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Iglu

Bild eines verschneiten Waldwegs bei Nacht. Die Aufnahme ist verschwommen. In der Mitte geht - oder läuft - eine schemenhafte Gestalt. Das Bild wirkt wie eine Schwarzweiß-Aufnahme

Schnee fällt, wie an Seile gehängt, als zöge sie eine Regieassistenz über den bleiernen Himmel.

Sie stellt sich vor, die Flocke bliebe stehen.

Mitten im Fall.

Alles bliebe stehen.

Eine Kulisse, die pausiert.

Ein Zeiger, der gefriert.

Eine Falte in der Zeit, bis genug Atem geholt und alle Wunden geleckt sind.

Sie legt die Spitze ihres Fingers an das Glas, das kühl ist, aber dessen Temperatur nichts zu tun hat mit der eisigen Kälte dort draußen.

Drei Schichten Glas, zwei Schichten eingesperrte Luft zwischen ihr und der Welt.

Sie denkt an die klirrend kalten Fenster im Haus ihrer Großmutter. Die Eisblumen darauf. Das Gefühl, sie mit der Macht ihrer eigenen Wärme zum Schmelzen zu bringen.

Jetzt bleibt auf dem Glas für jeden Finger ein Fettfleck zurück.

Warum geht sie nicht auf die Terrasse, wenigstens das, und formt einen Schneeball. Wirft ihn an die nächste Hauswand. Dabei die Schneekristalle unter ihren Fingern schmelzen fühlen.

Sie denkt daran, dass ihre Kinder keine Eisblumen kennen werden. Und dass sie das freuen sollte. Kulturpessimismus ist so alt und langweilig wie eine geerbte Reclamausgabe.

Und vielleicht bekommt sie ja gar keine Kinder. Genau genommen macht Kinder kriegen wenig Sinn, wenn man glaubt, dass die Welt dem Untergang geweiht ist.

Glaubt sie das wirklich. Nein. Das wäre ja das Ende von allem, was sie kennt. Und wenn der Gedanke konkret wird und Isolierfenster, geheizte Zimmer, gefüllte Kühlschränke, Telefone und den Schienenersatzverkehr einschließt. Dann kann sie den Gedanken nicht zu Ende denken. Wenn es an ihr Leben geht. Das Ende der Welt ist eine abstrakte Idee und kein Ereignis, das ihr passiert.

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