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Zwischen Mimik und Melodie der Worte – ein Theaterabend mit Der Menschenfeind

Ein Abend im Landestheater Niederbayern – und auf dem Spielplan: Der Menschenfeind, jenes feinsinnig-bissige Werk von Molière, das Gesellschaft seziert wie ein Chirurg mit Hang zur Ironie.

In Prosa.

Und allein diese Entscheidung – weg von der gebundenen Sprache, hin zur fließenden, zugänglicheren Form – verhieß eine gewisse Gnade. Eine leise, beinahe promissorische Hoffnung: dass das Gesagte sich nicht nur entfaltet, sondern auch tatsächlich ankommt. Verständlicher. Greifbarer. Weniger verhüllt im kunstvollen Korsett der Verse.

Und ja – der Kontext: schlüssig, klar, in sich kohärent. Und dennoch von jener Tiefe durchzogen, die sich nicht einfach greifen lässt, sondern sich eher erschließt wie ein Gedanke, der insistiert, während man ihn noch zu fassen versucht.

Für mich jedoch – und ich sage das mit einer Mischung aus Selbstironie und stiller Akzeptanz – bleibt das Schauspiel eine Herausforderung eigener Kategorie.

Etwa siebzig Prozent dieses Abends gehören dem Auge.

Dreißig Prozent – mal großzügig bemessen, mal unerquicklich reduziert – dem Ohr.

Ein Verhältnis, das sich nicht verhandeln lässt, sondern schlicht gegeben ist.

Ich sehe.

Ich lese Körper.

Ich dekodiere Mimik, Gestik, Spannungen im Raum.

Das ist mein Zugang, mein privilegierter Eintritt in diese Welt. Worte hingegen – ach, diese flüchtigen, sich entziehenden Gebilde – sind bisweilen eher ein scheues Beiwerk. Würze, ja. Aber nicht das tragende Fundament.

Und doch: Dramen…

Dramen sind meine leise Leidenschaft.

Sie leben vom Ausdruck. Vom Gesicht. Vom unausgesprochenen Zwischenraum. Worte unterstreichen hier nur, was ohnehin schon in der Luft liegt – dicht, spürbar, beinahe greifbar. Eine Form der Kommunikation, die sich nicht ausschließlich auf das Gehör verlässt, sondern abundant aus dem Körper selbst schöpft.

Komödien hingegen… nun ja.

Da sitze ich.

Der Saal lacht.

Und ich – mit einem innerlich leicht konsternierten Wiesel, das hektisch mitzählt – denke:

Ah. Pointe 125. Verpasst.

Es ist ein eigentümlicher Moment.

Man gehört dazu – und gleichzeitig auch nicht ganz.

Ein feiner Riss in der Gleichzeitigkeit des Erlebens.

Und dennoch gehe ich. Immer wieder.

Warum?

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