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Der Essener Krimi

Ihr glaubt nicht, was einem an einem Tag alles passieren kann.

Eigentlich wollte ich nur zur “Reisen und Camping” Messe nach Essen und dachte mir, ich mache es mal anders als sonst und fahre nicht mit dem Van, sondern mit dem Zug. Was auch richtig toll anfing, sollte im kompletten Chaos inklusive Verfolgungsjagd enden.

Aber alles der Reihe nach…

Am 29.02.24 Morgen um 4:40 Uhr ging es los mit dem ICE von Lüneburg nach Hannover. Dort angekommen hatte ich dann eine knappe Stunde Zeit zum Frühstücken in einem Café im Bahnhof.

Wieder auf dem Bahngleis angekommen schaute ich natürlich direkt auf die Anzeige, in welchem Bereich sich die 1. Klasse befindet.
Ja ich bin tatsächlich 1. Klasse gefahren. Zum ersten mal in meinem Leben. Denn bei der Buchung der Super-Sparpreis-Tickets wurde mir zum Abschluss angeboten, für nur 10 Euro mehr statt 2. eben die 1. Klasse zu nutzen. Na wenn das kein Schnäppchen ist.

Als der Zug einfuhr merkte ich schon, das irgendwas nicht stimmte. Es waren zwei Züge die aneinander gekoppelt waren. Er wurde langsamer und ich konnte die Zahlen der Wagen lesen… doch es gab keine 27… alles in den oberen 30er Zahlen. Egal, rein da und durch die Waggons gucken.

Ich schlängelte mich mit Koffer durch die engen Gänge, wo andere ebenfalls mit dickem Koffer ihre Plätze suchten.
35…34…33…32… Ende. So, da stand ich nun in Wagen 32 und bin am “Ende” angekommen. Nix ging weiter, da hier der Zug endete, zumindest der eine. Also abwarten und 35 min später raus aus dem Zug und in den anderen Teil wieder rein in den Zug. Erst ging die Tür nicht auf, dann bin ich gerannt wie ein blöder und als ich dann im anderen Zug ankam, ging es auch schon wieder los. Glück gehabt. Das war tatsächlich ein sehr kurzer Halt. Aber ich stand plötzlich direkt in Wagen 27. Na endlich!

Jetzt konnte ich den Rest der Fahrt bis nach Essen genießen. Aber tatsächlich nur bis zum Essener Bahnhof, da kam dann nämlich erst das richtige Drama auf mich zu…

Ich hörte schon ein, zwei Tage zuvor, das in NRW die Öffis streiken. Dazu zählte zu meinem Glück natürlich auch die Essener U-Bahn etc. Also stand ich da nun um kurz vor 8:00 Uhr in den leeren Gängen der U-Bahnen. Was nun? Taxi! So weit soll die Messe ja nicht vom Bahnhof entfernt sein. Also raus aus dem Gebäude und den Taxistand suchen.

Endlich auf dem Weg zur Messe, klingelte mein Telefon. Ich nahm es aus der Brusttasche und telefonierte die Fahrt über mit einem Kunden.

Bezahlt, Koffer und Kamera geschnappt und rein ins Messegebäude. Ich hatte ja ein Hotelzimmer vor Ort gebucht, direkt gegenüber der Messe. Doch leider darf man ja erst am Nachmittag ins Hotel rein, daher hatte ich keine andere Zieladresse als direkt zur Messe zu gehen. Dort konnte ich meinen Koffer bei jemandem am Messestand lassen.

Doch man ließ mich nicht rein. Mein Presseausweis berechtigte mich nicht dazu, wie auf ALLEN anderen Messen, die Hallen früher zu betreten. Dies führte noch am selben Tag übrigens dazu, das einige Pressevertreter frühzeitig abgereist sind. Das hat es tatsächlich noch nie irgendwo gegeben. Wie soll man denn in Ruhe berichten, wenn man nur mit den Menschenmassen zusammen um 10 Uhr rein darf?

Egal, war ja nicht zu ändern. Also 45 Minuten warten.
STOPP… Wo ist mein Handy?

Ich suchte alles ab, doch mein Handy war verschwunden. Kurz überlegt: Telefonat im Taxi… Wo hab ich es hingesteckt? Mist… bestimmt Jackentasche und da ist es beim aussteigen rausgefallen. Also raus aus der Messe, doch auf der Straße lag es nicht. Ein Taxifahrer meinte er fährt mich zum Bahnhof. Die Kollegen fahren IMMER WIEDER an den gleichen Stand ran. “Der steht da gleich wieder hinten dran”.

Okay, völlig unüberlegt ins Taxi gesprungen. Verdammt… mein “halbes Leben” fährt gerade mit dem Taxi zum Bahnhof zurück und ich mit dem anderen Taxi hinterher. Könnte ich doch bloß den anderen Taxifahrer anrufen….

Oh man… warum bin ich da nicht früher drauf gekommen? Also mit dem Handy vom Taxifahrer mein eigenes Handy angerufen. Er ging tatsächlich ran:
“Isch habe dein Handy, kommst du raus?”

Ich sagte ich bin auf dem Weg zum Bahnhof, wir treffen uns da. Aber nein, er war schon wieder bei der Messe vor der Tür, also fünf Minuten in der anderen Richtung. Ich sagte meinem jetzigen Fahrer, er müsse umdrehen, weil mein Handy schon wieder mit dem anderen Taxifahrer bei der Messe ist. Doch der wollte absolut nicht umdrehen. Ich bin echt sauer geworden, doch er sagte die ganze Zeit, er könne nicht umdrehen weil er einen Auftrag da hat.

Aussteigen war an der dreispurigen Hauptstraße im morgentlichen Verkehrschaos wo die Öffis gestreikt haben auch keine Option. Hier hätte ich kein Taxi zum zurückfahren gefunden. Also blieb mir nur, wieder am Bahnhof ein weiteres Taxi zu nehmen und wieder zurück zur Messe zu fahren.

15 Minuten später versuchte ich dann mit dem Handy des nächsten (dritten) Taxifahrers wieder mein Handy anzurufen um den “Aufpasser” meines Handys zu sagen, das ich auf dem Weg bin, aber der Stau uns aufhält. Dieser belehrte mich dann erstmal, das ich aber keine “krummen Dinger mit seinem Handy machen soll”. Was denn für krumme Dinger? Ich will doch bloß mein Handy anrufen, was mit einem Kollegen von ihm bei der Messe auf mich wartet.
“Aber nicht machen Handel mit Drogen mit meinem Handy” - seh ich aus wie ein Drogendealer?

Über eine halbe Stunde und mehr als 60 Euro später hielt ich dann vor der Messe wieder glücklich mein Handy in der Hand. Hab mich tausend mal beim ersten Fahrer bedankt und ihm natürlich ordentlich Trinkgeld gegeben.

Jetzt musste ich mich erstmal auf einen Blumenkübel setzen und alles verarbeiten. Was für ein Donnerstagmorgen….

Aber hey… Es war genau 10 Uhr, ich konnte direkt in die Messehallen rein.

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