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#44 Eigentlich und uneigentlich

Gofigramm

Ein Teil meiner aktuellen Ausstellung im Restaurant 'Laternchen' in der Altstadt von Alsfeld

Was ist wertvoller: das Original oder die Kopie? Die Bilder meiner Ausstellung A COPY OF A COPY OF A COPY sind Drucke, keine Originale. Das liegt daran, dass ich fast alle mit dem VR Headset gemalt habe. Zwei von ihnen sind allerdings tatsächlich Gemälde auf Leinwand, die ich abfotografiert habe. Und zwei sind analoge Fotografien, die ich digitalisiert und digital übermalt habe.

In der Kunst gilt das Original als wertvoller als die Kopie. Aber das war nicht immer so. „Tatsächlich ist die Vorstellung, man habe das Kunstwerk nur dann wirklich vor sich, wenn man das Original vor sich hat, relativ jung. […] Vom Original sprach man […] nur in Bezug auf Bücher: Es gab das Original und es gab die Abschrift. Erst im 18. Jahrhundert sickerte der Begriff in die Kunst ein, aber er meinte nicht die Werke, sondern die Künstler selbst: Ein »Original« war ein herausragendes, einzigartiges Talent. Die Verwendung des Begriffs übertrug sich dann im 19. Jahrhundert von den Künstlern auf ihre Werke: Sie wurden nun wie Reliquien behandelt, die es erlaubten, in Verbindung zu ihrem Schöpfer zu treten. Damals verfestigte sich die Vorstellung der Aura des Originals, die bis heute anhält." (Kolja Reichert, 'Wozu braucht man Originale?', in: Kann ich das auch? 50 Fragen an die Kunst.)

Wie wichtig ist es also wirklich, ein Original vor sich zu haben? Und was, wenn es unerreichbar und nur in Form der Kopie zu erleben ist? Was, wenn es gar kein Urbild gibt, wenn die erste Version eine unzugängliche Ansammlung von Daten ist, die unendlich oft kopiert werden kann und die nur in ihren Abbildern sichtbar wird? Bei meinen virtuellen Bildern ist das nämlich der Fall. Auf dem Screen und als Drucke sind sie zwar zu sehen, aber in Wirklichkeit sind sie Code, lange Reihen von Ziffern, die ich nie gesehen habe und die auch sonst nie jemand anschauen wird. Und jetzt? Sind die Kopien das Original? Oder ist die Rede von einem Urbild überflüssig geworden?

Und gilt das nur für die Kunst? 

Die griechischen Philosophen der Antike haben das Sein ousia genannt, das uns in seinen Erscheinungsformen, den Hypostasen, begegnet. Es ist gar nicht möglich, dem Sein an sich zu begegnen, glaubten sie. Wir können es nur mittelbar in seinen zahlreichen Erscheinungsformen erleben. Wenn das stimmt: Entgeht uns dann das Eigentliche und wir müssen uns mit dem Uneigentlichen begnügen?

Eigentlich – uneigentlich: Ergibt diese Unterscheidung überhaupt einen Sinn? Müssten wir nicht sagen, dass das vermeintlich Uneigentliche das Eigentliche ist?

Mir fällt auf, dass wir in unserem Lebensvollzug nach den großen, wichtigen, wirklich bedeutsamen Momenten suchen. Wir feiern sie in Festen und Ritualen, wir planen sie von langer Hand und freuen uns auf sie. Doch die Suche nach dem Eigentlichen im vermeintlich Uneigentlichen führt dazu, dass wir den Dingen, die uns an jedem Tag, in jedem Moment begegnen, nicht den Wert beimessen, der ihnen eigen ist. Wir missverstehen sie als vorläufig, weniger wertvoll, und lassen uns deshalb zu selten auf das Ereignis einer echten Begegnung ein. Dadurch entgeht uns sehr viel, finde ich.

Das, was uns jetzt begegnet, ist eigentlich genug, was es auch ist. Die Tasse Kaffee am Morgen, das Lachen eines Kindes, der Gesang der Vögel, das Rauschen des Windes, der Duft von Regen.

Ich wünsche Dir eine tolle Woche. Bis nächsten Montag!

Dein Gofi

Danke für Dein Interesse! Ich bin Gofi, Künstler, lebe in Marburg und engagiere mich für den Erhalt von Kunst, Kreativität, Gemeinschaft und einer menschenfreundlichen Spiritualität. Das GOFIZINE veröffentliche ich bewusst kostenlos für alle, weil ich möchte, dass jede/r Zugang zu guten Inhalten hat, unabhängig von Einkommen und finanziellen Möglichkeiten. Wenn Du mir bei meiner Arbeit helfen möchtest, bin ich Dir sehr dankbar.

Podcast

Was ist so geil an J. S. Bach? (mit Ludger Donath)

Eine ziemlich poppige Zeichnung von Bach.

