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Verteilungsgerechtigkeit aus Sicht eines Freimaurers

Der Riss im Bauplan: Eine soziologisch-freimaurerische Analyse der Verteilungsgerechtigkeit in Deutschland (1989–2025)

1. Der Blick auf die Statik der Gesellschaft

Freimaurer sehen sich als Bund freier Menschen, die nach den Idealen Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität streben, um sich selbst und die Gesellschaft durch ethische Arbeit zu verbessern, wobei Gerechtigkeit oft als wichtiger Wert an die Stelle der Gleichheit tritt, um soziale Ungleichheit zu überwinden und eine bessere Welt zu schaffen.

  • Brüderlichkeit ist das Gefühl der Verbundenheit und des gegenseitigen Beistandes, das über soziale Grenzen hinweg besteht.

  • Gleichheit beschreibt die Anerkennung der Gleichwertigkeit aller Menschen, unabhängig von Stand, Bildung oder Herkunft, was sich in der Loge als Gleichberechtigung zeigt.

  • Gerechtigkeit wird oft als Ergänzung oder Ersatz für Gleichheit gesehen, um auch soziale Ungerechtigkeiten zu bekämpfen und eine faire Gesellschaft zu fördern.

Diese Prinzipien werden nicht nur theoretisch, sondern durch praktische Übung in der Loge gelebt, wo Menschen unterschiedlicher Herkunft und Glauben zusammenkommen, um an sich und einem friedlicheren Miteinander zu arbeiten. 

Wie sieht es nun mit der Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft aus?

Eine Gesellschaft ist wie ein Bauwerk – und wie jedes Bauwerk muss auch sie einer genauen Betrachtung unterzogen werden. Als Sozialwissenschaftler nähert man sich diesem Gebäude mit den Instrumenten der Empirie und der Statistik. Wir prüfen die Tragfähigkeit der sozialen Schichten, messen die Spannungen zwischen den Milieus und analysieren die Materialermüdung des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Wenn ein Soziologe gleichzeitig den Schurz des Freimaurers trägt, erweitert sich der Blickwinkel um eine Dimension, die rein quantitativen Erhebungen oft verborgen bleibt: die Dimension der baukünstlerischen Ethik. Der Freimaurer stellt nicht nur Fragen zur Beschaffenheit des Gebäudes, sondern auch zur Methode seiner Errichtung. Dabei ist ihm wichtig zu wissen, ob diese Methode dem Ideal der Humanität entspricht.

Die vorliegende Analyse widmet sich der sozialen Statik der Bundesrepublik Deutschland. Die Analyse spannt den Bogen von der Zäsur des Jahres 1989 bis in die Gegenwart des Jahres 2025. Dabei wird der Versuch unternommen, die nackten Zahlen der Armuts- und Reichtumsberichte mit dem geistigen Lot der freimaurerischen Tradition zu messen. Die Dissonanz zwischen dem verfassungsrechtlich und rhetorisch beschworenen Ideal der "Sozialen Marktwirtschaft" und der gelebten Realität einer zunehmend polarisierten Verteilungslandschaft ist offenkundig.

Wir leben in einer Zeit, in der das technokratische Vokabular der Ökonomie – Gini-Koeffizienten, Quintile, Medianwerte – oft den Blick auf das menschliche Leid und die soziale Ungerechtigkeit verstellt. Die Freimaurerei widmet sich symbolisch dem Bau des "Tempels der Humanität". Sie bietet ein Korrektiv. Sie mahnt: Ein Tempel, dessen Fundament bröckelt, während die Spitze vergoldet wird, ist dem Einsturz geweiht. Diese Analyse ist nicht nur beschreibend, sondern auch wertend. Sie zeigt auf, wo die aktuelle Verteilungssituation die Würde des Menschen verletzt. Ich will wissen, wo das freimaurerische Ideal der Gleichheit – verstanden als gleiches Recht auf Teilhabe und Selbstverwirklichung – durch ökonomische Barrieren konterkariert wird. Ich bin überzeugt, dass eine Gesellschaft, die tatsächlich nach den Prinzipien der "Königlichen Kunst" organisiert wäre, so aussehen würde.

Sujet Philosophie

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