Oder: Mama hat ein bisschen frei

Die Stadt pulsiert – bunt, laut, voller Stimmen. Straßenbahnrauschen, Straßenmusiker, fließendes Leben. Ein Kaleidoskop aus Farben, Klängen und Gerüchen, das den flüchtigen Augenblick zur Bühne erhebt. Und mittendrin ich. Ohne mein Minimic wäre ich rettungslos verloren im Wust der Geräusche, ein auditiver Schiffbrüchiger auf dem Meer des urbanen Lärms. Mit ihm aber gelingt Teilhabe – ich höre, lache, nippe, nicke, und ja: ich bin dabei. Meine Begleitung wie immer ein Traum. Gelebte Rücksicht, Wertschätzung und Gespräche auf Augenhöhe. Was kann da schief gehen?

Trotzdem ist mein meistgesprochenes Wort oft „Hä?!“ – akademisch ließe sich das als eine minimalistische Reduktion der kommunikativen Kompetenz auf eine Ein-Silben-Interjektion beschreiben. Gleichwohl: ich bemühe mich redlich, die Gesprächsfäden nicht abreißen zu lassen. Manchmal ist auch eine elegant geformte Nachfrage schlicht ein „Hä“. Mein Gegenüber? Nimmt's gelassen und wiederholt was das Zeug hält. Es fühlt sich wirklich gut an. So leicht.
Das Abendessen in der Stadt war gesäumt von Straßenmusik und lachenden Menschen. Lebhaft. Schön. Und siehe da – mit etwas Unterstützung und diskretem Soufflieren erkannte ich sogar den Refrain eines Liedes. Man verzeihe mir den Stolz, doch das ist inmitten solch gearteten Störlärms eine beinahe herkulische Leistung: aus dem akustischen Chaos eine Melodie herauszufiltern.

Fröhliche Gesichter ringsum, Gespräche, die wie Wellen durch die Luft rollten, manche tanzten spontan zur Musik, die von der Straßenecke in die Menge flutete. Der Musiker spielte laut – sehr laut. Und doch genoss ich es. Die Klänge trugen, machten die Luft lebendig, machten selbst den Lärm zu einem Stück Vitalität.
Es war ein schöner Abend. Ein besonderer Moment. Ein Stück Stadtleben, in das ich mit ganzer Seele eintauchte – endlich wieder....
Nach dem Essen – da stand sie vor mir: meine Weinschorle. Ach Gott, vor vier Jahren hatte ich das letzte Mal angestoßen. Ich trinke sonst keinen Alkohol. Aber in manchen wirklich sehr, sehr wenigen Momenten (nie) schiebe ich Prinzipien zur Seite, lasse die Wasserbüffelin im Inneren grummelnd protestieren, und stoße mit an. Nicht, um mich zu betrinken, sondern um zu genießen. Also gestern. Und es war perfekt für diesen Moment.
Ein Schluck, leicht und prickelnd, war mehr als nur ein Getränk. Es war Auftakt und Innehalten zugleich, das Schmecken des Lebens selbst. Ein kleiner Zwischenmoment, in dem alles leicht war, in dem ich wusste: dieser Abend wird gut. Gerade das ist wichtig – nicht der Alkohol, sondern die feine Abrundung, das Wissen um den perfekten Augenblick, bevor die Musik den Raum füllte und die irische Nacht ihren Takt diktierte.
Seit Jahren war ich nicht mehr hier, und nun saß ich