Lyubas junges Leben ist geprägt von Misshandlungen durch verschiedene Männer. Ihre Mutter musste bereits Gewalt durch ihren Mann ertragen. In dieser schrecklichen Tradition lebt nun auch Lyuba und wird von klein auf psychisch und physisch gepeinigt. Auch ihre Ehe ist wieder von toxischer Männlichkeit geprägt und steht kurz vor dem Ende. Auf der Suche nach psychischer Heilung begibt sie sich mit zwei Freundinnen zu einem neoheidnischen Retreat mitten auf einer kleinen Insel im Wald, wo sie ihre Ängste zu überwinden versucht. Durch die Rituale und Drogen, die dort zur Therapie eingesetzt werden, weiß Lyuba bald schon nicht mehr, was Realität ist und was nicht. Dennoch muss sie ihre Vergangenheit und ihr familiäres Gemachtsein aufarbeiten.
Der slowenisch-russische Horrorfilm von Denis Kryuchkov ist auf internationalem Produktions- und Schauspielniveau. Auch wenn der Film aus dem Jahr 2022 in englischer Sprache für einen internationalen Markt gedreht wurde, kann man nur hoffen, dass er ebenso in Russland gezeigt wird. Es ist allerdings fraglich, in wie weit eine Auseinandersetzung mit toxischer Männlichkeit dort geduldet wird.
Mit den slawischen Folk-Versatzstücken und der sektenartigen Gemeinschaft erinnert das Ganze ab und zu an Midsommar (2019), doch diesen Vergleich muss ich eigentlich sofort wieder zurücknehmen, denn dafür ist die Story von The Healing einfach zu wirr. Lyuba tötet einen Menschen, kommt auf einen Scheiterhaufen, ihr widerlicher Ehemann schießt plötzlich mit einem Sturmgewehr auf sie und nie weiß man, ob das nun eine drogeninduzierte Halluzination ist oder real.
Zwei Dinge haben mir an dem Film aber gut gefallen. Zum einen die schwarze Rachegöttin aus Rauch und der Story-Twist am Ende, bei dem klar wird, dass jeder toxische Täter irgendwann auch einmal ein Opfer seiner Eltern war. The Healing ist ein durchwachsener Film mit einzelnen Highlights.
https://www.imdb.com/de/title/tt33042441/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)