Compared to Bach, we all suck! Das hat der Jazzgitarrist Pat Metheny, immerhin einer der besten Musiker seiner Generation, in einem Gespräch mit dem Produzenten und YouTuber Rick Beato gesagt. Und mit dieser Meinung steht er nicht alleine dar. Die größten Musiker*innen der vergangenen Epochen bis heute sind immer wieder zu Johann Sebastian Bach zurückgegangen, weil sie alles bei ihm gefunden haben, was sie brauchen. Vielen gilt er als der größte Komponist aller Zeiten.

Aber was macht ihn so einzigartig? Worin liegt seine Größe? Und können das auch Leute nachvollziehen, die normalerweise nicht so häufig ‚klassische‘ Musik hören?

Um diesen Fragen nachzugehen, hat sich Gofi auf den Weg nach Karlsruhe gemacht. Dort lebt der PKS-Hörer und professionelle Musiker Ludger Donath. Ludger hat versprochen, Gofi dabei zu helfen, dem Phänomen Bach ein wenig auf die Schliche zu kommen. Gemeinsam betrachten sie nicht nur Leben und Kunst des Meisters, Ludger spielt auch ein Stück auf dem Klavier vor, analysiert Akkordfolgen und erklärt uns, welche Kniffe Bach angewendet hat und warum seine Musik bis in den heutigen Pop und Jazz hineinwirkt. (Episodenbild: Shutterstock)

Hier geht es zur neuen Folge. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Ludgers Webseite findest Du hier. https://www.luckyludd.de/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Die Dokumentation über Bach, die Gofi empfiehlt, findest Du hier. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

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Art2Go

Die Bilder meiner Ausstellung

A Copy of a Copy of a Copy
Dance With Me
Die Figuren in Deinen Geschichten sind alle so traurig
Attempt to Bar Dark Matter
Karmen
A Timid Beginning and a Sudden End
Earth Body
Vorstadttristesse
Only One Way To Go
Fuck Art
Shot No. 13 (Hypostasis)
Blossom

News

Am 21. September trete ich gemeinsam mit Micha Kunze und unserem Format Poetry Talk im Alsfelder Brauereikeller auf. Beginn 20 h. Eintritt frei. Grünberger Straße 68.

Ich stelle im Rahmen der 2. Alsfelder Kellerwunder aus. Im Gewölbe des ‚Laternchens‘ findest Du meine Ausstellung A COPY OF A COPY OF A COPY OF A …. Alle Informationen findest Du hier (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).

Das wilde kleine Theaterstück Frank’n’Steyn, für das ich eine Szene geschrieben habe, wird zwei weitere Male aufgeführt, und zwar am 19. und 20. September. Roland spielt darin Sid, der eigentlich Sadiq heißt und in meinen Huchting-Geschichten vorkommt (der Vater von Denis und Noam). Vielleicht hast Du ja Zeit und Lust. Das Theater Verlängertes Wohnzimmer in Friedrichshain ist immer einen Besuch wert.

 Begleite Judith Seibold von CHAVAJA und mich auf eine Reise nach Griechenland vom 17.-24.5.2026

 Shaul von Tarsos war radikal. Was er anpackte, das erledigte er zu 150%. Und dabei konnte er rücksichtslos sein – gegen sich selbst und auch andere.

Aufgewachsen als Bürger zweier Kulturen, der hellenistischen und der jüdischen, fließend zweisprachig (Griechisch und Aramäisch), war er in einer multikulturellen, multireligiösen und globalisierten Welt zu Hause. Als Handwerker, jüdischer Theologe und Mystiker. Mit einem großen Ziel: Er wollte die Welt mit seiner Botschaft erobern.

Unter seinem Künstlernamen Paulus (der Kleine) ging er die große Aufgabe an. Wo er auftauchte, spaltete er die Geister. Während die einen ihn liebten und verehrten, war er für die anderen ein rotes Tuch. So erreichte er Europa. Und Europa empfing ihn mit Stockhieben und Gefängnis. Doch einen radikalen Aktivisten wie Paulus stachelte das nur an. Er machte weiter und legte eine Spur, der wir noch heute folgen können. 

Komm mit uns dorthin, wo für das Christentum in Europa alles begann: nach Griechenland. Wir besuchen die Orte, an denen Paulus wirkte, an denen er Zuspruch und Widerstand erlebte, an denen er Dinge sagte und tat, die die Leben von Menschen und den Lauf der Geschichte veränderten. Wir versuchen herauszufinden, was ihn antrieb, was ihn für manche so unwiderstehlich machte und welche Bedeutung sein Werk bis heute für uns hat.

Ich bin schon seit vielen Jahren von Saulus aus Tarsos fasziniert. Für mich gibt es fließende Übergänge zwischen den Propheten und Aposteln der Antike und unserem heutigen Verständnis von Künstlern. 

Als Guide konnten wir den griechenlanderfahrenen Dany Walter aus Israel gewinnen, der uns den jüdischen Paulus näher bringen wird.

Einen Einblick in Programm erhaltet Ihr hier: Programm_Die_Griechenlandreise (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) 

Mehr Informationen zu Chavaja – Bildungs- und Begegnungsreisen erfahrt Ihr hier: https://www.chavaja.de/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Danke für Dein Interesse! Wenn Du mir bei meiner Arbeit helfen möchtest, kannst Du das zum Beispiel hier.

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