Redaktion free.fem.minds MAGAZIN | Tina Steiger
Feminismus muss auch Männer mitnehmen, lese ich und resigniere. Am 8. März, dem Internationalen Weltfrauentag ist es wieder soweit. Dann werden Männer auf der ganzen Welt nölen, wann denn bitteschön der Weltmännertag sei, wenn man schon so ein Gedöns
um einen Weltfrauentag macht. Weltmännertag, der ist in jedem Jahr am 19. November. Weltweit. Dass nicht einmal Männer selbst davon wissen, hat einen Grund. Männer interessieren sich nicht dafür.
Sie interessieren sich erst für ihr Recht auf einen Weltmännertag,
wenn ein Weltfrauentag Aufmerksamkeit erhält.
Erst dann fällt es ihnen auf, im Sinne von Parität und so. Am liebsten wäre Männern, ihr Tag würde bedeuten, dass Frauen ihnen denselben bereiten. Denn selbst für etwas ein-, geschweige denn aufstehen, ist vielen von ihnen komplett fremd. Männer, die für nichts einstehen, sind nicht faul. Sie sind satt. Privilegiensatt. In einer Welt, die für Männer gedacht, gemacht und juristisch feinjustiert ist, verliert sich die Notwendigkeit für Kampf. Drei Frauen aus Bonn und Köln rufen deshalb Männer auf, am Weltfrauentag mit aufzustehen. 100.000 Männer um genau zu sein, sollen, wenn es nach Annelie Runge, Franziska Saxler und Jessica Mathieu geht, am diesjährigen Weltfrauentag gemeinsam mit und für Frauen ein Zeichen setzen und gegen Gewalt an Frauen sichtbar werden. 100.000 visualisierte Not-all-men. Bundesweit sollen Männer sich selbst mobilisieren und zeigen, dass FLINTA ihren Kampf nicht alleine führen. Auf Augenhöhe und im Schulterschluss ist die Idee. Wichtiger, als dass wirklich 100.000 Männer kommen, ist die Sensibilisierung für Männer, dass Gleichberechtigung sie gleichermaßen angeht.
Gleichstellung würde Männer kosten
Gleichstellung bedeutet aus Frauensicht echte Parität, die sich nicht nur an der Gleichmachung, sondern auch am Abbau struktureller Hindernisse für Frauen misst. Für Männer wird Gleichstellung damit unweigerlich den Verzicht auf Privilegien bedeuten. Wie etwa im Strafrecht, wo es seit Jahren eine Unschuldsvermutung für Täter gibt, aber keine Wahrheitsvermutung für Opfer. Das steht da so nicht. Meint aber Taten unter vier Augen, ohne Zeugen. Naturgemäß sind das Taten, die Männer an Frauen verüben und die Frauen niemand glaubt. Was wäre, wenn es eine Wahrheitsvermutung für Betroffene von sexualisierter Gewalt oder Gewalt im Privaten gäbe?
Maskulistenverbände proben den Aufstand, wenn Frauen sich tatsächlich aufmachen und gleiche Rechte fordern. Nicht nur Teilhabe und Quotenplätze, sondern Transparenz und die Abschaffung von Vorteilen für Männer allein aufgrund ihres Geschlechts. Wichtig ist hier zu betonen, dass das Männern nichts nimmt, sondern lediglich abschaffen soll, was bislang in schräger Schieflage eingestellt war. Und immer dann, wenn Männer merken, dass Frauenrechte genau das bedeuten, tatsächlich gleiche Ansprüche, persönlicher Verzicht, dann kippt es. Dann finden sie Feminismus zuviel, laute Frauen Emanzen und flüchten sich zurück in Ideologien, die Mutterschaft und Tradwives und damit Abhängigkeiten und den Erhalt konservativer Machtstrukturen propagieren.
Männlicher Feminismus 2026 ist aktiv
Die Frage für Männer lautet 2026 nicht, kannst du Feminismus gutheißen, sondern was bist du als Mann bereit dafür zu tun? Und wenn es nur die Teilnahme an einer Demo oder ein sichtbares Zeichen ist. Wer da abwinkt und sagt, dass sei gar nicht sein Thema, der toleriert auch keinen Feminismus. Die Frage lautet, worauf sind Männer bereit zu verzichten, um eine gleichberechtigte Welt mit auf den Weg zu bringen? Bei Geld, Freizeit, rechtlichen und gesellschaftlichen Privilegien hört der Spaß oft auf. Echter Support misst sich jedoch nicht an Toleranz, sondern am Einsatz. Frauen nehmen euch nicht länger mit. Recherchiert die Karte. Wir treffen uns dort.
Feminismus für Männer wäre, die eigenen Privilegien zu checken. Bis hin zum eigenen (Konsum)verhalten. Im Job, in der Elternschaft, im Alltag. Hinterfragen, wessen Inhalte stehen auf meiner Audio-Liste und wessen Bücher lese ich regelmäßig? Perspektiven wählen ist immer auch eine Haltungsfrage. Feminismus ist zudem, andere Männer deutlich zu korrigieren, wenn die Gespräche und der Humor sexistisch, übergriffig und anmaßend werden. Andere Männer in der Bahn auf manspreading aufmerksam zu machen, und darauf, dass sie sprichwörtlich zuviel Raum einnehmen. Den Kollegen beim frauenfeindlichen Kommentar stoppen, auch und gerade vor anderen im Team und entgegen gesetzter Hierarchien. Das ist unbequem. Das kostet. Courage. Haltung. Eigene Sicherheit und eigene Vorteile. Status. Zugehörigkeit.
Das ist es aber, was es ausmacht, Feminist sein zu wollen. Es geht nicht um ein grundsätzliches Verständnis für Feminismus. Die Zeit zum Verstehen ist vorbei. Jetzt ist Handeln gefragt. Schönwetter-Feministen geht es ums Ego und die damit verbundene Eigen-PR. Die Essenz der eigenen Bereitschaft zur Gleichstellung zeigt sich erst dann, wenn der eigene Gewinn auf dem Spiel steht. 2026 misst Männer an ihren Aktionen.