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„Die Schönheit der Dinge lebt in der Seele dessen, der sie betrachtet.“ David Hume

Ich sehe die Welt mit anderen Augen

Vor einiger Zeit geschah etwas Unerwartetes: Man bewunderte mich dafür, wie ich die Welt betrachte. Dafür, was ich alles sehe – und vor allem wie ich es sehe.

Bis zu diesem Augenblick war ich im festen Glauben, mein Blick auf die Dinge sei nichts Besonderes, sondern schlicht das Selbstverständliche. Ich nahm an, meine kleinen und großen spontanen Entdeckungen würden auch allen anderen so unmittelbar, so ungefiltert ins Auge springen.

Weit gefehlt, wie ich in jenem Gespräch lernte.

Ich sehe die Welt mit anderen Augen – nicht schärfer vielleicht, doch anders fokussiert.

Sie sehen einen Stein.

Ich sehe Millionen Jahre der geduldigen Reise, Sedimente, die sich schichteten, Druck, der Geschichten formte, als noch kein Mensch die Erde betreten hatte. Für andere ist er bloß Kiesel, für mich ein geologisches Wunder, ein stiller Chronist, dessen Schweigen beredter ist als tausend Bücher. Mal schroff, mal glatt und weich, geformt von der Kraft der Natur und der Zeit. Warm in der Sonne. Schwer in der Hand oder ein Federgewicht bin geringer Dichte. Ich sehe Physik und Chemie - ich sehe Kraft und Schönheit.

Sie sehen einen Baum.

Ich erkenne nicht nur Grün, sondern pulsierendes Leben, architektonische Majestät, ein atmendes Gedicht der Natur. Ich sehe die Verletzlichkeit des Stammes, der dem Sturm trotzt, die vulnerablen Wurzeln, die Halt suchen – und die unausweichliche Vergänglichkeit, die ihn doch in Schönheit entlässt.

Sie sehen eine Straße.

Ich sehe Ingenieurskunst, Forschung und Bau, den Schweiß zahlloser Hände, die dieses Band durch die Landschaft gezogen haben.

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