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Ding Dong!

Von Hasnain Kazim - Carol of the bells / Malerin Wautier / Weichspüler / Altes Keksrezept / Kopftuchverbot

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich mag Weihnachten sehr, die Stimmung, die Märkte, auch den religiösen Kontext, das Fest selbst natürlich sowieso. Vor allem aber: die Musik! Seit dem 1. Advent läuft jeden Tag weihnachtliche Musik bei uns. Alte und neue deutsche Lieder, Sachen aus Amerika, klassische Musik, ganz moderne, die ganze Palette.

Nur “Last Christmas” schalte ich sofort ab, das Lied ertrage ich nicht.

Ich möchte Ihnen die Seite Weihnachtsmusik.fm (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) empfehlen, da läuft auf mehreren Kanälen für jeden Geschmack etwas – vorausgesetzt, man mag Weihnachtsmusik.

Eines meiner Lieblingslieder ist “Carol of the Bells”. Bis vor einigen Jahren wusste ich nicht, dass es eigentlich ein ukrainisches Stück ist. Die Melodie basiert auf dem ukrainischen Volkslied “Schtschedryk”, das der Komponist Mykola Leontowytsch 1916 neu arrangierte. Щедрик bedeutet, sagt man mir, “Das kleine Schwalbenlied” und handelt von einer Schwalbe, die Glück für das bevorstehende Jahr prophezeit. Der heute bekannte Ding-Dong-Text wurde 1936 von Peter Wilhousky geschrieben. Erst mit diesem Text wurde das Lied weltberühmt.

Ich finde faszinierend, wie man mit wenigen Tönen den Klang von Glocken imitieren kann. Eine meiner Lieblingsinterpretationen ist diese sehr klassische:

https://www.youtube.com/watch?v=SQadcm_dwEM&list=RDSQadcm_dwEM&start_radio=1 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Dieses Lied eignet sich natürlich zum Experimentieren, es gibt tolle Klavierfassungen, Versionen für Orchester, für Orgel, für Gitarre, für Chöre oder, was mir auch sehr gut gefällt, diese Interpretation von “Pentatonix”:

https://www.youtube.com/watch?v=WSUFzC6_fp8&list=RDWSUFzC6_fp8&start_radio=1 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Die allerbeste Fassung, unübertroffen, ist aber natürlich diese von meinen geliebten “Muppets”:

https://www.youtube.com/watch?v=ysIzPF3BfpQ&list=RDysIzPF3BfpQ&start_radio=1 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Ding Dong allerseits!

Frau und Malerei

Falls Sie in diesen Tagen – oder noch bis zum 22. Februar 2026 – in Wien sein sollten, empfehle ich Ihnen unbedingt die Ausstellung der Malerin Michaelina Wautier im Kunsthistorischen Museum (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Diese Ausstellung zeigt einerseits das Können einer doch vielen unbekannten Malerin, andererseits aber auch, wie schwer es Frauen eben auch in der Malerei hatten (und haben).

Wautier ist eine der wenigen Malerinnen des 17. Jahrhunderts, in einer Zeit, in der das professionelle Malen Männern vorbehalten war. Wautier wurde vermutlich 1614 geboren, es gibt über ihr Leben keinerlei Dokumente. Fast 300 Jahre lang war sie von der Bildfläche verschwunden, ihre Bilder waren entweder in irgendwelchen Archiven oder wurden anderen – männlichen! – Malern zugeschrieben.

Erst nach und nach wurde sie wiederentdeckt. Noch immer ist diese Frau in vielen Bereichen ein Rätsel, ihr Leben ein Puzzle, bei dem noch viele Teile fehlen. Klar ist, dass sie einer wohlhabenden, einflussreichen Familie entstammte, denn nur so konnte sie als Frau es sich erlauben zu malen – und zwar vor allem Historienbilder, also religiöse Motive, aber auch alle möglichen anderen Dinge wie Porträts, Stillleben et cetera. Bekannt ist auch, dass sie unverheiratet und kinderlos blieb und mit einem ihrer zwei Brüder zusammenlebte, mit dem sie vermutlich ein gemeinsames Atelier in Brüssel hatte. (Der andere Bruder war Offizier.) Wahrscheinlich war sie, das kann man ihren Gemälden schließen, sehr gebildet. Und wahrscheinlich starb sie 1689. Man kann davon ausgehen, dass es nach wie vor viele Bilder von ihr gibt, die unbekannt sind. Schauen Sie mal in Ihren Keller oder auf Ihrem Dachboden, ob Sie da Gemälde haben, die Sie als “olle Schinken” bezeichnen würden und die mit “Michaela Wautier” signiert sind - wenn ja: herzlichen Glückwunsch, Sie sind jetzt Millionär.

