Letztes Wochenende war ich zum Geburtstag eingeladen und saß mit meiner Familie im Innenhof des Lokals. Ein vergissmeinnichtblauer Himmel spannte sich über uns auf, die Kirchenglocken läuteten, es war der Höhepunkt eines langen Wochenendes, auf das ich mich sehr gefreut hatte. Nachdem ich mir ein Gericht von der Speisekarte ausgesucht hatte, fragte ich die anderen, worauf ihre Wahl gefallen war.
Dabei ging ich so zielstrebig vor, dass es mir selbst komisch vorkam. In genau diesem Moment fragte einer: Nimmst du die Bestellung auf?
Nimmst du die Bestellung auf?
Erwischt. Er machte mich darauf aufmerksam, dass ich eine Aufgabe übernahm, die nicht meine war. Das hatte ich kurz zuvor selbst gespürt. Und es wurde noch interessanter: Als es bei der echten Bestellung Unklarheiten gab, wandte sich die Servicekraft intuitiv an mich. Irgendetwas in meiner Haltung bewog sie dazu, mir die Rolle zu spiegeln, die ich kurz zuvor unbewusst eingenommen hatte. Natürlich konnte ich dann helfen.
Ich erzähle davon, weil ich nicht glaube, dass es nur mir so geht. People Pleasing – die Tendenz, für Ablauf, Stimmung und Wohlbefinden der anderen zu sorgen – ist weit verbreitet. Studien zeigen: Wer so tickt, orientiert sich stark an den Erwartungen anderer und stellt die eigenen Bedürfnisse zurück.

In der Persönlichkeitsforschung zeigt sich, dass diese Form der Anpassung oft mit hoher sozialer Sensibilität einhergeht. Man spürt viel und übernimmt schneller. Der Preis dafür ist eine höhere innere Anspannung, die von außen oft unsichtbar bleibt.
Besonders bei Frauen findet sich dieses Muster. Denn viele sind genau damit und darin groß geworden: mitzudenken, vorauszudenken, zu verbinden.
Kein Wunder also, dass Care-Arbeit in Familien in aller Regel ungleich verteilt ist. Die Mutter denkt an Geburtstage, organisiert Geschenke, behält den Haushalt im Blick – sie trägt die mentale Last, den Mental Load. Und wenn die eigenen Eltern Unterstützung brauchen, sind es in den meisten Fällen die Töchter, die sich kümmern.
Genau das spitzt sich oft in der Mitte des Lebens zu, wenn vieles gleichzeitig kommt: die eigene Familie, vielleicht Kinder, dazu pflegebedürftige Eltern – und der eigene Anspruch, allem gerecht zu werden. Viele Frauen geraten in dieser Phase zwischen die Rollen, zwischen Fürsorge und Erschöpfung, Verantwortung und dem Gefühl, das leise anklopft, selbst kaum noch vorzukommen.
Meine Arbeit mit Hypnose setzt an diesem Punkt an. Sie kann helfen, erlernte Muster zu erkennen und vor allem loszulassen. Dazu passend erscheint heute im Podcast: Die Wilden Schwäne (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)von Hans Christian Andersen. Ein Märchen über ein Mädchen, das jahrelang schweigt und trägt und opfert für andere, ohne Klage. Das Märchen ist eines meiner Lieblingsmärchen, und ich habe es 2022 eingesprochen. Es wird Teil der geheimen Märchenbibliothek (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).
Davor hörst du eine hypnotische Entspannungssequenz, in der sich ein Stöckchen, festgeklemmt im Fluss, lösen darf. Ein starkes Bild für etwas, das sich verändern darf.
Und damit noch einen schönen Sonn- und Muttertag.

Entspannung wirkt ist eine unabhängige Publikation mit Onlinemagazin und dem Mitgliederbereich Abendraum – Magie der Veränderung. Du bist herzlich eingeladen.