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Kommentar: Wer war Charlie Kirk?

Ein roter Make America Great Again Hut vor einem verschwommenen Hintergrund.
Dieser Beitrag ist die verschriftliche Version meines Audio-Kommentars für Radio Corax vom 12. September 2025. Der Kommentar kann hier nachgehört werden (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).

Eines vorab: Ich verurteile die Ermordung von Charlie Kirk.

Dabei stellen sich viele Menschen, die ihn vielleicht vorher nicht kannten, in den vergangenen Tagen die Frage: Wer war dieser Charlie Kirk?

Charlie Kirk war ein rechtsextremer Verschwörungsideologe (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) und Trump-Unterstützer. Ein Rassist. Antifeminist. Jemand, der die verfassungsgemäße Trennung von Kirche und Staat in Frage stellte.

Seine Positionen waren extrem, aber er glaubte an die Kraft von Argumenten“, schreiben dagegen Philipp Bovermann und Andrian Kreye in der Süddeutschen Zeitung (€) (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) über Kirk, einen Tag nach seiner Ermordung.

Die beiden Autoren nennen Kirk einen „rechtskonservativen Aktivisten“, schaffen es aber gleichzeitig die von ihnen gewählte Bezeichnung ad absurdum zu führen. Sie erwähnen einen Podcast, in dem der MAGA-Influencer, Verschwörungsideologe und White Nationalist Charlie Kirk aus der Bibel eine Passage wohlwollend zitierte, die das perfekte Gesetz Gottes sei. Worum es in dieser Passage geht? Männer, die mit anderen Männern schlafen, sollen gesteinigt werden.

Eine rechtskonservative Einstellung? Für die beiden Autoren der Süddeutschen Zeitung wirkt das nicht verstörend. Sie bezeichnen diese Menschenverachtung schlicht als “Schlagfertigkeiten” und “Spitzen”, die liberale und linke Kräfte bei der Stange halten.

Noch absurder: Die Behauptung im Teaser zum Beitrag spricht davon, dass Kirk an die Kraft von Argumenten glaubte. Im Text der beiden heißt es jedoch in Bezug auf Kirk dann „Provokation statt Argument, Schock statt Überzeugung.“

Was will uns diese Art von Journalismus sagen? Das wir selbst auswählen sollen, was wahr ist und was nicht? Nach meinem Verständnis wäre es explizit die Aufgabe von Journalismus, soziale Realitäten darzustellen, nicht das Publikum mit einem verwirrten Achselzucken zurückzulassen. Doch genau das geschieht hier gerade. Und die Süddeutsche Zeitung ist da kein Einzelfall.

“Ein Journalismus, der sich nicht mehr traut Dinge beim Namen zu benennen und sich hinter das weichgespülte „rechtskonservativ“ zurückzieht, ist vor allem eines: unjournalistisch.”

Auch auf Tagesschau.de (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) bezeichnete unter anderem Anne Schneider von der ARD in Washington Kirk zwei Tage nach seiner Ermordung als einen „rechtskonservativen Aktivisten“.

Ich könnte hier noch zahlreiche weitere ähnliche Beispiele nennen und das abbilden, was für sich ein schockierender Befund für relevante Teile der deutschen Medienlandschaft darstellt, wenn man sich mit dem Weltbild von Charlie Kirk auseinandersetzt.

Ein Journalismus, der sich nicht mehr traut Dinge beim Namen zu benennen und sich hinter das weichgespülte „rechtskonservativ“ zurückzieht, ist vor allem eines: unjournalistisch.

Bleibt mir nur zu sagen: Wenn Charlie Kirk ein Rechtskonservativer war, sollte das bei eigentlich Rechtskonservativen eine tiefer Scham hervorrufen. Klimawandelleugnung etwa, die auch auf dem aktivistischen Angebot von Kirk stand, ist keine konservative Einstellung. Es ist eine Verweigerung der Realität, die dem Bereich Rechtsextremismus und Verschwörungsideologie zuzuordnen ist.

In einer Infotafel auf Instagram (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) bezeichnete die Tagesschau Charlie Kirk als „kontrovers“. Darunter schrieb sie, dass Kirk den Klimawandel leugnete und behauptete, dass Trump die Präsidentschaftswahl in den USA 2020 gewonnen hätte.

Wenn die Tagesschau die Leugnung von Realitäten als kontrovers bezeichnet, macht sie ihren Job nicht mehr und übergibt die Deutung dieser an eben jene Kräfte, die sie nicht mehr als das bezeichnen möchte, was sie sind.

Charlie Kirk war ein rechtsextremer Verschwörungsideologe (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) und Trump-Unterstützer. Ein Rassist. Antifeminist. Jemand, der die verfassungsgemäße Trennung von Kirche und Staat in Frage stellte.

Seine Ermordung ist zu verurteilen.

Seine Ansichten sind zu verurteilen.

Ein feiger Journalismus ist zu verurteilen.

Titelfoto: R. Nial Bradshaw / flickr (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), lizensiert unter CC-BY 2.0. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) / Zuschnitt: Gunnar Hamann.

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