Die Hotelierstochter Eva begegnet zufällig der Soziologin und Mythenforscherin Magdalena, die als Domina "Lady Maria" in einem SM-Studio arbeitet. Fasziniert von dieser bizarren und freien Welt, begibt sich Eva auf die Suche nach ihrer Sexualität und beginnt eine Reise durch die verborgenen Orte der Lust. Dabei besucht sie ein SM-Studio, einen Swingerclub und eine Stripteasebar und versucht, den Normen und der Doppelmoral ihres großbürgerlichen Umfeldes zu entkommen. Lady Maria setzt derweil das Geschehen in ihrem Studio in Beziehung zu Religion, Anbetung, Beichte, Strafe, Vergebung, Sehnsucht, Identität, Einsamkeit und Geborgensein. So entsteht in einer scheinbar dunklen Welt eine Wärme und eine Menschlichkeit, wie sie in der Dominanzgesellschaft nicht zu finden ist.
24/7 The Passion of Life ist ein deutsches Drama von Roland Reber aus dem Jahr 2005. Der Film ist eine ambivalente Angelegenheit. Produktionstechnisch auf dem Niveau von öffentlich-rechtlichen Daily Soaps und mit laienhaften Schauspielern besetzt, ist das Ganze schon sehr schwer zu ertragen. Hinzu kommt ein grauenhafter Soundtrack irgendwo zwischen Pur und Rod Stewart sowie eine ganze Reihe von absurd-komischen Szenen.
24/7 The Passion of Life stellt aber zugleich interessante Fragen zu Sexualität und Identität, hat einige philosophische Momente, zeigt Humor und stellt BDSM und die Swinger-Szene realistisch dar. Letzteres sieht man u.a. daran, dass die teils expliziten Filmszenen an Originalschauplätzen, wie dem "Studio Bizarradies" in München, gedreht wurden. So sind viele Nebenrollen mit echten BDSM-Menschen, Swingern und Stripperinnen besetzt, die sich selbst spielen.
Die Kritik war damals ebenso zwiegespalten, während Szene-Stimmen das Werk als ersten deutschen Spielfilm feierten, der sich die Mühe macht, BDSM angemessen zu zeigen, konnten vor allem bürgerliche Medien mit dem Film gar nichts anfangen. 24/7 The Passion of Life ist einerseits übler Trash, aber auch ein Film über das Ausleben nicht heteronormativer Lebensentwürfe und das Ausbrechen aus repressiven Milieus. Er ist eine wilde Mischung aus Poesie und Obszönitäten und ein durchaus philosophischer, tiefgehender Film. Mit ein bisschen mehr Budget, einer professionelleren Besetzung in den Hauptrollen und einem anständigen Soundtrack hätte hieraus etwas ganz Großes werden können.
https://www.imdb.com/de/title/tt0450233/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)