
Dank der Migräne schlief ich am Nachmittag, döste in den frühen Abend hinein – und nun ratet, wer zur Geisterstunde hellwach und erstaunlich ausgeschlafen das Zimmer durchmisst? Richtig: ich.
Die Nacht scheint mir kurzerhand gekündigt, der Schlafvertrag einseitig aufgelöst, ohne dass mir auch nur ein ordentliches Kündigungsschreiben zugegangen wäre, ohne Frist, ohne Stempel, ohne jegliches Einspruchsrecht.
Also strecke und dehne ich mich, als wolle ich inmitten der Dunkelheit ein halbherziges Fitnessprogramm improvisieren (Mitternachtskurs der Volkshochschule „Yoga für Fortgeschrittene Schlaflose“), atme die frische Luft, die durch das Fenster hereinweht, und tue so, als sei Mitternacht eine ideale Zeit für kleine Gymnastikübungen.
Zwischendurch versuche ich mich abzulenken: ein wenig meditieren, ein paar Zeilen lesen, ein paar Gedanken notieren. Doch stets im Hinterkopf der mahnende Hinweis: Nur nicht zu viel, sonst riskiert man, die Migräne erneut einzuladen – diese ungebetene Diva, die stets unpünktlich, schlecht gelaunt und mit übertriebenem Auftrittsdrang erscheint. Gerade eben, welch Wunder, scheint sie mir tatsächlich eine Pause zu gönnen, als hätte sie sich in irgendeiner Garderobe des Schmerzkabaretts verirrt und den Einsatz verpasst.
Also wandere ich weiter auf und ab, ein Nachtvogel wider Willen, bemüht, die Augenlider wieder zu beschweren. Mit mäßigem Erfolg, versteht sich. Denn Mitternacht ist, allen romantischen Dichtungen zum Trotz, keine adäquate Zeit, um aufzustehen, wenn am nächsten Tag das Pflichtprogramm der Reha ruft.
Und während ich so hin und her gehe, meldet sich mein inneres Wiesel. Ein schlaftrunkener, kleiner Kerl, der bereits Zahnstocher in die Lider geklemmt hat, um seine Augen überhaupt offen zu halten. Er sitzt auf meiner Schulter, schielt missmutig, zeternd