BlattlĂ€use, Schnecken, Gespinstmotten, und du greifst zum Spritzmittel oder Schneckenkorn, damit endlich Ruhe ist? Damit zĂŒchtest du leider genau die Tiere, die du loswerden willst. Warum Pestizide den zweiten Befall schlimmer machen als den ersten, was die Biologie der Blattlaus damit zu tun hat und wie du aus diesem teuren Kreislauf herauskommst, schauen wir uns jetzt an!

Bei der Ăbernahme meines Gartens âDĂ€negartâ im Jahr 2024 fand ich eine leblose FlĂ€che aus Wiese und Kirschlorbeer vor. Im krassen Gegensatz zum angrenzenden, lebendigen Moor gab es hier weder Vögel noch Insekten; selbst meine neu gepflanzten Blumen blieben unangetastet. Mir wurde schnell klar: Dieser Garten war steril. Lediglich ein paar Frösche und Molche suchten in einem eingegrabenen Mörteleimer nach Larven. Als ich dann begann, Obst und GemĂŒse anzubauen, nahm das Unheil seinen Lauf: Massenhafte Schnecken- und Blattlausplagen sowie die hartnĂ€ckige BraunfĂ€ule bescherten mir einen Totalverlust nach dem anderen. Das war ⊠ja. Nicht sehr toll?
Du liest das vielleicht und denkst dir: Kenne ich, deshalb streue ich einmal im Jahr Schneckenkorn, spritze im FrĂŒhjahr gegen Pilze und setze bei BlattlĂ€usen ein Mittel ein. VerstĂ€ndlich. Ich habe es trotzdem gelassen, und gleich erfĂ€hrst du, warum. Was ich stattdessen gemacht habe: Ich habe es ausgehalten. Denn ich kenne das Prinzip der pest resurgence, und du kennst es vermutlich aus der Praxis, selbst wenn dir der Begriff nichts sagt.

Das Prinzip âpest resurgenceâ: Warum der zweite Befall schlimmer wird
Das Szenario kennst du sicher: Deine Rosen sind voller BlattlĂ€use. Weil die erhofften MarienkĂ€fer aber irgendwie auf sich warten lassen und nicht beikommen, greifst du irgendwann entnervt zum Spritzmittel. Die Pflanzen werden befreit und sind dann auch erst einmal blattlausfrei, doch der Schein trĂŒgt. Genau in diesem Moment schlĂŒpfen andernorts in deinem Garten nĂŒtzliche MarienkĂ€fer- und Ohrwurmlarven und gehen auf Beutejagd â vergebens, keine Blattlaus da! Trotz der beruhigenden Versprechen auf den Verpackungen, das Mittel treffe nur die Zielart, werden fast immer auch andere Tiere in Mitleidenschaft gezogen. Die bittere Folge: Die nachrĂŒckenden NĂŒtzlinge verhungern oder sterben an den Giftstoffen.
Jetzt beginnt dein Problem. Die Insektenkinder sind verhungert, und an deinen Rosen krabbelt was ⊠Moment mal, was ist da los? Aus einer Rille deines Hochbeets kommen die BlattlĂ€use Hilda und Frieda gekrochen. Dort saĂen sie nĂ€mlich, wĂ€hrend du alles mit Gift eingenebelt hast. Man erwischt eben nie alle Tiere. Bei BlattlĂ€usen ist das besonders fatal, denn sie können ihre Population innerhalb weniger Tage komplett neu aufbauen. Im FrĂŒhling und Sommer bringen die Weibchen lebende Junge zur Welt, ganz ohne Paarung. Jede Tochter ist ein Klon ihrer Mutter und trĂ€gt bereits die nĂ€chste Generation in sich, noch bevor sie selbst geboren wurde, also fast wie bei einer Matroschka-Puppe. Das sorgt fĂŒr eine geradezu explosionsartige Vermehrung mit bis zu vierzig Generationen in einem einzigen Sommer. Erst im Herbst, wenn Tage kĂŒrzer werden, die Temperaturen sinken und die Pflanzen abbauen, Ă€ndert sich die Strategie: Plötzlich entstehen auch MĂ€nnchen. Nach der Paarung werden winterharte Eier abgelegt, aus denen im FrĂŒhjahr wieder neue Weibchen schlĂŒpfen, die den Kreislauf der jungfrĂ€ulichen Vermehrung von vorn beginnen.

Was jetzt ganz besonders schlecht ist: OhrwĂŒrmer und viele andere Gegenspieler, etwa unsere heimischen SiebenpunktmarienkĂ€fer, bringen pro Jahr in der Regel nur eine einzige Generation zur Welt. Eine. Verhungert diese Generation, weil du alles weggespritzt hast, bleibt niemand ĂŒbrig, der deine Pflanzen gegen FraĂfeinde verteidigt. Auch spĂ€ter im Jahr nicht, wenn die KohlblattlĂ€use kommen, um sich an deinem GrĂŒnkohl gĂŒtlich zu tun. Bei Schnecken lĂ€uft das ĂŒbrigens Ă€hnlich.
Wegen dieser ganzen Mechnismen fĂ€llt der zweite Befall oft heftiger aus als der erste, du spritzt verzweifelt nach, und das dreht sich immer weiter im Kreis, bis dein Garten komplett von dir, deinem Geldbeutel und dem Gift abhĂ€ngt. Dieses PhĂ€nomen bezeichnet man als âpest resurgenceâ, und aus diesem Kreislauf kommst du nur mit Anstrengung und Opferbereitschaft wieder heraus. Aber du kannst was machen, und ich zeige dir jetzt, wie das geht: