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Ich gestehe: Ich habe Fußball geschaut.

Ja, freiwillig. Ohne Narkose. Und – man halte das Wiesel fest – sogar mit Begeisterung.

Zwischen dem Rauschen des Klimageräts, dem tosenden Publikum im Fernseher, den Fangesängen, dem Kommentator und jener akustischen Gesamtsituation, die für Cochlea-Implantat-Träger ungefähr der Versuch ist, in einem startenden Flugzeug eine Steuererklärung vorzulesen, saßen das Wiesel und ich vor dem Bildschirm.

Tor um Tor hüpften wir. Jubelten. Freuten uns. Ich hatte Zusatztechnik im Einsatz und war plötzlich nicht mehr Zuschauerin, sondern gefühlt mittendrin. Diese lodernde Stadionstimmung, die kollektive Aufregung, das Raunen vor einer Chance – all das erreichte mich. Vielleicht nicht perfekt, vielleicht nicht vollständig, aber doch erstaunlich lebendig.

Und dann geschah etwas.

Irgendwann in der zweiten Halbzeit las ich zufällig den Namen der Kommentatorin.

Eine Frau.

Eine Frau hatte das gesamte Spiel kommentiert.

Mein Gehirn allerdings hatte diese Stimme die ganze Zeit mit größter Selbstverständlichkeit als männlich einsortiert. Offenbar saßen dort in meinem Kopf wieder die üblichen Verdächtigen am Mischpult: das Wiesel, drei überforderte Synapsen und ein Praktikant, der versehentlich die Schublade „männliche Sportstimme“ geöffnet hatte.

Ach herrje.

Da sitzt man also hochkonzentriert vor dem Fernseher, kämpft sich durch Stadionlärm, Fangesänge, Klimaanlagenrauschen und den akustischen Tsunami eines Fußballspiels – und das Gehirn beschließt kurzerhand, die Kommentatorin umzudeklarieren.

Hörtraining kann ausgesprochen demütig sein.

Es zeigt einem sehr charmant, dass Hören eben nicht nur im Ohr stattfindet. Unser Gehirn interpretiert, ergänzt, vermutet, kategorisiert und irrt sich gelegentlich mit einer beeindruckenden Selbstsicherheit. Stimmen, insbesondere in lauter Umgebung, sind für viele Menschen mit Cochlea-Implantaten ohnehin eine anspruchsvolle Disziplin. Tonlagen verschwimmen, Klangfarben verändern sich, und manchmal sortiert unser Kopf eine Stimme schlicht in die falsche Schublade.

Nun denn.

Fußball als Hörtraining. Das hatte ich nicht auf meiner Bingo-Karte des Lebens.

Aber vielleicht liegt genau darin die kleine Magie: nicht nur Apps und Hörbücher, sondern auch Stadionatmosphäre, Torjubel, Kommentatorenstimmen und ein etwas überfordertes Wiesel, das zwischen Abseitsregel und Stimmidentifikation tapfer um Fassung ringt.

Die nächste Herausforderung wird vermutlich sein, die Abseitsregel zu verstehen.

Das allerdings dürfte selbst für Menschen mit natürlichem Gehör eine neurologische Spitzenleistung darstellen.

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