Wautier hat eine Serie von fünf Bilder gemalt: die fünf Sinne. Von einem Gemälde aus dieser Reihe, nämlich: Hören, ein Junge, der Blockflöte spielt, gab es ein Schwarzweißfoto. Zu dieser Serie heißt es im Wiener Kunsthistorischen Museum:

“Zum Zeitpunkt von Michaelina Wautiers erster monografischer Ausstellung in Antwerpen im Jahr 2018 galten die Fünf Sinne noch als verschollen. Der einzig bekannte Hinweis auf die Gemälde war eine Schwarz-Weiß-Fotografie des Hörsinns in einem Auktionskatalog aus dem Jahr 1975. Im Vorfeld der Ausstellung von 2018 startete das Rubenshaus eine groß angelegte Suchkampagne. 2019 tauchte die Serie bei einer Auktion wieder auf und wurde von Rose-Marie und Eijk van Otterloo erworben. Die Gemälde werden hier zum ersten Mal seit ihrer Wiederentdeckung in Europa ausgestellt.”

Und tatsächlich:

Serie "Die fünf Sinne" der Malerin Michaelina Wautier, ausgestellt im Kunsthistorischen Museum in Wien.

Ich bin von der gesamten Ausstellung sehr beeindruckt. Sollten Sie die Gelegenheit haben, lohnt sich eine Führung durch die Ausstellung.

Seltsame Zeiten, oder?

Diese Woche entdeckte ich in einem Drogeriemarkt Weichspüler der Marke “Kuschelweich”, die dem Reinigungsmittelhersteller fit aus Zittau in Sachsen gehört. Es gibt jetzt die Duftreihe “Oriental”, mit den Noten: “Dubai Deluxe”, “1001 Nacht” und “Zauber von Marrakesch”.

Ich bin mir nicht sicher, ob die Entwickler dieser Düfte eine Ahnung haben, wie es in Dubai oder Marrakesch oder “im Orient” generell riecht, aber sie werden sich sicher etwas Positives dabei gedacht haben. Ich finde das jedenfalls interessant. Die Flaschen sehen zwar eher nach Glühwein aus, aber das wird ja wohl niemand trinken. Oder?

Möglich ist alles. Und als ich so darüber nachdachte, was alles möglich ist in diesen Zeiten, fiel mir bei diesem Angebot ein, dass sich sicher ein paar Typen aus dem rechten Spektrum über die “Islamisierung deutscher Waschküchen!!!!!!” aufregen werden.

Gut so!

Vielleicht, dachte ich, finden es auch einige Islamisten unmöglich, keine Ahnung, ob Weichspüler halal ist, aber warum sollte nicht auch eine Burka flauschig sein? Wenn schon mobiles Frauengefängnis, dann wenigstens gut riechend!

Und vielleicht echauffieren sich ein paar “Woke”, weil es sich ihrer Ansicht nach um “kulturelle Aneignung” handele und ein deutsches (!), kapitalistisches (!!) Unternehmen (!!!) Profit (!!!!) schlage und sich mithin bereichere am Duft des armen, unterdrückten “globalen Südens”.

Und warum ausgerechnet der Duft von Dubai, diesem feudalen Steuerparadies mit tatsächlich unterdrückten Arbeitssklaven? Warum nicht der Duft von, sagen wir: Oman? Oder Bahrain? Oder wenigstens Abu Dhabi? Ich freute mich außerdem sehr, röche meine Kleidung wie das Viertel, in dem ich ein paar Jahre in Istanbul gelebt habe! Nur nach Indien muss nichts riechen, den Indiengeruch bekomme ich, wenn ich mal dort war, tagelang nicht aus den Sachen. Außerdem riecht’s bei mir zu Hause eh schon so, wenn ich koche.

Ich kann mir vorstellen, dass es also derartige Kritiken gibt. Man weiß es nicht. Möglich ist heutzutage eh alles. Reale Politik wirkt wie Satire, absurde Kritik ist ernst gemeint, Zerstörung von Kulturgütern gilt als “Protest”, während Kritik dort, wo sie angebracht und sogar dringend nötig wäre, ausbleibt.

Sehr denkbar ist auch, dass ich nun Dutzende E-Mails erhalte, die mich darüber belehren, wie schädlich Weichspüler für Haut und Umwelt ist. Hierzu prophylaktisch der Hinweis: Ich nutze so gut wie nie Weichspüler.

Haselnusskekse!

Vor einiger Zeit habe ich meine Rezeptmappe aus dem Kindergarten wiedergefunden. Eigentlich stand sie all die Jahrzehnte bei meinen Eltern in der Küche beziehungsweise in der Abstellkammer, meine Mutter bereitet seit Jahrzehnten immer wieder Sachen daraus zu.

Ich habe die Mappe nun bei mir. Sie zerfällt inzwischen, das Papier ist bröselig und die Rezepte, viele davon auf Matrize, sind kaum noch lesbar, weil die Schrift verblasst ist.

