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Rohtenburg (2006)

Die junge Studentin der Kriminalpsychologie Katie Armstrong hat sich für ihre Abschlussarbeit den Fall des Kannibalen von Rohtenburg ausgesucht. Sie reist nach Deutschland und rekonstruiert zunächst die Lebensgeschichten des Kannibalen Oliver Hartwin und seines freiwilligen Opfers Simon Grombeck. Immer tiefer wird sie in die düstere Welt der beiden Männer gezogen. Als ihr ein Video zugespielt wird, das von Oliver Hartwin aufgenommen wurde und die Tatnacht zeigt, kann sie ihrer Neugier nicht widerstehen und schaut es sich an. Das hätte sie wohl besser nicht getan.

Rohtenburg aus dem Jahr 2006 ist das Spielfilmdebüt von Martin Weisz, der zuvor als Musikvideoregisseur arbeitete. Sein zweiter Film war übrigens The Hills Have Eyes 2 (2007). In den Hauptrollen sehen wir Thomas Kretschmann als Oliver Hartwin, Thomas Huber als Simon Grombeck und Keri Russell als Katie Armstrong. Thomas Huber und Thomas Kretschmann spielen wahrhaft außergewöhnlich. Gerade Kretschmann zeigt hier eindrucksvoll, warum er einer der bekanntesten deutschen Exportschlager in Hollywood ist.

Der Thriller orientiert sich an den tatsächlichen Ereignissen im Fall Armin Meiwes, der 2001 Bernd Brandes mit dessen Einverständnis tötete und Teile von ihm aß. Rohtenburg sollte Anfang 2006 in den Kinos anlaufen, wurde dann aber vom Oberlandesgericht Frankfurt per einstweiliger Verfügung untersagt. Armin Meiwes sah seine Persönlichkeitsrechte durch das Werk verletzt und ging juristisch dagegen vor. Die Verzögerung brachte dem Film letztlich eine gehörige Portion Kultstatus ein. Nach einigem juristischen Hin und Her hob der Bundesgerichtshof das Verbot schließlich auf, sodass der Film im Sommer 2009 in die deutschen Kinos kommen konnte.

Rohtenburg ist ein eindringliches und außergewöhnliches Werk. Poetisch, dicht, eindrucksvoll und abgründig wird die Geschichte des Kannibalen von Rotenburg und seines hingebungsvollen Opfers erzählt. Je tiefer Katie Armstrong in den Fall eintaucht, desto länger dauern die Szenen, die die Tatnacht zeigen. Die Zuschauer werden so in einen dunklen Abgrund gezogen, der ihnen die einsamen Leben und paraphilen Gedanken der beiden Männer auf eine Weise nahebringt, wie es in einem Film nur möglich ist. Das ist hier ganz großartig inszeniert.

Rohtenburg ist ohne Übertreibung als einer der abgründigsten Filme aller Zeiten zu bezeichnen und gehört für mich in eine Riege mit Roter Drache (2002), Alexandre Ajas Maniac (2012), Der goldene Handschuh (2019) und Joker (2019) - die es allesamt schafften, in die faszinierende Vorstellungswelt von psychisch kranken Straftätern zu blicken. Rohtenburg zeigt darüber hinaus den echten Horror aus der real existierenden Welt der Metzger und Langschweine.

Wer mehr über Armin Meiwes, seine Paraphilie und den Justizskandal in Bezug auf seinen Fall erfahren möchte, dem empfehle ich Petra Klages Buch "Serienmord und Kannibalismus in Deutschland". Neben einem Vorwort von Mark und Lydia Benecke finden sich hierin u.a. auch verstörende Kurzgeschichten und Zeichnungen von Armin Meiwes persönlich.

https://www.imdb.com/title/tt0448400/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Sujet Film