 1938 wird ordentlich durcheinandergebracht, als Matsuko, die Tochter des japanischen Botschafters, in ihr Leben tritt. Zunächst hin- und hergerissen zwischen Abwehr und erotischer Anziehungskraft, entwickelt sich zwischen den beiden eine leidenschaftliche Affäre. Doch schon bald wird Louise in den Händen Matsukos zur willenlosen Abhängigen. Als auch ihr Mann Heinz der japanischen Liebeskünstlerin verfällt, entwickelt sich eine Dreierbeziehung, die von Eifersucht und der ständigen Gefahr der Entdeckung durch die Nazi-Behörden überschattet ist. Für die eiskalte Matsuko ist die Liebe nur ein aufregendes Spiel, das sie gewinnen will. Aus Liebe wird Besessenheit, die in den Suizid führt.

Liliana Cavani, die Fachfrau für Transgression, Sadomasochismus und Faschismus, legte 1985 "Interno berlinese", wie das Werk im Original heißt, vor. Wieder nimmt sie uns mit in die Welt von Faschismus, Sex und Unterwerfung, wie wir es u.a. von Der Nachtportier (1974) kennen. In Leidenschaften ist die Darstellung von Sexualität und Nationalsozialismus allerdings viel subtiler, die symbolhafte Bildsprache ist aber - typisch für Cavanis Filme - auch hier vorhanden. Wir sehen Mio Takaki als Matsuko, Kevin McNally als Heinz und die fantastische Gudrun Landgrebe als Louise, die seit dem Film Die flambierte Frau (1983) stark mit Sex und Dominanz assoziiert wurde.

Das eher ruhige Drama entwickelt nicht nur durch das ästhetische Setting einen Sog, auch die verbotenen Beziehungen der drei Protagonisten machen neugierig. Die Sexszenen sind sehr theatralisch dargestellt, was die fast körperliche Abhängigkeit nach Matsuko unterstreicht. Man sieht hier keine SM-Praktiken, dafür psychologische Dominanz und sexuelle Hörigkeit. Interessant ist auch das Kulthafte der Dreiecksbeziehung, was sich in ritualartigen Handlungen und quasireligiöser Aufrechterhaltung von Leid äußert. Das korrespondiert mit dem allgegenwärtigen Führerkult im faschistischen Deutschland dieser Zeit. Den Film religiös zu deuten macht Sinn, denn Leidenschaften beruht auf dem Roman "Manji" (japanisch für Hakenkreuz) von Tanizaki Jun’ichirō, der viele religiöse Themen und Symbole enthält (und aufgrund des Titels nie in deutsch erschien). Wer mehr über den Film und seine zahlreichen Deutungsebenen erfahren will, dem empfehle ich Sabine Ameskamps Beitrag in dem Buch "Liliana Cavani - Unterwerfung und Transgression".

Leidenschaften besitzt nicht die gleiche transgressive Wucht wie z.B. Liliana Cavanis Die Haut (1981), ist aber dennoch ein schön gemachter Film mit guten Schauspielern, der zu gefallen weiß, wenn man sich auf ihn einlässt.

https://www.imdb.com/de/title/tt0088789/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Sujet Film