Kein Rezept wird in unserer Familie so oft hervorgeholt wie das für diese Haselnusskekse – ein echter Favorit, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte:

Zutaten:
375 Gramm Weizenmehl
125 Gramm Maisstärke
2 gestrichene Teelöffel Backpulver
200 Gramm Zucker
3 Tropfen Bittermandelaroma
1 Packung Vanillezucker
250 Gramm Butter
2 Eier
250 Gramm gemahlene Haselnüsse
Haselnüsse

Zubereitung:
Mehl, Stärke und Backpulver in einer Schüssel vermischen, in die Mitte eine Vertiefung drücken. Eier, Zucker, Mandelaroma und Vanillezucker in die Vertiefung geben und alles mit einem Mixer mit Knethaken verrühren. Butter und gemahlene Haselnüsse dazugeben und weiter verkneten, bis ein fester Teig entsteht. Den Teig abgedeckt für ein, zwei Stunden in den Kühlschrank stellen. Anschließend auf dem – möglicherweise sehr festen – Teig kleine Stücke mit dem Messer absäbeln, kneten, bis sie weich werden, und kleine Kugeln formen. Auf ein Blech mit Backpapier geben und in die Mitte der Kugeln jeweils eine Haselnuss drücken. Bei 190 Grad Celsius Ober-/Unterhitze auf mittlerer Schiene etwa 15 Minuten backen.

Bei mir steht das in diesen Tagen wieder an. Die Kekse schmecken nicht nur gut, sie sehen auch sehr schön aus, man kann sie gut verschenken.

Fröhliches Backen!

Kopftuchverbot für Mädchen in Österreich

Diese Woche hat das österreichische Parlament, der Nationalrat, für Mädchen unter 14 Jahren das Tragen eines Kopftuchs an Schulen verboten.

Solch ein gesetzliches Verbot gab es 2020 schon einmal, das dann aber unter Berufung auf Religionsfreiheit und auf den Gleichheitsgrundsatz vom österreichischen Verfassungsgericht aufgehoben wurde. Ich kann nur hoffen, dass das neue Gesetz jetzt auch juristischer Überprüfung standhält, denn in der Sache halte ich es für richtig.

Man kann lange darüber streiten – und es wurde lange darüber gestritten. Ich kann den Bedenken mancher mit Blick auf Glaubensfreiheit und auch auf freier Entscheidung von Eltern durchaus etwas abgewinnen. Letztlich aber bin ich für dieses Verbot und dafür, dass Mädchen, wenn sie religionsmündig sind, selbst entscheiden sollen.

Ich glaube nämlich nicht, dass Mädchen in so jungem Alter selbst entscheiden können. Und ich bin überzeugt, dass es viel schwieriger ist, das Kopftuch, wenn man es schon von Kind an getragen hat, abzulegen, als es anzulegen, wenn man es vorher nicht getragen hat.

Und auch wenn es sein mag und so sein wird, dass viele Frauen das Kopftuch freiwillig und selbstbestimmt tragen, ist es doch Symbol eines unfreien Denkens. Was erfährt eine Frau in einem pakistanischen Dorf oder in Afghanistan, wenn sie sich frei entscheidet: ‘Och nö, mag ich nicht tragen!’? Und was bedeutet es, dass Frauen in Iran unter Lebensgefahr dafür kämpfen müssen, ihren Kopf nicht verhüllen, ihr Haar nicht bedecken zu müssen? Was genau ist daran “frei”?

Nicht das Tuch ist das Problem, sondern das Mindset dahinter, das leider weit verbreitet ist.

Ich lese nun Kritik, Österreich bekämpfe “muslimisches Leben” und “islamische Identität”. Eine Uno-Sonderberichterstatterin kritisierte dieses neuerliche gesetzliche Verbot, das alle Parteien außer den Grünen beschlossen haben, als “Rassismus”. In der “Zeit” habe ich darüber etwas geschrieben. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Ich sehe das anders als die Uno-Sonderberichterstatterin und hoffe, dass dieses Gesetz Bestand hat. Wenn eine junge Frau, ein Mädchen ab 14 Jahren, sich freiwillig dazu entscheidet, derartige Kleidung anzulegen, dann, bitte, ist das ihre Entscheidung. Vorher halte ich das für falsch.

Ich wünsche Ihnen einen geruhsamen Sonntag, einen schönen dritten Advent und eine angenehme Woche!

Herzliche Grüße aus Wien,

Ihr Hasnain Kazim

P. S.: Das Schreiben der “Erbaulichen Unterredungen” ist nur möglich, weil einige von Ihnen mich als “Mitglieder” unterstützen. Damit es weiterhin möglich ist, bitte ich Sie zu erwägen, ebenfalls “Mitglied” zu werden. Empfehlen Sie die “Unterredungen” auch gerne zum Abonnieren weiter. Herzlichen Dank!

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